VW ID. California Cruise: Teures Bett statt echter Camper

VW ID. California Cruise Elektro-Camper
Quelle: Volkswagen AG
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Volkswagen bringt den California endlich als Elektroauto. Doch wer beim ID. California Cruise einen voll ausgebauten Camper mit Küche, Aufstelldach und cleveren Schränken erwartet, dürfte ziemlich schnell ernüchtert sein. Für mindestens 60.761 Euro gibt es im Kern einen ID. Buzz Pro mit Schlaflösung, Verdunkelung, Campingmöbeln und einer sinnvoll erweiterten Stromversorgung.

Die ersten Fahrzeuge sollen Anfang 2027 ausgeliefert werden. Angeboten wird der ID. California Cruise mit kurzem und langem Radstand, wobei der genannte Einstiegspreis für die kurze Version gilt. Den Preis des langen Modells hat Volkswagen noch nicht veröffentlicht.

Der Name California weckt größere Erwartungen

Als technisches Fundament dient der ID. Buzz Pro mit 210 kW beziehungsweise 286 PS starkem Heckantrieb. Beim kurzen Radstand kombiniert Volkswagen den Antrieb mit einer 79-kWh-Batterie, beim langen Radstand sind es 86 kWh. Der Radstand wächst dabei von drei auf 3,24 Meter.

Offizielle Reichweiten für den ID. California Cruise nennt Volkswagen bislang nicht. Angaben von bis zu 460 oder 498 Kilometern beziehen sich auf den normalen ID. Buzz Pro und dürfen deshalb nicht als bestätigte Reichweite des Campingmodells verkauft werden. Zusätzliche Ausstattung, Gepäck, Außentemperatur und Autobahntempo können den Verbrauch im Reisebetrieb verändern.

Auch Ladeleistung, Leergewicht und Zuladung des ID. California Cruise fehlen bisher. Das sind ausgerechnet jene Werte, die bei einem elektrischen Reisefahrzeug besonders wichtig wären. Ohne sie lässt sich nicht seriös beurteilen, wie viel Gepäck nach Passagieren, Campingausrüstung und möglichen Fahrrädern noch legal mitfahren darf.

VW umgeht den schweren Campingausbau

Der reduzierte Ausbau dürfte kein Zufall sein. Nach Berichten etablierter Fachmedien war das Gewicht lange ein entscheidendes Hindernis für einen elektrischen California auf Basis des ID. Buzz. Ein umfangreicher Ausbau hätte die verfügbare Zuladung stark eingeschränkt.

Volkswagens Antwort ist kein leichterer California Ocean, sondern ein deutlich einfacheres Campingkonzept. Der Cruise besitzt weder eine fest eingebaute Küche noch ein Aufstelldach. Statt schwerer Einbaumöbel liefert Volkswagen eine flexible Schlaflösung und mobiles Zubehör. Auto Motor und Sport ordnet das Fahrzeug entsprechend näher am reduzierten California-Beach-Ansatz als an einem vollwertigen Reisemobil ein.

Das ist pragmatisch, aber der Name arbeitet gegen das Produkt. „California“ steht bei vielen Kunden für mehr als die Möglichkeit, im Fahrzeug zu schlafen. Volkswagen selbst führt beim regulären California fünf Varianten vom Beach bis zum Ocean und nennt dort je nach Ausführung zwei bis vier Schlafplätze sowie eine verfügbare Küche. Der ID. California Cruise bleibt deutlich darunter.

Zwei Personen teilen sich 1,20 Meter

Die Liegefläche misst 2,03 Meter in der Länge und 1,20 Meter in der Breite. Darauf liegt eine neu entwickelte, neun Zentimeter starke Klappmatratze. Für eine Person ist das komfortabel dimensioniert, für zwei Erwachsene wird es ziemlich kuschelig. Ob man das wirklich über mehrere Wochen möchte, sollte man besser vor dem Kauf ausprobieren.

Zum serienmäßigen Campingpaket gehören Lüftungsgitter für die vorderen Seitenfenster, Verdunkelungselemente für sämtliche Scheiben, zwei Campingstühle und ein Campingtisch. Beim optionalen Panoramaglasdach liefert Volkswagen eine passende Verdunkelung mit. Die Bestandteile sollen sich im Fahrzeug verstauen lassen.

Optisch erhält der Cruise besondere „Miwo“-Sitzbezüge mit California-Schriftzug, einen weiteren Schriftzug am Heck und eine eigene Beklebung an den Fahrzeugseiten. Nett, aber Camper-Nutzwert entsteht nicht durch Logos. Entscheidend sind Bett, Belüftung, Stromversorgung und die Frage, wie unkompliziert sich das Fahrzeug zwischen Alltag und Übernachtung umbauen lässt.

