Volkswagen: 75 % weniger Varianten und radikaler Modell-Kahlschlag

Ausgemusterte VW-Modellschriftzüge von Touran und T-Roc liegen auf dem Hallenboden einer Volkswagen-Fabrik neben einem Schild zur Produktionseinstellung. Im Hintergrund symbolisiert eine Anzeige den drastischen Stellenabbau bis 2030
Grafik: Schmidtis Blog
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Wer heute einen VW konfiguriert, braucht Urlaub und Nerven aus Stahl. Hunderte Klick-Kombinationen, zig Ausstattungslinien und Motoren, die kein Mensch auseinanderhalten kann. Damit ist jetzt endgültig Schluss: Volkswagen halbiert seine Modellpalette perspektivisch um bis zu 50 Prozent und streicht die absurde Variantenvielfalt um satte 75 Prozent.

Aus Kundensicht kann man da nur sagen: Endlich! Während Tesla mit zwei Klicks im Bestellprozess durch ist, hat sich Wolfsburg jahrelang in einem unübersichtlichen Konfigurator-Wahnsinn verrannt, der in der Produktion Unsummen verschlingt. Jede Zierleiste und jede seltene Antriebs-Kombination kostet bei der Homologation, im Einkauf und in der Logistik echtes Geld.

Das 130-Milliarden-Dilemma: Warum VW jetzt kürzen muss

Der plötzliche Minimalismus hat einen harten finanziellen Hintergrund. Die Kassen sind nicht mehr so voll. Wurden für den letzten Fünfjahresplan noch 180 Milliarden Euro veranschlagt, sind es für 2026 bis 2030 nur noch rund 160 Milliarden. Intern bereitet man sich laut Medienberichten sogar auf Budgets von gut 130 Milliarden Euro vor.

Wenn die Kohle knapper wird, muss sie genau dorthin fließen, wo der Kampf gegen die chinesische Konkurrenz auf der Straße entschieden wird: in die MEB-Plattformen, höhere Ladeleistungen, bessere Zellchemie und vor allem in eine Software, die nicht beim Kaltstart einfriert.

KI statt Chaos: Der Real-World-Impact für E-Autos

Um diesen Rückstand aufzuholen, will VW-Entwicklungsvorstand Werner Tietz Künstliche Intelligenz massiv in die Fahrzeugentwicklung drücken. Simulationen, Softwaretests und die nervige Fehlersuche in komplexen Systemen sollen drastisch beschleunigt werden.

Für uns als Endverbraucher ist das die beste Nachricht an diesem harten Sparprogramm. Eine reduzierte, saubere Hardware-Basis bedeutet im Alltag weniger fehleranfällige Steuergeräte und hoffentlich OTA-Updates, die reibungslos funktionieren. Weniger Sonderausstattungen bedeuten schlichtweg weniger Fehlerquellen im Code.

Zukunftsbild 2030: Werden Werke jetzt zum Problem?

Der Konzern plant künftig mit einer globalen Auslastung von neun Millionen Fahrzeugen pro Jahr. Das klingt viel, bedeutet aber für Standorte wie Emden, Hannover oder Zwickau eine massive Zitterpartie, da hier laut Analysten im Extremfall sogar Schließungen diskutiert werden. Wenn 50 Prozent der Modelle wegfallen, stehen Bänder unweigerlich still, sofern die verbleibenden Volumenmodelle nicht einschlagen wie eine Bombe.

VW muss mit den verbleibenden Elektroautos jetzt zwingend ins Schwarze treffen. Die Preise müssen runter, die Technik muss sitzen. Der Konfigurator-Kahlschlag ist dafür die harte, aber zwingende Grundvoraussetzung.

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