Wer dominiert 2026 den deutschen Elektroauto-Markt? VW, Škoda, BMW – oder doch die Chinesen?

Der Diesel stirbt in Zeitlupe. Im Februar 2026 hält er noch 14,8 Prozent Marktanteil. Elektroautos kommen auf 21,9 Prozent – über 46.000 reine Neuzulassungen, ein Zuwachs von knapp 29 Prozent gegenüber Februar 2025. Zählt man Plug-in-Hybride und Mild-Hybride dazu, fahren bereits 62 Prozent aller neu zugelassenen Fahrzeuge mit Strom. Der Markt wächst. Die Frage ist nur noch, wer davon am meisten profitiert.
Die Antwort lautet nicht VW. Sie lautet Škoda. Der Elroq verbucht von Januar bis Februar 2026 insgesamt 6.527 Neuzulassungen und steht damit auf Platz eins der deutschen E-Auto-Rangliste. Zum Vergleich: Im Januar 2025 waren es 280 Einheiten – das entspricht einem Zuwachs von 1.014,6 Prozent. Dahinter reihen sich VW ID.7 mit 4.878 und VW ID.3 mit 4.860 Einheiten ein, gefolgt vom Škoda Enyaq mit 4.149 und dem Audi A6 e-tron mit 2.791 Fahrzeugen. Das Tesla Model Y, bis vor Kurzem noch unangefochtener Bestseller, steht nur noch auf Platz acht. Der Elroq verkauft, weil er liefert, was der Markt verlangt: gute Technik, vernünftiger Preis, kein Premiumaufschlag. VW-Plattform, Škoda-Preisschild – das ist das Erfolgsmodell des Jahres.
Die eigene Modellpalette leidet darunter. VW ID.4 und ID.5 verlieren im Januar 63 Prozent ihres Vorjahresvolumens und kommen zusammen nur noch auf 991 Einheiten. Der Cupra Born fällt um 44,3 Prozent, der Audi Q4 e-tron um 22,7 Prozent. Wer kein frisches Modell hat, verliert Marktanteile – auch konzernintern.
VWs Antwort auf den Preisdruck heißt ID. Polo. Ab April 2026 läuft die Bestellphase an, die ersten Auslieferungen starten nach den Sommerferien. Technisch ist der ID. Polo eine Zäsur innerhalb der ID-Familie: erstes Modell mit Frontantrieb, erstes auf MEB+-Basis. Zwei Akkuvarianten stehen zur Wahl – 37 kWh LFP oder 52 kWh NMC – mit WLTP-Reichweiten zwischen rund 300 und 450 Kilometern. Zum Marktstart gibt es zunächst nur die stärker motorisierte Version mit 155 kW (211 PS) und 52-kWh-Akku. Die günstigere LFP-Version, die den Basispreis von 25.000 Euro ermöglichen soll, kommt erst später – weil die Batteriezellen in ausreichender Menge noch nicht verfügbar sind. Erste Probefahrten bestätigen: Das Fahrzeug lenkt präzise, federt komfortabel und fährt leichtfüßig. Echte Tasten kehren ins Cockpit zurück. Für alle, die bisher an ID-Modellen wegen der Bedienung gezweifelt haben, ist das kein Detail – das ist die eigentliche Nachricht. Ende 2026 folgt der ID. Polo GTI mit 166 kW (226 PS), der das Modell auch als Fahrerauto positioniert.
Audi bearbeitet parallel das Segment knapp darüber. Der A2 e-tron erscheint 2026 auf MEB-Basis mit einem erwarteten Einstiegspreis zwischen 35.000 und 38.000 Euro – Audis günstiges Elektromodell bisher. Mit staatlicher Förderung und Herstellerabatten könnte er effektiv unter 30.000 Euro landen. Für Audi ist das Neuland in Richtung Massenmarkt, für den Konzern eine logische Lückenbesetzung.
BMW spielt in einer anderen Liga und tut das bewusst. Der neue iX3 der Neuen Klasse kommt seit dem Frühjahr 2026 zu den Händlern – 800-Volt-Architektur, 400 kW Spitzenladeleistung, bidirektionales Laden. Die Erstproduktion ist europaweit praktisch ausverkauft. BMW hält im Februar 2026 einen Marktanteil von 8,1 Prozent und steigerte sich leicht gegenüber dem Vorjahr. Im Premiumsegment gibt es 2026 keinen ernsthaften Angreifer. BMW muss dort niemanden fürchten.
Das strukturelle Problem für die deutschen Hersteller liegt anderswo. Im Einstiegssegment unter 20.000 Euro passiert gerade das Entscheidende – und kein einziger deutscher Hersteller hat dort ein fertiges Modell im Angebot. BYD legte im Februar 2026 um 1.550,3 Prozent zu. Der Dolphin Surf schafft es in die Top 10 der meistzugelassenen Elektroautos, gewann den Titel World Urban Car 2025 und bietet drehbaren 10,1-Zoll-Touchscreen, vegane Ledersitze sowie sechs Jahre Fahrzeuggarantie und acht Jahre auf Batterie und Motor. Leapmotor wuchs im selben Monat um 486,6 Prozent. BYD Dolphin Surf, BYD Atto 2 und Leapmotor T03 – drei der zehn günstigsten Elektroautos in Deutschland kommen aus China, alle unter 20.000 Euro nach Förderung. Renault greift von der anderen Seite an: Der Twingo E-Tech Electric kostet ab 19.990 Euro, nach staatlicher Förderung von bis zu 6.000 Euro effektiv unter 14.000 Euro. Renaults Deutschlandchef Florian Kraft rechnet für 2026 damit, dass rund ein Drittel aller Renault-Neuzulassungen elektrisch sind.
Den Gesamtmarkt 2026 führt der VW-Konzern an. Škoda, VW, Audi zusammengenommen kontrollieren die Top 5 der Zulassungsstatistik mit drei Modellen der ersten fünf Plätze. Das ändert sich in diesem Jahr nicht mehr. Aber die Richtung des Wandels zeigt klar wohin: Preissensible Käufer unter 20.000 Euro kaufen chinesisch oder französisch. Das Mittelfeld hält VW. Das Premiumsegment gehört BMW. Drei Segmente, drei verschiedene Gewinner – und nur in einem davon haben die deutschen Hersteller noch keine Konkurrenz zu fürchten.
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