Factorial: 80 Prozent billiger zum Festkörper-Akku?

Seit Jahren predigen uns die Autohersteller das Blaue vom Himmel: Festkörperbatterien kommen bald, laden in Minuten und brennen nicht. Doch wer heute beim Händler steht, kriegt immer noch die guten alten Lithium-Ionen-Akkus. Warum? Weil die neuen Zellen in der Herstellung unfassbar teuer und kompliziert sind. Genau das soll sich jetzt ändern. Das US-Startup Factorial hat sich mit dem südkoreanischen Giganten SK On zusammengetan, um den Knoten endlich platzen zu lassen.
Der Plan ist so simpel wie effektiv: Statt Milliarden in komplett neue Fabriken zu pumpen, wollen die beiden Unternehmen bestehende Produktionsstraßen für klassische Akkus einfach für die Festkörperzellen umrüsten. Laut Factorial-Chefin Siyu Huang drückt das die Investitionskosten um massive 80 Prozent. Das wurde aber auch Zeit.
1.205 Kilometer im Mercedes EQS – Die Technik liefert bereits
Dass die Zellen von Factorial keine heiße Luft sind, haben wir schon letztes Jahr gesehen. Ein modifizierter Mercedes EQS hat mit dem Akku schlappe 1.205 Kilometer am Stück abgerissen – ohne einen einzigen Ladestopp zwischen Stuttgart und dem schwedischen Malmö. Und auch Stellantis testet die Akkus aktuell ganz real in einem Dodge Charger Daytona auf öffentlichen Straßen.
Die Specs können sich sehen lassen: Eine Energiedichte von bis zu 375 Wattstunden pro Kilogramm und ein Ladehub von 15 auf 90 Prozent in flotten 18 Minuten. Das bedeutet im Alltag schlichtweg: weniger Gewicht im Auto und deutlich mehr Reichweite, ohne ewig an der Ladesäule zu versauern.
Europa muss jetzt endlich aufwachen
Die Chefin von Factorial nutzt den Deal mit SK On auch direkt für eine knallharte Ansage an europäische und US-amerikanische Autobauer: Wenn ihr jetzt nicht in die Pötte kommt und investiert, überlasst ihr den Markt für die nächste Batterie-Generation komplett den Asiaten. SK On bringt mit einer weltweiten Kapazität von über 200 Gigawattstunden genau die Skalierbarkeit mit, die dem Startup bisher gefehlt hat.
Bis 2030, so die Prognose, wird sich der E-Auto-Markt zweiteilen: Unten dominieren günstige LFP-Akkus für die breite Masse. Im Hochleistungs-Segment übernimmt die Festkörperbatterie. Wir werden sehen, ob der ambitionierte Zeitplan wirklich hält. Ob man am Ende über 1.200 Kilometer Reichweite im Alltag wirklich braucht, sei mal dahingestellt – aber bezahlbare Festkörperzellen wären ein echter Befreiungsschlag für die Elektromobilität.
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