UScale-Ladestudie 2026: Warum 66 Prozent der Umsätze an nur einen Anbieter gehen

KI-generierte Darstellung eines modernen Elektrofahrzeug, das in der Dämmerung an einer eleganten Hochleistungs-DC-Schnellladestation lädt; ein in leuchtendem Hochvolt-Orange strahlendes Kabel ist mit dem Fahrzeug verbunden
KI-Grafik: Schmidtis Blog
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Die aktuellen Zulassungszahlen sind beeindruckend: Mehr als jeder dritte Neuwagen in Deutschland rollt inzwischen rein elektrisch vom Hof – fast eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahresmonat. Was für Ladeanbieter wie der lange erhoffte Boom klingt, verwandelt sich an den Ladesäulen jedoch in einen gnadenlosen Verdrängungswettbewerb. E-Autofahrer haben zwar mehrere Lade-Apps auf dem Smartphone, überweisen ihr Geld aber fast ausschließlich an einen einzigen Favoriten.

Energieversorger führen, reine Ladenetze geraten unter Druck

Die frisch vorgelegte CPO/eMSP Charging Services Study 2026 von UScale, für die im Juli 2026 exakt 2.507 Fahrer batterieelektrischer Fahrzeuge in Deutschland befragt wurden, legt das Nutzungsverhalten offen. Im Schnitt installieren erfahrene E-Autofahrer 3 Ladedienste, während Neueinsteiger auf 2,4 Dienste kommen. Das entscheidende Detail für Betreiber: Auf den gewählten Hauptfavoriten entfallen rund zwei Drittel (66 %) aller Ladevorgänge und damit der Umsätze.

Andere Apps dienen lediglich als Ausweichlösung für Langstrecken, beim Wocheneinkauf oder wenn der bevorzugte Ladepunkt belegt ist. Während das öffentliche Laden preislich stark vom Heimladen abweicht, entscheiden Vertrauen und Routine über die tägliche Nutzung.

Beim Kampf um den Stammplatz liegen die großen Energieversorger mit Angeboten wie EnBW mobility+, E.ON Drive und EWE Go an der Spitze. Auf Platz zwei folgen Mineralölkonzerne wie Aral pulse und Shell Recharge. Direkt dahinter etablieren sich die Ladedienste der Automarken, die direkt beim Fahrzeugkauf abgeschlossen werden. Maßgeschneiderte OEM-Tarife für Schnellladenetze sichern den Herstellern eine hohe Kundenbindung. Unabhängige Ladebetreiber wie Ionity, Fastned oder Allego folgen bei Nicht-Tesla-Fahrern erst auf Rang vier. Der Einzelhandel mit Aldi, Lidl und Edeka holt über günstige Gelegenheitsladevorgänge auf, während Stadtwerke und Roaming-Dienste in Nischen verharren.

Eine Sonderrolle nimmt Tesla ein: 88 Prozent der Tesla-Fahrer nutzen die Supercharger. Bei fremden Marken spielen die US-Ladesäulen kaum eine Rolle – nur 13 Prozent der Nicht-Tesla-Fahrer laden dort, und lediglich 3 Prozent nutzen sie bevorzugt.

Das Bekanntheits-Paradox: Hohe Reichweite bedeutet keine Kunden

Bekanntheit schützt im Ladebusiness keineswegs vor leeren Kassen. Über alle Anbieter hinweg kommen auf einen aktiven Nutzer etwa 1,2 E-Fahrer, die die Marke zwar kennen, aber nicht nutzen. Den Herstellerdiensten, EnBW mobility+, Aral pulse und Shell Recharge gelingt die Konvertierung: Sie haben mehr aktive Nutzer als Nicht-Nutzer unter den Kennern. Bei E.ON Drive, Ionity, EWE Go, Allego und Vattenfall dominiert hingegen die Gruppe der Nicht-Nutzer.

An Ablehnung liegt das selten – die meisten Nicht-Nutzer stehen bekannten Marken neutral oder positiv gegenüber. Rund ein Drittel ist offen für einen Test. Und die bestehende Kundschaft zeigt sich außerordentlich zufrieden: Acht Anbieter erzielen einen Net Promoter Score (NPS) von über 40 Punkten. An der Spitze stehen die Autohersteller (53 Punkte), Tesla (52 Punkte), Ionity (49 Punkte), Shell Recharge (48 Punkte) und Aral pulse (47 Punkte). Unter Tesla-Fahrern erreichen die Supercharger sogar 62 Punkte. Zum Vergleich: Der Schnitt der deutschen Energiebranche liegt bei bescheidenen 17 Punkten.

App-Qualität und Zuverlässigkeit schlagen reine Tarifpreise

Laut UScale-Gründer Axel Sprenger bestimmen vor allem drei Faktoren die Gunst der Fahrer: optimale Standorte, hohe Zuverlässigkeit und eine fehlerfreie App. Schwächen bei Hardware oder Software führen zum sofortigen Wechsel. Wenn technische Ausfälle das Schnellladen blockieren, verliert der Betreiber den Stammplatz im Smartphone.

Der Ladepreis spielt vor allem beim Einstieg eine Rolle, verliert im Alltag aber an Bedeutung. Entscheidend ist das passende Profil: Automarken punkten mit Nahtlosigkeit im Bordsystem, EnBW mit Netzabdeckung unterwegs und Discounter mit günstigen Ad-hoc-Preisen. Wer im wachsenden Markt gewinnen will, muss sein Kundenprofil schärfen und die Pflicht aus stabiler Hardware und App makellos liefern.

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