Xiaomi: Rekord-Auslieferungen retten Milliardengrab nicht

Frontansicht der Xiaomi YU7 True Standard Edition
Quelle: Xiaomi
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Über 104.000 ausgelieferte Stromer im zweiten Quartal 2026 klingen nach einem absoluten Durchmarsch. Doch wer bei Xiaomi jubelt, blendet die Realität aus: Die Sparte für Elektroautos und KI verbrennt weiter massiv Geld. Ein operativer Verlust von 2,6 Milliarden Yuan – rund 315 Millionen Euro – steht unterm Strich. Das Minus verringert sich im Vergleich zum Vorquartal zwar leicht, doch von nachhaltiger Profitabilität ist der Tech-Konzern meilenweit entfernt.

Besonders die Marge stürzt ab. Lag die Bruttomarge vor einem Jahr noch bei starken 26,4 Prozent, schrumpfte sie nun auf magere 19,2 Prozent zusammen. Der Grund ist offensichtlich: Der Hype um den teuren Prestigeflitzer SU7 Ultra flaut im Modellmix ab, während die Kundschaft vor allem zu den margenschwachen Basismodellen greift. Der durchschnittliche Verkaufspreis sank prompt auf knapp 27.700 Euro – und teure Zukaufteile fressen die verbleibende Marge auf.

Die Smartphone-Krise trifft Xiaomi zur Unzeit

Richtig gefährlich wird die Lage durch den Blick auf das Gesamtunternehmen. Bislang galt das Smartphone-Geschäft als verlässliche Cashcow, um das automobile Milliardengrab querzufinanzieren. Doch genau dort brennt jetzt der Baum: Explodierende Speicherchip-Preise ließen Xiaomis gesamten Konzern-Nettogewinn um 42,6 Prozent auf 794,2 Millionen Euro einbrechen. Weil Xiaomi die Kosten an die Käufer weiterreichte, sackte der Smartphone-Absatz um 26 Prozent ab.

Xiaomi gerät damit in eine gefährliche Zwickmühle. Für Forschung, KI-Infrastruktur rund um das Sprachmodell MiMo und den weiteren Fabrikausbau flossen allein im letzten Quartal 2,4 Milliarden Yuan an Investitionen in den E-Auto-Bereich. Wenn das Handy-Kerngeschäft wegbricht, wird jeder verbrannte Euro im Fahrzeugbau zur echten Belastungsprobe.

Das Jahresziel von 550.000 Autos ist reine Illusion

Trotz mehr als 500.000 ausgelieferten SU7 seit dem Marktstart steht das offizielle Jahresziel auf extrem wackeligem Boden. Bis Ende Juli brachte Xiaomi gerade einmal 216.322 Fahrzeuge auf die Straße. Im Juli sackten die Auslieferungen sogar um zehn Prozent auf rund 31.200 Einheiten ab. Um die anvisierten 550.000 Fahrzeuge für 2026 tatsächlich zu knacken, müsste Xiaomi in den verbleibenden fünf Monaten jeden Monat knapp 67.000 Autos ausliefern. Das halte ich beim aktuellen Marktumfeld für völlig utopisch.

Die Wende soll nun die neue SUV-Baureihe Sky Nomad mit Range Extender und bis zu 1.705 Kilometern Reichweite einleiten. Ob ein schweres SUV auf der neuen Kunlun-Architektur und der geplante Europa-Start 2027 den Turnaround erzwingen? Das Ganze bleibt ein extrem riskanter Drahtseilakt auf Kosten der Rendite.

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