VW ID. EVERY1: Rivian-Software beendet das peinliche Update-Chaos

Volkswagen zieht endlich die Reißleine. Nachdem die hauseigene Software-Schmiede Cariad in den letzten Jahren Milliarden verbrannt und Kunden mit fehlerhaften Updates zur Verzweiflung getrieben hat, kauft man sich nun Expertise von außen ein. Satte fünf Milliarden US-Dollar lässt sich Wolfsburg das Joint Venture mit dem US-Startup Rivian kosten. Der erste Profiteur dieses radikalen Kurswechsels? Ausgerechnet das 20.000-Euro-Einstiegsmodell, der VW ID. EVERY1, der 2027 auf den Markt kommt.
Wir haben die leeren Versprechungen von „Over-the-Air-Updates“ in den letzten Jahren oft genug gehört. Doch diesmal ändert sich die technische Basis fundamental. Statt alter Fehlerkultur gibt es jetzt das volle Software-Defined-Vehicle-Paket (SDV). Was das für euren Alltag bedeutet, dröseln wir hier auf.
Zonenarchitektur: Schluss mit dem absurden Steuergeräte-Flickenteppich
Wer schon mal versucht hat, bei einem aktuellen ID-Modell ein größeres Software-Update durchzuführen, kennt das Drama. Der Grund für die Abstürze liegt in der historisch gewachsenen Hardware: Bis zu 100 einzelne kleine Steuergeräte verschiedenster Zulieferer müssen im Auto miteinander kommunizieren. Ein Albtraum für jeden Programmierer.
Beim ID. EVERY1 fliegt dieser alte Ballast komplett raus. Die Rivian-Kooperation bringt eine moderne Zonenarchitektur ins Auto. Das bedeutet: Nur noch eine Handvoll extrem leistungsstarker Zentralrechner übernimmt die komplette Steuerung – vom Infotainment bis zum Batteriemanagement. Weniger Komplexität, direktere Wege und vor allem eine Basis, die sich endlich sauber updaten lässt.
OTA-Updates über Nacht: Das Tesla-Prinzip kommt im Massenmarkt an
Für uns als Endkunden zählt nur eines: Wir wollen wegen eines blöden Software-Bugs nicht mehr in die Werkstatt fahren müssen. Was Tesla-Fahrer seit einem Jahrzehnt müde belächeln, soll beim ID. EVERY1 ab 2027 Standard werden. Fehler erkannt, Update programmiert, nachts über Mobilfunk oder WLAN aufs Auto gezogen – fertig.
Das Versprechen klingt großartig, birgt aber das klassische Risiko der „Bananen-Software“. Liefert VW künftig unfertige Autos aus, weil man Fehler ja „schnell mal nachpatchen“ kann? Volkswagen verneint das vehement. Die Realität zeigt jedoch: Komplexe Fahrzeug-Software wird erst im echten Straßenverkehr erwachsen. Wenn VW mit der Rivian-Technik Fehler künftig in Tagen statt in Monaten behebt, ist das trotzdem ein massiver Gewinn für unsere Nerven.
Warum der ID. EVERY1 zum Schicksalsmodell wird
Dass VW diese brandneue, 5 Milliarden Dollar teure Architektur ausgerechnet in den 20.000-Euro-Kleinwagen packt, zeigt den immensen Druck. Der ID. EVERY1 muss funktionieren. Er ist der designierte Golf-Erbe für das Elektrozeitalter.
Wenn Volkswagen es 2027 schafft, mit der Rivian-DNA endlich flüssige Systeme, fehlerfreie OTA-Updates und vielleicht sogar nachträglich buchbare Features wie Hands-free-Fahren stabil auf die Straße zu bringen, dann war das der wichtigste Befreiungsschlag der Konzerngeschichte. Wenn nicht, hilft auch der beste Einstiegspreis nichts mehr.
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