BMW Elektro-M3: Künstlicher V8-Sound ersetzt fehlende Gangschaltung

Wer ein Fahrzeug im Grenzbereich über die Nordschleife prügelt, steuert nicht nur mit den Händen, sondern mit den Ohren. Ohne akustisches Feedback bleibt das Popometer halb blind. Beim kommenden elektrischen BMW M3 schlagen die Münchner deshalb einen ungewöhnlichen Weg ein: Statt lautlosem Durchzug gibt es synthetische Drehzahlbereiche und künstlichen V8-Sound auf die Ohren.
Echtes Feedback oder billiges V8-Plagiat?
Elektroautos beschleunigen zwar brachial, doch ihnen fehlt das klassische Motorengeräusch, das Fahrern im Grenzbereich die nötige Orientierung gibt. Ein hochfrequentes Surren verrät auf der Bremse schlichtweg nicht, wie viel Haftung an den Reifen noch anliegt. Genau an diesem Punkt setzt BMW an. Die M-GmbH verbaut in ihren künftigen High-Performance-Stromern eine fest integrierte Soundkulisse, die sich akustisch an legendären Sechs-, Acht- und Zehnzylindern der Markengeschichte orientiert.
Das ist keine kurzfristige Show für eine Messe, sondern das Serienkonzept für den nächsten BMW M3. Die Entwickler betonen zwar, dass sie keinen stumpfen Verbrennerklang abspielen wollen, sondern eine zum E-Antrieb passende Rückmeldung entwickeln. Ob man das wirklich braucht? Auf dem Papier klingt das nach einem riskanten Manöver. Dass ein solches System auf dem Track aber tatsächlich Fahrfreude erzeugen kann, hat Hyundai beim Ioniq 5 N mit simulierten Schaltrucken bereits bewiesen.
„Stages“ als Ersatz für das mechanische Getriebe
Weil bis zu vier Elektromotoren ein nahezu unendliches Drehzahlband bereitstellen, verliert man ohne Schaltpunkte schnell das Gefühl für die gefahrene Geschwindigkeit. BMW teilt die Leistung beim M-Concept deshalb in sogenannte „Stages“ ein. Wie der Entwicklungschef gegenüber der Motorpresse Stuttgart verriet, verändern diese Stufen das Ansprechverhalten des Gaspedals und das Niveau der Rekuperation.
Das wurde aber auch Zeit: Reines Quartett-Wissen über PS-Zahlen bringt auf der Rennstrecke gar nichts, wenn die Dosierbarkeit fehlt. Während Mercedes beim AMG GT und dem CLA 45 eher konservativ vier Zylinder nachahmt, kombiniert BMW den Sound direkt mit dem Kennfeld der Bremsenergie-Rückgewinnung. Der Ansatz zeigt Pragmatismus. Wer den elektrischen M3 am Limit bewegen will, bekommt damit endlich greifbare Anhaltspunkte vor der Kurve.
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