XPeng: Der China-Konzern baut Europas E-Zukunft – und pfeift auf Flugtaxis

Der chinesische Heimatmarkt ist aktuell ein absolut gnadenloses Haifischbecken. Wer dort überleben will, muss entweder extrem billig bauen oder technologischer Spitzenreiter sein. XPeng-CEO He Xiaopeng hat das verstanden und schaltet auf Angriff: Europa soll keine Notlösung gegen fallende Margen in Fernost sein, sondern bis 2030 über eine Million Verkäufe außerhalb Chinas einfahren. Die Botschaft an BMW, Audi und Mercedes ist damit unmissverständlich.
Was XPeng hier abzieht, unterscheidet sich deutlich von der typischen Fernost-Konkurrenz. Während andere rein über das Volumen und den Preis den Markt schwemmen, begreift sich der Hersteller primär als Tech-Konzern, der eben zufällig Autos baut. Ein Blick auf die Ladeleistung von G6 und G9 zeigt, wie ernst gemeint dieser Anspruch ist. Aber wie sieht die Realität abseits der PR-Phrasen aus?
Graz statt Hinterhof: Strafzölle einfach wegproduzieren
Die drohenden EU-Strafzölle machen den Import chinesischer Stromer teuer. Was also tun? XPeng geht genau den Weg, den auch andere Player wie BYD oder Leapmotor anstreben, nutzt dabei aber clever etablierte Strukturen: Mit der Auftragsfertigung beim österreichischen Spezialisten Magna Steyr in Graz fertigt man den G6 und den G9 kurzerhand direkt vor unserer Haustür. Ganz ohne jahrelangen Bau eigener Werkshallen in der EU.
Auch das Händlernetz zieht massiv an. Kein rein digitaler Direktvertrieb, bei dem der Kunde bei Reparaturen im Regen steht: Die Chinesen setzen auf klassische Autohäuser, die sonst BMW oder Mercedes auf dem Hof stehen haben. Bis Ende des Jahres soll das Netz in Deutschland von rund 70 auf 110 Standorte anwachsen. Wenn die Werkstatt um die Ecke liegt, verliert der Wechsel zu einer neuen Marke bei vielen Autokäufern schnell seinen Schrecken.
Die Roboter-Visioun und das Ende der Flugtaxi-Träume
Spannend wird es beim Blick auf die Software. Statt das Rad neu zu erfinden, setzt XPeng beim kompakten SUV-Coupé L03 voll auf KI-Integration. CEO He Xiaopeng spricht von der „Symbiose aus Roboter und Auto“ als dem nächsten logischen Schritt nach dem reinen Wandel zur E-Mobilität. Das mag nach futuristischem Marketing-Sprech klingen, zeigt aber, wo die Reise hingeht: Das Auto wird immer mehr zum rollenden Computer, der dem Fahrer den Alltag erleichtern soll.
Sympathisch ist dabei die pragmatische Absage an verblendete Hypes. Jahrelang geisterte das Thema urbaner Flugtaxis durch die Medien – auch XPeng investierte in entsprechende Prototypen. Jetzt schiebt der Firmenchef der Vision vom fliegenden Stadtverkehr in dicht besiedelten Metropolen eine klare Absage wegen Lärm- und Platzproblemen ein. Fluggeräte machen höchstens in ländlichen Regionen oder im Lieferdienst Sinn. Endlich mal ein Manager, der eine Marketing-Blase platzen lässt, anstatt sie weiter aufzupumpen.
XPeng hat verstanden, wie der deutsche und europäische Markt funktioniert: Etablierte Partner im Vertrieb, regionale Fertigung zur Zoll-Vermeidung und Technik, die nicht schon beim Hinsehen ruckelt. Ob die ambitionierte Marke für das Ziel von einer Million Autos bis 2030 reicht, wird sich am Preisschild zeigen. Aber die Etablierten sollten diesen Angreifer definitiv im Rückspiegel behalten.
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