BMW iX3 vs. iX5: Neue Klasse deklassiert 141-kWh-Koloss

BMW startet im Herbst 2026 den großen Generationswechsel bei seinen Elektro-SUVs – und stellt Käufer vor eine Grundsatzentscheidung zwischen zwei völlig gegensätzlichen Philosophien.
Auf der einen Seite rollt der neue BMW iX3 der Neuen Klasse ab 63.400 Euro mit radikalem Leichtbau und 800-Volt-Technik an. Auf der anderen Seite parkt das Flaggschiff BMW iX5 60 xDrive ab 102.800 Euro, das Reichweite über einen gigantischen 141-kWh-Akku erzwingt.
Größer ist hier keineswegs besser. Wer genauer hinsieht, erkennt: An der Ladesäule und im Alltag deklassiert der kompaktere Stromer das schwere Dickschiff.
Gen6-Rundzellen gegen 141-kWh-Materialschlacht
Beim iX3 debütiert die sechste eDrive-Generation mit direkt im Unterboden verschraubten Rundzellen (Cell-to-Pack). Das spart massiv Gewicht, erhöht die Verwindungssteifigkeit und drückt den Realverbrauch drastisch nach unten.
BMW staffelt das Angebot beim iX3 konsequent durchdacht:
- iX3 40: Heckantrieb, 235 kW (320 PS), 82,6-kWh-Batterie und bis zu 635 Kilometer WLTP-Reichweite.
- iX3 40 xDrive: Allradantrieb mit 275 kW (374 PS) als souveräne goldene Mitte.
- iX3 50 xDrive: Dual-Motor mit 345 kW (469 PS), strammen 108,7 kWh netto und einer Reichweitenspanne von 678 bis 805 Kilometern.
Der iX5 60 xDrive hält mit roher Gewalt dagegen. Seine Maße von 4.994 mm Länge und fast zwei Metern Breite schaffen massig Überholprestige, fordern aerodynamisch aber ihren Tribut.
Um trotz der Schrankwand-Front auf 850 Kilometer WLTP zu kommen, stopfen die Münchner Ingenieure ein gewaltiges 141-kWh-Akkupaket ins Chassis. Zwar katapultieren 425 kW (578 PS) und 805 Nm Drehmoment das Flaggschiff nach vorn, doch die knapp 2,9 Tonnen Leergewicht spürt man in jeder Kurve und bei jedem Bremsmanöver.
| Spezifikation | BMW iX3 50 xDrive | BMW iX5 60 xDrive |
| Plattform / Bordnetz | Neue Klasse (800 Volt, Gen6) | CLAR-Evolution (800 Volt) |
| Systemleistung / Drehmoment | 345 kW (469 PS) / 645 Nm | 425 kW (578 PS) / 805 Nm |
| Akkukapazität (netto) | 108,7 kWh | 141,0 kWh |
| WLTP-Reichweite | Bis zu 805 km | Bis zu 850 km |
| DC-Ladepeak / Zeit (10–80 %) | 400 kW / 21 min | 460 kW / 23 min |
| Kofferraum / Frunk | 520 – 1.750 Liter / 58 Liter | 655 – 1.850 Liter / 53 Liter |
| AC-Bordlader | 11 kW (opt. 22 kW) | 22 kW Serie |
| Basispreis (Deutschland) | 70.900 Euro (iX3 40 ab 63.400 €) | 102.800 Euro |
Ladeduell: Warum 460 kW Peak gegen 400 kW verlieren
Auf dem Datenblatt triumphiert das Schwergewicht: Bis zu 460 kW Peak-Ladeleistung pumpt der iX5 60 xDrive an modernen HPC-Säulen in den Akku. Der iX3 50 xDrive begnügt sich auf dem Papier mit maximal 400 kW (300 kW im Basismodell iX3 40).
Doch an der Ladesäule schlägt die Physik unerbittlich zu. Weil der 141-kWh-Speicher des iX5 so riesig ist, dauert der Hub von 10 auf 80 Prozent 23 Minuten – zwei Minuten länger als beim iX3 mit 21 Minuten.
Entscheidend ist die netto nachgeladene Reichweite pro Minute Standzeit. Da der leichtere iX3 deutlich weniger Kilowattstunden pro 100 Kilometer verbraucht, holt er in 15 Minuten spürbar mehr echte Autobahnkilometer zurück als der schwere iX5.
Auch im Cockpit prallen zwei Generationen aufeinander. Der iX3 streicht die Tacho-Kuppel komplett und projiziert alle Fahrdaten über das cleane BMW Panoramic Vision gestochen scharf über die gesamte Breite der Windschutzscheibe.
Der iX5 bleibt der opulente Luxusliner: Feinstes Leder, echte Schiefer-Oberflächen, ein optionaler Beifahrer-Bildschirm und ein großes Glasschiebedach. Beide teilen sich das weiterentwickelte BMW Operating System X mit Mapbox-3D-Kartenführung.
Wie sich das 2,9-Tonnen-Schiff auf der Straße verhält, zeigt der Fahrbericht New BMW X5 as electric iX5 in first test. Das Video belegt eindrucksvoll, wie hart das adaptive Luftfahrwerk arbeiten muss, um die Trägheit der Masse auf kurvigen Strecken abzufangen.
Kaufentscheidung: 32.000 Euro Aufpreis für totes Gewicht?
Am Ende entscheidet das Preisschild über Sinn und Unsinn der beiden Modelle.
- Der Einstieg in die Neue Klasse startet beim iX3 40 bei 63.400 Euro, die langstreckentaugliche Version iX3 50 xDrive kostet ab 70.900 Euro.
- Der iX5 60 xDrive zerschlägt mit einem Startpreis von 102.800 Euro sofort die Sechsstelligkeit.
Exakt 31.900 Euro trennen die beiden Allrad-Modelle voneinander. Für diese Differenz steht fast schon ein kompakter Zweitwagen vor der Garage.
Wer maximale Anhängelast, opulentes Raumangebot und feudalen Status sucht, greift zum iX5. Wer dagegen das technologisch modernere, agilere und bei der Reisezeit effizientere Elektro-SUV will, spart sich den gewaltigen Aufpreis und nimmt den iX3.
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