Xiaomi Pad 9: Zweiklassengesellschaft mit System

Xiaomi hat in China seine neue Tablet-Generation enthüllt und setzt auf eine eiskalt kalkulierte Trennung. Das Xiaomi Pad 9 und das Pad 9 Pro teilen sich zwar die Display-Technologie, unterscheiden sich beim Prozessor aber drastisch. In meinen Augen baut der Hersteller hier eine künstliche Leistungsschranke auf, um Käufer gezielt zum teureren Pro-Modell zu drängen.
Gutes Display, verhaltene Chip-Wahl beim Basismodell
Das reguläre Xiaomi Pad 9 setzt auf ein 11,2 Zoll großes 3,2K-LCD-Panel mit flüssigen 144 Hz. Auf dem Papier sieht das hervorragend aus, denn Schärfe und Bildwiederholrate stimmen im Alltag absolut.
Interessant wird es allerdings beim Prozessor. Xiaomi verbaut hier den Snapdragon 8s Gen 4 im 4nm-Verfahren. Das ist keineswegs ein langsamer Chip für normale Aufgaben. Die technische Segmentierung der Xiaomi Pad 9-Klasse zeigt jedoch deutlich, dass der Hersteller dem Basismodell den echten Top-Prozessor verwehrt. Für Multitasking und Streaming reicht die Leistung locker, bei anspruchsvollem Gaming dürfte das Tablet aber früher an seine Grenzen stoßen.
Ergänzt wird die Ausstattung durch 8 GB oder 12 GB RAM sowie 128 GB bis 256 GB UFS-Speicher. Der Akku fasst 8.850 mAh und lädt mit 45 Watt. Dazu kommen eine 13 MP Hauptkamera, eine 8 MP Frontkamera und Quad-Lautsprecher mit Dolby Atmos. Für mich ist das ein solides Couch-Tablet, das aber ganz bewusst auf Abstand gehalten wird.

Pad 9 Pro zieht mit Snapdragon 8 Gen 5 vorbei
Einen echten Leistungssprung macht dagegen das Xiaomi Pad 9 Pro. Hier werkelt Qualcomms moderner Snapdragon 8 Gen 5 im 3nm-Verfahren zusammen mit der neuen Adreno 829 GPU. Damit stehen auch für rechenintensive Aufgaben und Spiele massive Leistungsreserven bereit.
Das Display wächst auf 12,5 Zoll an und behält die gestochen scharfe 3,2K-Auflösung bei 144 Hz bei. Noch spannender finde ich allerdings die Ausdauer: Der Akku steigt auf üppige 11.000 mAh und lädt mit flotten 67 Watt. Das ist ein deutlicher Fortschritt, denn die europäische Xiaomi Pad 8-Reihe musste noch mit spürbar kleineren Energiespeichern auskommen.
Dazu packt Xiaomi eine 50 MP Hauptkamera, eine 32 MP Frontkamera für scharfe Videocalls sowie Unterstützung für den Focus Pen Pro und das Focus Keyboard ins Paket. Als Software-Basis dient direkt HyperOS 3.

Künstlicher Abstand erzwingt den Aufpreis
Die Strategie dahinter ist eindeutig. Erst vor wenigen Wochen schickte der Konzern das riesige Xiaomi Pad 9 Pro Max für die absolute Oberklasse ins Rennen. Nun bedient Xiaomi die Mittelklasse, spaltet sie aber bewusst auf.
Wer das Basismodell kauft, spart zwar Geld, verzichtet aber nicht nur auf Rechenpower, sondern auch auf Ladegeschwindigkeit und Akkukapazität. In China startet das Xiaomi Pad 9 bei umgerechnet etwa 320 Euro, während das Pad 9 Pro ab rund 450 Euro zu haben ist. Unterm Strich ist das Pad 9 Pro das wesentlich runder Schnupperpaket – und genau diesen Klick soll der Kunde am Ende machen.
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