VW: Bis zu 75 Prozent aller Varianten werden jetzt gestrichen

weißes Volkswagen Logo auf dunkelblauem Hintergrund
Quelle: Volkswagen AG
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Wer in den vergangenen Jahren versucht hat, einen Neuwagen bei Volkswagen zu konfigurieren, brauchte Nerven aus Stahl. Unzählige Motor-Getriebe-Kombinationen, endlose Optionslisten und absurde Nischenmodelle haben nicht nur uns Kunden überfordert, sondern vor allem die Kosten in Wolfsburg explodieren lassen. Damit ist jetzt Schluss: Wie die Automobilwoche unter Berufung auf ein internes Schreiben berichtet, zieht der Konzern die Reißleine.

Die Modellpalette soll um bis zu 50 Prozent schrumpfen, während bei der Angebotsvielfalt sogar bis zu 75 Prozent der Varianten wegfallen. Finanzchef Arno Antlitz und Entwicklungsvorstand Werner Tietz stellen unmissverständlich klar, dass der Aufwand pro Fahrzeug massiv sinken muss. Jahrelang hat man den Baukasten mit immer neuen Nischen überfrachtet – jetzt folgt die überfällige Bereinigung.

Investitions-Kürzungen: Milliarden-Loch zwingt zu hartem Sparkurs

Hinter dem radikalen Schritt steckt nackte finanzielle Notwendigkeit. Zölle, geopolitische Verwerfungen und der massive Absatzeinbruch im Kernmarkt China hinterlassen tiefe Krater in der Bilanz. Im Jahr 2025 flossen noch 34,4 Milliarden Euro in Investitionen, davon 19,4 Milliarden Euro (eine Quote von 11,8 Prozent des Umsatzes) allein in Forschung und Entwicklung. Dieses Niveau kann und will VW nicht mehr halten.

Waren für die Jahre 2024 bis 2028 noch 180 Milliarden Euro eingeplant, wurde der Rahmen für 2026 bis 2030 bereits auf rund 160 Milliarden Euro gekürzt. Künftig könnten die Ausgaben pro Fünfjahreszeitraum sogar auf rund 130 Milliarden Euro absacken. Um trotz schrumpfender Kassen technologisch nicht den Anschluss zu verlieren, setzt Entwicklungsvorstand Tietz auf radikal vereinfachte Plattformen und den flächendeckenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Zukunftsbild 2030: Was wird aus den deutschen Werken?

Konzernchef Oliver Blume deckelt die weltweiten Produktionskapazitäten im Rahmen des Programms „Zukunftsbild 2030“ auf neun Millionen Einheiten pro Jahr. Für Standorte mit chronischer Unterauslastung wie Emden, Zwickau, Hannover oder Neckarsulm brechen damit ungemütliche Zeiten an. Offiziell ist über Schließungen oder Personalabbau noch nicht entschieden, doch intern werden bereits Szenarien gewälzt – von der Auftragsfertigung chinesischer Fabrikate bis hin zu industriellen Alternativnutzungen.

Für uns Autokäufer ist dieser Kahlschlag Fluch und Segen zugleich. Einerseits fliegen liebgewonnene Nischen-Konfigurationen und Spezialausstattungen endgültig aus der Preisliste. Andererseits könnte die drastische Entschlackung der Software- und Plattformarchitektur genau das bringen, woran es in Wolfsburg seit Jahren hapert: fehlerfreie Systeme, schnellere Updates und endlich wieder marktgerechte Preise.

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