Vehicle-to-Load ist das stärkste Argument

Seinen größten praktischen Vorteil spielt der ID. California Cruise bei der Stromversorgung aus. Über Vehicle-to-Load stehen 2.000 Watt Dauerleistung und bis zu 3,6 kW Spitzenleistung für externe Verbraucher bereit. Damit lassen sich laut Volkswagen unter anderem Kaffeemaschinen, Wasserkocher, Kochfelder, Kühlboxen sowie Ladegeräte für E-Bikes und E-Scooter betreiben.

Der benötigte PowerSocket-Adapter gehört zur Serienausstattung. Ebenfalls enthalten sind das Interieur Style Paket und das Komfortpaket, die beim regulären ID. Buzz aufpreispflichtig sein können. Der Einstiegspreis umfasst somit mehr als nur Matratze, Tisch und Stühle. Wie hoch der tatsächliche Preisaufschlag gegenüber einem vergleichbar ausgestatteten ID. Buzz ausfällt, lässt sich ohne vollständigen Konfiguratorvergleich allerdings noch nicht sauber beziffern.

V2L ist für einen Elektro-Camper deutlich sinnvoller als die seitliche Cruise-Beklebung. Trotzdem ersetzt eine leistungsfähige Steckdose keine integrierte Küche. Geräte müssen weiterhin mitgebracht, aufgebaut und anschließend sicher verstaut werden. Für Wochenendtouren kann das völlig reichen, für längere Reisen bleibt es ein Kompromiss.

Die Standklimatisierung bringt echten Komfort

Ein eigener California-Modus passt Licht- und Komfortfunktionen an den Campingbetrieb an und hält die USB-Anschlüsse aktiv. Die Klimatisierung kann den Innenraum laut Hersteller bis zu 48 Stunden am Stück heizen oder kühlen. Die mögliche Dauer hängt ausdrücklich vom Akkustand und von der Temperaturdifferenz zwischen Innenraum und Umgebung ab.

Das ist im Alltag ein greifbarer Vorteil. Bei Hitze muss nachts nicht mit geöffneten Fenstern geschlafen werden, bei niedrigen Temperaturen steht grundsätzlich eine elektrische Heizmöglichkeit bereit. Allerdings stammt die Energie aus derselben Batterie, die anschließend das Fahrzeug bewegen soll. Volkswagen nennt noch nicht, wie stark bestimmte Klimaszenarien die verbleibende Reichweite reduzieren.

Für die Reiseplanung soll die California-App passende Ladestationen entlang der Route anzeigen. Zusätzlich unterstützt der ID. California Cruise Plug & Charge über die Volkswagen-App. An kompatiblen Ladesäulen startet die Authentifizierung nach dem Einstecken automatisch, sofern Säule, Vertrag und Fahrzeug die Funktion unterstützen.

60.761 Euro sind nur auf den ersten Blick günstig

Der Einstiegspreis fällt niedriger aus als beim aktuell von Volkswagen beworbenen regulären California, der auf der Herstellerseite ab 66.087 Euro gelistet wird. Dieser Vergleich ist jedoch nur begrenzt sinnvoll, weil der klassische California je nach Variante bis zu vier Schlafplätze und eine eingebaute Küche bietet. Der ID. California Cruise verfolgt ein erheblich reduzierteres Konzept.

Wer ohnehin einen ID. Buzz als Alltagsauto möchte und gelegentlich zu zweit darin übernachtet, bekommt ein schlüssiges Paket: elektrischer Heckantrieb, Bett, Verdunkelung, Standklima und eine kräftige Stromversorgung für externe Geräte. Für genau diesen Einsatz wirkt der Cruise wesentlich ehrlicher als ein schwerer Komplettausbau, der Reichweite und Zuladung auffrisst.

Wer dagegen einen elektrischen Ersatz für California Coast oder Ocean sucht, bekommt ihn hier nicht. Küche, Aufstelldach, vier Schlafplätze und ein umfangreicher Möbelbau fehlen. Der ID. California Cruise ist deshalb eher ein ab Werk vorbereiteter Elektro-Micro-Camper als ein klassisches Reisemobil.

Das endgültige Urteil muss warten, bis Volkswagen Leergewicht, Zuladung, homologierte Reichweite, Verbrauch und Ladeleistung veröffentlicht. Ohne diese Angaben bleibt offen, wie gut der ID. California Cruise seine wichtigste Aufgabe erfüllt: zwei Personen samt Gepäck nicht nur schlafen zu lassen, sondern auch zuverlässig durch den Urlaub zu bringen.

Das Konzept ist cleverer, als es zunächst aussieht. Volkswagen hat das Gewichtsproblem offenbar nicht mit technischer Magie gelöst, sondern durch Weglassen. Das kann für viele Käufer genau richtig sein. Nur sollte niemand glauben, für 60.761 Euro einen elektrischen California Ocean zu erhalten.

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