BYD: Dieser Akku-Test greift die größte E-Auto-Angst an

30.000 Kilometer in nicht einmal neun Tagen. Mehr als 350 Schnellladevorgänge. Temperaturen von über 36 Grad. Und am Ende meldet BYD für den Akku seines Yangwang U7 noch 98,7 Prozent Restkapazität. Genau diese Zahl dürfte derzeit wichtiger sein als Reichweite, Leistung oder Beschleunigung. Denn sie trifft einen Nerv vieler E-Auto-Käufer.
Die Sorge ist bekannt: Wer ständig ultraschnell lädt, ruiniert auf Dauer den Akku. BYD behauptet jetzt indirekt das Gegenteil.
350 Schnellladungen sind die eigentliche Schlagzeile
Für den Test wurde laut Yangwang ein reguläres Serienfahrzeug eingesetzt, das nicht speziell modifiziert worden sein soll. Der Hersteller ließ den U7 auf einer Teststrecke in Nanning rund 30.000 Kilometer absolvieren. Dabei erfolgten mehr als 350 Schnellladevorgänge mit Leistungen von bis zu 640 kW. Nach Abschluss des Tests lag die gemeldete Batteriekapazität noch bei 98,7 Prozent.
Das ist deshalb bemerkenswert, weil ausgerechnet Hitze und hohe Ladeleistungen zu den Faktoren gehören, die bei Lithium-Ionen-Batterien als besonders belastend gelten. BYD hat seinen Akku also nicht geschont, sondern gezielt unter Bedingungen getestet, die möglichst viel Stress erzeugen sollten.
BYD will eine alte Debatte beenden
Der Yangwang U7 ist das erste Modell mit der neuen Blade Battery 2.0. BYD bewirbt die Technologie mit höherer Energiedichte, extrem schnellen Ladezeiten und einer verbesserten Haltbarkeit. Die Batterie ist Teil einer Strategie, bei der Ladezeiten zunehmend an klassische Tankstopps heranrücken sollen.
Genau deshalb ist dieser Test mehr als eine reine Marketing-Aktion für ein Luxusmodell. Die Branche muss heute nicht mehr nur beweisen, dass Elektroautos weit fahren können. Sie muss beweisen, dass Akkus auch dann lange durchhalten, wenn Fahrer die maximale Ladeleistung regelmäßig nutzen.
Der Wert von 98,7 Prozent hat einen Haken
So beeindruckend die Zahl auf den ersten Blick wirkt: Sie beantwortet nicht die wichtigste Langzeitfrage.
Ein Test über neun Tage kann zwar zeigen, wie ein Akku auf hohe Belastung, Hitze und häufiges Schnellladen reagiert. Er kann aber nicht die sogenannte kalendarische Alterung simulieren. Batterien altern schließlich auch dann, wenn ein Fahrzeug gar nicht bewegt wird. Genau dieser Effekt entsteht über Jahre und nicht innerhalb weniger Tage.
Deshalb wäre es ein Fehler, aus dem Ergebnis direkt auf die Haltbarkeit nach fünf oder acht Jahren zu schließen. Dafür fehlen weiterhin belastbare Langzeitdaten aus dem Alltag.
Warum BYD den Test ausgerechnet jetzt zeigt
China verschärft die Anforderungen an Zuverlässigkeitstests von Fahrzeugen. Gleichzeitig steigen auch in Europa die regulatorischen Anforderungen. Die Euro-7-Regeln sehen für Elektroautos Vorgaben zur Batterieleistung über mehrere Jahre und hohe Laufleistungen hinweg vor. Neue Fahrzeugtypen müssen unter anderem nachweisen, dass die Batterie nach Jahren der Nutzung definierte Mindestwerte erreicht.
Plötzlich wird Akku-Gesundheit damit nicht mehr nur ein Marketing-Argument. Sie wird zu einer Frage der Zulassung.
Die eigentliche Botschaft
Der wichtigste Wert dieses Tests sind nicht die 30.000 Kilometer und auch nicht die 240 km/h Dauergeschwindigkeit. Interessant ist vielmehr der Versuch, eine zentrale Angst vieler Interessenten anzugreifen: Dass häufiges Schnellladen automatisch zu starkem Akkuverschleiß führt.
Ob der Yangwang U7 langfristig wirklich so gut altert, wird erst die Realität zeigen. Aber eines wird durch diesen Test bereits deutlich: Die Hersteller wissen inzwischen genau, wo die größte Vertrauenshürde beim Elektroauto liegt. Und genau dort versucht BYD jetzt offensiv zu liefern.
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