Samsung Galaxy Z Fold 9: Zwei teure Wetten auf denselben Trend

Samsung hat mit dem Galaxy Z Fold 8 einen Nerv getroffen. 40 Prozent aller europäischen Vorbestellungen gingen an das breite Standardmodell, in Südkorea waren es zusammen mit dem Ultra sogar 70 Prozent von 1,44 Millionen Bestellungen. Das Kuriose: Das Gerät kostet in Deutschland 1.999 Euro und ist trotzdem der Bestseller. Jetzt legt Samsung laut ETNews nach – mit nicht einem, sondern zwei neuen Wide-Format-Foldables für die Galaxy Z9-Generation 2027. Klingt nach Erfolgssträhne. Ist aber vor allem eine teure Wette, dass Kunden zwei fast identische Premium-Geräte auch tatsächlich unterscheiden wollen.
Warum Samsung überhaupt zwei Wide-Folds bauen will
Die Rechnung ist erstmal simpel. Der Square-Fold-Formfaktor des Z Fold 8, mit seinem breiteren 4:3-Innendisplay, hat das klassische Buchformat regelrecht deklassiert. Das teurere Z Fold 8 Ultra im alten Hochkant-Design musste sich mit dem Rest der Vorbestellungen begnügen. Wenn ein Produkt so eindeutig gewinnt, baut man logischerweise mehr davon.
Laut ETNews entwickelt Samsung für 2027 nun ein zweites Wide-Modell, das noch breiter ausfallen und ein Seitenverhältnis von 16:9 oder sogar 16:10 bekommen soll – speziell zugeschnitten auf Videoformate. Zusammen mit dem regulären Z Fold 9, dem Z Fold 9 Ultra, dem Z Flip 9 und einem neuen Z TriFold ergäbe das fünf Foldable-Modelle im kommenden Jahr. Vor drei Jahren hatte Samsung genau zwei.
Der Preis-Elefant im Raum
Das wird gerne übersehen: Die aktuelle Generation ist so teuer wie nie. Das Z Fold 8 startet bei 1.999 Euro, das Ultra bei 2.199 Euro, der Flip 8 bei 1.299 Euro – jeweils rund 100 Euro über dem Vorjahr. Samsung begründet das offiziell mit gestiegenen Speicherkosten für LPDDR5X-RAM und NAND-Flash.
Das wurde aber auch Zeit, dass mal jemand fragt: Wer bezahlt eigentlich für steigende Speicherpreise? Nicht nur der Kunde am Ende der Kette. Samsung selbst ist über seine Halbleitersparte einer der größten Profiteure genau dieser Preisspirale. Die Mobilsparte klagt über teurere Bauteile, der Mutterkonzern kassiert am anderen Ende mit.
Zwei neue Wide-Folds für 2027 bedeuten: Noch mehr High-End-Geräte in einem Preissegment, das schon jetzt bei 2.000 Euro aufwärts liegt. Ob man das wirklich braucht, zwei nahezu identische Formfaktoren im selben Preisrahmen? Eher nicht.
Die Konkurrenz schläft nicht
Während Samsung sein Portfolio aufbläht, bauen chinesische Hersteller schlanker und günstiger. Ein Honor Magic V3 zeigt, was technisch unter 2.000 Euro machbar ist – dünner, mit flacherer Falte, teils besserer Kamera. Auch Xiaomi und Vivo drängen mit dünneren, leichteren Foldables in den europäischen Markt.
Samsungs Antwort darauf ist nicht „dünner, leichter, günstiger“, sondern „mehr Modelle, mehr Auswahl, mehr Komplexität“. Das ist eine Portfolio-Strategie, keine Technologie-Strategie. Für einen Konzern, der bei Speicherchips selbst Marktführer ist, wirkt das seltsam zurückhaltend, wenn es um echte technische Differenzierung im eigenen Endgerät geht.
Was Kunden bei zwei Wide-Folds wirklich erwartet
Der Unterschied zwischen den beiden neuen Wide-Modellen soll laut Bericht vor allem das Seitenverhältnis sein: Standard-Fold 9 vermutlich weiter bei 4:3, das zweite, bislang unbenannte Modell breiter im 16:9- oder 16:10-Format für Videoinhalte. Konkrete Displaygrößen, Kamera-Ausstattung oder Preise nennt der Bericht nicht.
Preislich leider völlig daneben dürfte das trotzdem werden, wenn man die aktuelle Preisentwicklung fortschreibt. Ein zweites Premium-Wide-Modell 2027 wird kaum unter der 2.000-Euro-Marke starten – eher darüber, wenn Speicherpreise weiter steigen.
Erfolg kopieren statt neu erfinden
Der Galaxy Z Fold 8 hat bewiesen, dass Kunden für ein breiteres, praktischeres Innendisplay bereit sind, tief in die Tasche zu greifen. Samsungs Antwort darauf – zwei Wide-Folds statt einem – ist die naheliegende, aber auch die bequeme Lösung. Statt echter technischer Sprünge (dünnere Bauweise, bessere Kameras, fairere Preise) gibt es Portfolio-Wachstum.
Ob der Markt zwei nahezu identische 2.000-Euro-Foldables mit unterschiedlichem Seitenverhältnis tatsächlich braucht, bleibt die offene Frage. Die Konkurrenz aus China liefert unterdessen leisere, aber technisch ambitioniertere Antworten. Bis Samsung die fünf Foldables 2027 tatsächlich zeigt, bleibt viel Zeit – Zeit, die der Konzern besser für echte Differenzierung nutzen sollte als für ein zweites Display-Seitenverhältnis.
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