Android-Trojaner Manic: Neuer Schädling greift PINs unsichtbar ab
Sicherheitsforscher von ThreatFabric schlagen Alarm wegen einer neuen Android-Schadsoftware namens Manic. Der Schädling kombiniert klassische Banking-Trojaner-Funktionen mit gezielter Spionage und hat es auf insgesamt 169 Apps abgesehen. Auf der Angriffsliste stehen neben Messengern und Krypto-Wallets vor allem Banken, 2FA-Authentifikatoren und staatliche eID-Anwendungen aus Ländern wie Deutschland, Österreich und der Ukraine.
Erste Spuren der Software reichen laut den Analysten bis in den Februar 2026 zurück, gefolgt von einer im Juli überarbeiteten Variante mit besserem Analyseschutz. Genaue Infektionszahlen für Deutschland gibt es bislang nicht, aber das technische Vorgehen zeigt deutlich, wie professionell die Angreifer arbeiten.
Unsichtbare Klicks statt plump gefälschter Bankseiten
Klassische Banking-Trojaner setzen meist auf nachgebaute Oberflächen, die sie über das Original legen – wer genau hinschaut, kann solche Fälschungen oft entlarven. Manic spart sich diesen Aufwand und legt stattdessen eine durchsichtige Ebene exakt über das echte Ziffernfeld der geöffneten Banking-App. Tippst du deine PIN ein, registriert der Trojaner die Koordinaten, schaltet sich kurz ab und gibt den Tastendruck über die Android-Bedienungshilfen an die Original-App weiter.
Auf dem Display sieht alles völlig normal aus und die Bank-App funktioniert fehlerfrei, während die Zugangsdaten im Hintergrund direkt beim Angreifer landen. Über eine Funktion namens autoEnterPin versucht der Schädling zudem, zuvor mitgeschnittene PINs oder Muster selbstständig am Sperrbildschirm einzugeben. Die missbrauchten Bedienungshilfen dienen gleichzeitig als Keylogger, der erfasste Eingaben automatisch nach Passwörtern, Krypto-Seed-Phrasen oder SMS-Codes vorsortiert.
Offline-Relais: Wenn infizierte Handys Daten weiterschleusen
Besonders perfide ist der Mechanismus für den Datenabfluss, falls das infizierte Smartphone keine direkte Internetverbindung zu den Servern der Angreifer aufbauen kann. Manic verschlüsselt die erbeuteten Daten und sucht über Wi-Fi Direct, Bluetooth oder Bluetooth Low Energy nach anderen infizierten Geräten in Funkreichweite. Hat das Nachbargerät Netz, wandert das Datenpaket dorthin und wird von dort an die Hintermänner geschickt – bis zu vier Zwischenstationen sind dafür vorgesehen.
Ein kompromittiertes Gerät einfach vom heimischen WLAN oder Mobilfunk zu trennen, stoppt den Datendiebstahl also nicht zwingend, solange sich ein zweites infiziertes Smartphone in der Nähe befindet. Das macht die Eindämmung im Ernstfall extrem tückisch.
So nistet sich Manic ein und so schützt du dich
Um auf dem Gerät nicht aufzufallen, tarnt sich Manic mit harmlos klingenden Paketnamen wie tech.intel.dialer.updater, org.honor.secure.helper oder io.motorola.secure.executor. Neuere Versionen blenden das App-Symbol nach der Installation komplett aus der App-Übersicht aus und versuchen automatisiert, Google Play Protect im Play Store abzuschalten.
Der gesamte Angriff steht und fällt jedoch mit zwei kritischen Android-Rechten: den Bedienungshilfen und dem Benachrichtigungszugriff. Wir empfehlen daher einen schnellen Blick in die Android-Einstellungen: Prüfe unter Bedienungshilfen, welche Dienste dort aktiv sind, und deaktiviere alles, was du nicht ganz bewusst selbst eingerichtet hast. Wie gewohnt gilt: Installiere keine dubiosen APK-Dateien aus fremden Quellen, selbst wenn die Download-Seite optisch nach einem bekannten Hersteller aussieht.
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