Xpeng G9L: 5,12-Meter-Koloss verzichtet auf Siebensitzer

Seitenansicht grüner Xpeng G9L in der Natur
Quelle: Xpeng
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Der Pariser Autosalon am 12. Oktober wirft seine Schatten voraus, und Xpeng macht Nägel mit Köpfen: Die Chinesen bringen das Luxus-SUV G9L offiziell nach Europa. Für mich ist das eine mutige Ansage, denn mit satten 5,12 Metern Länge baut der Hersteller einen echten Riesen, verzichtet im Innenraum aber komplett auf eine dritte Sitzreihe. Statt praktischem Familienlaster setzt Xpeng kompromisslos auf Business-Klasse im Fond und brachiale Ladeleistungen.

In China enthüllte der Konzern den Stromer bereits am 3. August als globales Modell. Nun folgt der weltweite Rollout in 64 Ländern. Der Neuling passt nahtlos in die aggressive Europa-Expansion von Xpeng, wo das Flaggschiff neben den Modellen G6, G9, P7+, X9 und L03 als sechstes Fahrzeug an den Start geht. Neben rein elektrischen Antrieben plant Xpeng sogar eine Variante mit Range-Extender-Layout.

Fünf Sitze auf 5,12 Metern: Luxus-Statement statt Familienbomber

Die Ausmaße des Fahrzeugs sprengen übliche Mittelklasse-Maßstäbe. Der Xpeng G9L erstreckt sich auf eine Länge von 5.120 mm, misst 1.999 mm in der Breite und ragt 1.782 mm in die Höhe. Der Radstand erreicht beachtliche 3.100 mm. Im Vergleich zum bekannten Xpeng G9 mit seinen 4.891 mm Länge und 2.998 mm Radstand legt der G9L um rund 23 Zentimeter in der Länge und 10 Zentimeter beim Radstand zu. Zum Van-Schiff Xpeng X9 mit 5,31 Metern verbleibt ein Abstand von 19 Zentimetern.

Trotz dieser Abmessungen bleibt es konsequent bei fünf Sitzplätzen. Xpeng nutzt das Raumangebot im Fond für gehobenen Komfort statt für eine drängende dritte Sitzreihe. Der Kofferraum fasst bis zu 1.152 Liter Gepäck.

Die Innenausstattung unterstreicht den Chauffeurs-Anspruch. Aus dem Dachhimmel klappt ein 21,4-Zoll-Bildschirm für die hinteren Passagiere. Ergänzend verbauen die Entwickler ein eigenes Touchscreen-Display im Fond, einen integrierten Kühlschrank sowie einen Klapptisch. Die Türen schließen über eine Soft-Close-Funktion. Alle Plätze bieten Sitzheizung, Sitzbelüftung und Massagefunktionen.

Am Fahrerplatz blickt man auf ein digitales Cockpit mit einem großen Touchscreen, einem kompakten Instrumentendisplay und einem Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktion. An der Fahrzeugfront projizieren adaptive Scheinwerfer von Huawei Grafiken und Warnhinweise direkt auf die Fahrbahn. Damit das Schiff handlich bleibt, reduziert eine Hinterradlenkung den Wendekreis auf 9,9 Meter. Der Auftritt wird von Rädern in 20, 21 oder 22 Zoll abgerundet.

470 kW Ladeleistung und Magna-Fertigung in Graz

Bei den Antrieben orientiert sich der europäische Ableger an den chinesischen Spezifikationen. Bereit stehen voraussichtlich drei Varianten. Das Basismodell Xpeng G9L RWD setzt auf Heckantrieb mit 270 kW (367 PS) und 465 Nm Drehmoment. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 6,8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h. Als Energiespeicher dient ein 91,9-kWh-LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat), der nach chinesischem CLTC-Standard bis zu 702 Kilometer Reichweite verspricht.

Darüber rangiert der Xpeng G9L AWD mit Allradantrieb. Durch einen zusätzlichen 160-kW-Motor an der Vorderachse steigt die Systemleistung auf 430 kW (585 PS) und 695 Nm Drehmoment. Der Sprint auf Tempo 100 verkürzt sich auf 4,6 Sekunden. Mit dem 91,9-kWh-LFP-Akku erzielt dieses Modell 660 Kilometer CLTC-Reichweite.

Die Speerspitze bildet der Xpeng G9L AWD Long Range. Bei identischen Leistungsdaten von 430 kW und 695 Nm sprintet er in 4,5 Sekunden auf 100 km/h und nutzt einen 110-kWh-NMC-Akku (Nickel-Mangan-Kobaltdioxid). Die CLTC-Reichweite klettert auf 755 Kilometer.

Glanzstück der 800-Volt-Architektur ist das Schnellladen an 5C-Ladesäulen. Bereits zum China-Debüt zeichnete sich ab, dass die Chinesen mit dem G9L den europäischen Markt ins Visier nehmen. Der kleine 91,9-kWh-LFP-Akku zieht in der Spitze bis zu 451 kW DC-Ladeleistung, während der große 110-kWh-NMC-Akku enorme 470 kW erreicht. Der Standard-Ladedurchgang von 10 auf 80 Prozent schrumpft damit auf rasante 12 bis 13 Minuten. Dass der Hersteller seine Hausaufgaben bei der Effizienz versteht, bewies bereits der Reichweitentest des Xpeng X9 im Sommertest.

Marktchancen: Wo der China-Riese in Europa aneckt

Ein strategischer Schachzug betrifft den Fertigungsstandort. Xpeng lässt den G9L nicht nur im chinesischen Guangzhou vom Band laufen, sondern auch bei Magna Steyr in Graz (Österreich). Dort fertigt der Auftragshersteller bereits die Modelle G6, G9 und P7+. Mit der Produktion in der EU umgeht Xpeng die drohenden Import-Strafzölle.

Die Steuerung des Fahrzeugs und des autonomen Fahrens nach dem VLA 2.0-Standard übernimmt ein KI-Chip, der baugleich im humanoiden Roboter Iron von Xpeng seinen Dienst tut. Beim Crashtest visiermäßig fest im Blick: die vollen fünf Sterne im EuroNCAP-Verfahren.

Der Xpeng G9L bringt unbestreitbare Highlights wie das 470-kW-Schnellladen und ein durchdachtes Fond-Entertainment nach Europa. Allerdings bleibt das Konzept riskant: Ein 5,12 Meter langes SUV ohne Siebensitzer-Option stößt in europäischen Metropolen schnell an Enge-Grenzen. Ob europäische Oberklasse-Käufer ohne großes Markenprestige zum China-Riesen greifen, wird vor allem am Preiszettel hängen.

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Ein Kommentar

  1. Danke für den Artikel! Ist der 5-Sitzer für Europa bestätigt? Mein letzter Stand aus Norwegen war, dass es diesen in Europa nicht geben soll und stattdessen auf einen 6-Sitzer gesetzt wird. Insbesondere auch, um das Fahrzeug besser zwischen G9 und X9 platzieren zu können. Ich würde mich sehr über eine Antwort – gerne mit Quelle – freuen. LG, Toby

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