Cupra Raval VZ im Test: Teurer Elektro-Spaß mit eingebauter Ladebremse

E-Autos für die Stadt sind meistens vernünftige, fast schon langweilige Kisten, die uns Effizienz und Parkplatzgarantie versprechen. Cupra will das mit dem Raval VZ ändern und schickt eine kleine Krawallschachtel ins Rennen, die optisch so gar nicht in das Schema braver Stromer passt. Kanten, breite Schlappen und ein Name, der nach Barcelona-Nachtleben klingt, sollen Emotionen wecken. Unter dem Blech steckt zwar die Verwandtschaft zum VW ID. Polo und Skoda Epiq, doch die Spanier trimmen das Paket spürbar auf Angriff. Wer allerdings auf das VZ-Logo schielt, muss tief in die Tasche greifen.
Für über 43.000 Euro bekommt man ein Auto von gerade einmal vier Metern Länge. Das ist eine Ansage, die man erst einmal verdauen muss. Dafür gibt es 226 PS, die über die Vorderachse an den Asphalt zerren. Dass der Konzern beim kleinen Elektro-Konzept vom Hinterradantrieb zurückgekehrt ist, spürt man im Lenkrad. Bei Vollgas zupft es ordentlich an den Händen. Eine elektronische Sperre versucht zwar zu retten, was zu retten ist, aber die Physik lässt sich nicht komplett austricksen. Die Beschleunigung macht Laune, keine Frage. Aber bei 175 km/h ist auf der Autobahn Schluss. Wer an den ersten Golf GTI denkt, weiß, dass man vor 50 Jahren mit deutlich weniger Leistung schneller unterwegs war.
Richtig zäh wird es aber erst an der Ladesäule. 105 kW maximale Ladeleistung sind für ein Auto, das sich als sportliche Speerspitze definiert, schlichtweg zu wenig. Selbst der 52-kWh-Akku braucht so seine Zeit, bis er wieder voll ist. Wer den Raval so bewegt, wie es das Fahrwerk und die bissige Lenkung nahelegen, sieht die Reichweite ohnehin schneller schrumpfen als ein Eis in der Mittagssonne. Von den versprochenen 380 Kilometern bleiben bei sportlicher Gangart kaum 300 übrig. Wer zur Basisversion mit 37-kWh-Batterie greift, sollte am besten gar nicht erst über die Stadtgrenze hinausfahren, da hier im Winter Reichweiten-Angst zum ständigen Begleiter wird.
Im Innenraum wirkt alles modern und sauber verarbeitet. Die Displays sind groß genug und die Sportsitze bieten genau den Seitenhalt, den man bei der breiteren Spur und den 235er-Reifen auch braucht. Das 475-Watt-Soundsystem übertönt das Surren des E-Motors problemlos. Am Ende bleibt aber die Frage nach dem Wert. Ein schickes Design und eine präzise Abstimmung sind viel wert, aber in dieser Preisklasse wildern bereits deutlich größere Fahrzeuge mit mehr Langstreckentauglichkeit. Der Raval VZ ist ein Lifestyle-Statement für Leute, denen das Image wichtiger ist als die nackten Leistungsdaten beim Laden. Er macht vieles anders, scheitert aber an der harten Realität der Preis-Leistungs-Kurve.
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