Volkswagen baut Produktion in Deutschland ab und verhandelt mit Xpeng

Die weitreichenden Umstrukturierungen bei Volkswagen hinterlassen tiefe Spuren in der heimischen Fertigungslandschaft. Eineinhalb Jahre nach dem harten Tarifkompromiss mit der IG Metall vom Jahresende 2024 hat der Autobauer das Ziel, die deutschen Produktionskapazitäten um über 700.000 Fahrzeuge zu drosseln, fast vollständig umgesetzt. Durch die Streichung kompletter Schichten und Fertigungslinien in Emden, Zwickau und Wolfsburg wurden Fabrikschließungen abgewendet. Lediglich in der Gläsernen Manufaktur Dresden läuft kein Auto mehr vom Band; dort entsteht stattdessen ein Innovationscampus. Sorgenkind bleibt Osnabrück, wo die hauseigene Fertigung demnächst ausläuft und die Zukunft der Belegschaft ungeklärt ist. Konzernchef Oliver Blume sucht nach kreativen Lösungen für den Erhalt des Standorts und verhandelt dafür unter anderem mit Rüstungsunternehmen.
Möglicherweise kommt die Rettung für Osnabrück aber auch aus Fernost. Der chinesische Kooperationspartner Xpeng sucht wegen ausgelasteter Kapazitäten beim bisherigen Auftragsfertiger Magna Steyr in Österreich nach einer europäischen Basis. Nordosteuropa-Chef Elvis Cheng bestätigte offizielle Gespräche mit Volkswagen über die Nutzung eines hiesigen Standorts. Allerdings schränkte Cheng ein, dass die deutschen VW-Werke technologisch teilweise als veraltet gelten und womöglich nicht die Anforderungen moderner Elektroplattformen erfüllen. Alternativ zieht das chinesische Unternehmen, das parallel auch mit dem Stellantis-Konzern verhandelt, einen kompletten Fabrikneubau in Europa in Betracht.
Im Wolfsburger Stammwerk nutzt Volkswagen den durch die Linienstreichungen gewonnenen Platz für eine grundlegende Modernisierung. Unter dem Projektnamen „Gamechanger“ soll beim Bau künftiger Elektroautos das sogenannte Megacasting zum Einsatz kommen. Bei diesem Großguss-Verfahren werden riesige Karosserieteile aus einem einzigen Stück gefertigt, was Hunderte Einzelteile überflüssig macht und die Produktion drastisch beschleunigt.
Die neue Technik greift allerdings erst sehr spät. Markenchef Thomas Schäfer dämpfte die Erwartungen an einen schnellen Start neuer Volumenmodelle und stellte klar, dass der vollelektrische Nachfolger des Golf nicht vor dem Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen wird. Das Fahrzeug, das künftig als ID. Golf vom Band laufen soll, verzögert sich damit im Vergleich zu ursprünglichen Planungen um mindestens zwei Jahre. Laut Schäfer sei das aktuelle Verbrenner- und Hybrid-Portfolio stark genug aufgestellt, um die Wartezeit zu überbrücken. Zudem genießt die neue Konzernplattform SSP zunächst bei den Premiumtöchtern Audi und Porsche Priorität, bevor die Kernmarke VW die Architektur für ihre Volumenmodelle nutzen darf.
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