Skoda Enyaq Coupé 85 im Wintertest: Wie weit kommt der Stromer bei 1.000 Höhenmeter Aufstieg wirklich?

Die Frage kommt immer wieder, sobald es Richtung Skigebiet geht oder man zum ersten Mal mit dem Elektroauto in die Alpen fährt: Was macht der Verbrauch, wenn es ernsthaft bergauf geht? Der Enyaq Coupé 85 hat diese Frage jetzt mit konkreten Zahlen beantwortet – nicht auf einer Teststrecke, sondern auf echten bayerischen Landstraßen nach Oberjoch im Allgäu, 1.200 Meter über dem Meeresspiegel.
Das Testfahrzeug: der Enyaq Coupé 85 nach dem Facelift 2025, Heckantrieb, 210 kW, 77-kWh-Akku, WLTP-Reichweite 596 km. Vollausstattung Max-Paket inklusive DCC-Fahrwerk, Wärmepumpe, beleuchtetem Tech-Deck-Grill und Eco-Suite-Interieur. Startpreis des getesteten Coupé: ab 51.000 Euro, das Testfahrzeug mit Extras deutlich darüber.
Hinfahrt: rund 145 km ab dem Raum Augsburg, überwiegend Landstraßen und Ortsdurchfahrten, ein kurzes Stück Autobahn, Zielgeschwindigkeit konstant 100 km/h. Der Akku stand zu Beginn voll. Das Navigationssystem kalkulierte die Topografie von Anfang an mit ein und prognostizierte 62 Prozent bei Ankunft. Das klang gut. Wurde dann aber korrigiert: Etwa 40 km vor dem Ziel zeigte das System noch 53 Prozent – was tatsächlich am Hotel ankam. Das System hatte sich leicht verrechnet, möglicherweise wegen Temperatureffekten oder der Fahrweise eines Vornutzers, auf die die Prognose noch basierte. Mit 53 Prozent anzukommen ist bei dieser Strecke aber trotzdem ein solides Ergebnis. Der Verbrauch auf der Hinfahrt lag bei 21 kWh pro 100 km – realistisch für Wintertemperaturen um den Gefrierpunkt, 20-Zoll-Winterreifen und 1.000 Höhenmeter Aufstieg.
Rückfahrt: dieselbe Distanz, dieselbe Fahrweise, aber bergab. 800 Höhenmeter Gefälle, etwas wärmere Temperaturen, Abfahrt am Nachmittag. Das Navigationssystem prognostizierte bei Abfahrt mit 53 Prozent Akkustand eine Ankunft mit 27 Prozent – und lag damit punktgenau. Verbrauch auf der Rückfahrt: 13,6 kWh pro 100 km. Das ist der Effekt von Rekuperation über längere Gefällestrecken, der den Bergaufverbrauch teilweise wieder ausgleicht.
Über beide Strecken zusammen ergibt sich ein Schnitt von knapp über 17 kWh pro 100 km bei winterlichen Bedingungen, Überlandtempo und echtem Höhenprofil. Das entspricht einer realistischen Alltagsreichweite von über 400 km. Wer täglich 50 Kilometer pendelt, lädt sein Fahrzeug alle neun bis zehn Tage voll. Dieser Wert liegt erwartungsgemäß unter dem WLTP-Wert, aber der WLTP-Zyklus spiegelt kein solches Szenario wider.
Das DCC-Fahrwerk im Max-Paket macht auf Landstraßen einen spürbaren Unterschied. In der Komforteinstellung federt das Coupé Unebenheiten souverän weg, neigt dabei aber zu leichtem Nachwippen. Wer sportlicher fährt, stellt um. Der Heckantrieb zieht ordentlich und reagiert spontan, ohne nervös zu werden. Das One-Pedal-Driving fehlt auf der MEB-Plattform, die automatische Rekuperation mit Schildererkennung und Kurvenvorhersage kompensiert das in der Praxis aber weitgehend. Das System bremst auf Basis von Navigationsdaten und Temposchildern vor – rechtzeitig zum Ortsschild auf 50, ohne dass man die Bremse anrührt. Das funktioniert zuverlässig und macht auf Landstrecken echten Unterschied beim Verbrauch.
Ein Kritikpunkt bleibt: Die Ladeleistung des Hecktrieblers liegt bei maximal 135 kW. Das ist heute bestenfalls Durchschnitt – Konkurrenten wie Hyundai Ioniq 5 oder Audi A6 e-tron schaffen dank 800-Volt-Bordnetz weit über 200 kW. Die Allradversion 85x kommt auf 175 kW, braucht aber laut Skoda für 10 auf 80 Prozent trotzdem dieselben 28 Minuten wie der Hecktriebler. Wer lange Strecken plant, sollte das einkalkulieren.
Was der Test zeigt: Der Enyaq Coupé 85 taugt für den Winterurlaub in den Alpen. Man kommt hin, man kommt zurück, und das Navigationssystem weiß das meistens auch. 400 km Alltagsreichweite unter diesen Bedingungen sind kein Marketing-Versprechen, sondern ein gemessener Wert.
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