Elektroauto: Warum die Ladekarten-Märchen schlicht Unsinn sind

schräge Frontansicht des Škoda Epiq Sportline
Quelle: Škoda Auto Deutschland GmbH
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Wer die täglichen Diskussionen auf Social Media verfolgt, stößt unweigerlich auf dieselben Schauermärchen über Ladefrust, blockierte Säulen und gigantische Kosten. Die Realität straft das Lügen: Die Zulassungszahlen klettern auf neue Rekorde und reine Stromer verdrängten zuletzt sogar Benziner und Diesel gemeinsam von der Spitze. Zeit für einen radikal ehrlichen Kassensturz ohne Marketing-Geschwätz.

Das Märchen vom komplizierten Start beginnt oft schon beim Einsteigen. Kein Zündschlüssel, kein Startknopf, kein Warten auf Vorglüh-Gedenksekunden. Ganghebel auf Fahrstufe B für maximale Rekuperation drehen, Strompedal antippen und der Wagen rollt lautlos los.

Der eigentliche Trumpf gegenüber jedem Verbrenner ist die Energierückgewinnung beim Verzögern und Bergabfahren. Statt kinetische Energie an den Bremsscheiben in nutzlose Hitze zu verpuffen, wandert der Strom direkt zurück in die Akkuzellen. Selbst ein gewöhnlicher Familien-SUV wie der VW ID.4 stemmt über 200 PS verzögerungsfrei auf den Asphalt. Bei Benzinern kostet dieser Antritt saftige Aufpreise und treibt den Spritverbrauch gnadenlos nach oben.

Der Ladekarten-Mythos: Warum eine einzige Kreditkarte reicht

Prominente wie Investorin Judith Williams befeuerten öffentlich das Narrativ, man brauche zwingend ein dickes Etui voller Plastikkarten für die Ladesäule. Das ist schlicht falsch. In vier Jahren Praxis habe ich nicht eine einzige physische Ladekarte gebraucht. Heute regelt eine Smartphone-App alles oder man zahlt an modernen Schnellladesäulen direkt mit der Giro- oder Kreditkarte.

Grundsätzlich unterscheidet die Praxis nur zwei Ladeszenarien: langsames Wechselstrom-Laden (AC) und Schnellladen per Gleichstrom (DC). Langsames Laden mit 11 kW oder 22 kW gehört dorthin, wo das Auto ohnehin stundenlang steht. Das passiert nachts in der Einfahrt an der Wallbox, beim Hotelaufenthalt oder am Straßenrand beim Laternenladen. Nach rund 5 bis 6 Stunden ist der Akku wieder voll.

An der heimischen Steckdose schlägt die Stunde der Vernunft. Wer daheim für rund 31 Cent pro kWh lädt oder eine Photovoltaikanlage für Überschussladung nutzt, zahlt auf 100 Kilometer lediglich rund 5 Euro. Niemand steht dafür frierend an der Tankstelle. Man stöpselt abends an und fährt morgens mit vollem Speicher los.

400 Volt gegen 800 Volt: Die Physik des 80-Prozent-Limits

Auf der Fernstrecke gelten andere Gesetzmäßigkeiten. Wer hier über Ladezeiten von zwei Stunden klagt, ignoriert grundlegende Akkutechnik und quält die Zellen sinnlos bis auf 100 Prozent. Die Batterie verhält sich exakt wie ein großes Parkhaus mit 100 Stellplätzen. Ist das Parkhaus leer, parken die ankommenden Autos im Rekordtempo ein und der Strom fließt ungehindert.

Sind 80 Prozent der Plätze belegt, suchen die restlichen Autos mühsam nach den letzten Lücken. Die Ladeleistung bricht massiv ein und der Innenwiderstand steigt. Genau deshalb stöpselt man bei 10 Prozent an und zieht den Stecker bei 80 Prozent.

Fahrzeuge mit verbreiteter 400-Volt-Technik wie der VW ID.4 benötigen für dieses Ladefenster zwischen 20 und 30 Minuten. Das reicht exakt für einen Kaffee oder den Gang zur Raststätte. Wer noch schneller reisen will, greift zu Modellen mit 800-Volt-Technologie wie dem Xpeng G9 oder Fahrzeugen von Kia, Audi und Porsche. Hier schrumpft der Stopp auf 10 bis 12 Minuten zusammen. In dieser Zeit fließen 300 bis 400 Kilometer Reichweite in den Akku – schneller, als mancher an der Autobahnraststätte auf der Toilette ansteht.

Reichweiten-Hysterie entlarvt: 5 Euro gegen 2,42 Euro Spritpreis

Die ewige Debatte um den WLTP-Wert blendet die Realität aus. Nahezu alle modernen Elektroautos bieten heute rechnerische Reichweiten von 400 bis 500 Kilometern. Sicher sinkt der Wert bei frostigen Temperaturen oder hohem Reisetempo. Im Berufsverkehr und auf täglichen Strecken ist das aber völlig irrelevant.

Niemand fährt jeden Tag 500 Kilometer am Stück ohne Pause. Der Ladevorgang wird nebenbei beim Wocheneinkauf, im Fitnessstudio oder über Nacht erledigt. Das Auto lädt, während das Leben weiterläuft.

Spätestens bei den Gesamtkosten fällt das Kartenhaus der Skeptiker endgültig zusammen. Der Stromer verlangt keinen Ölwechsel, Zündkerzen oder Keilriemen existieren nicht, die Bremsen halten dank Rekuperation jahrelang und die Kfz-Steuer entfällt komplett. Während an den Zapfsäulen Preise von 2,30 Euro bis 2,42 Euro pro Liter Super aufgerufen werden, sinken die Strompreise wieder.

Am Tesla Supercharger laden Nutzer teils für 34 Cent pro kWh, zu Hause für 31 Cent. Das ergibt reine Energiekosten von 5 bis 7 Euro auf 100 Kilometer. Ein vergleichbarer Verbrenner verbrennt auf derselben Distanz locker das Dreifache. Wer nachrechnet, erkennt: Das Elektroauto ist im Alltag längst die überlegene Wahl.

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9 Kommentare

  1. Die Einwände in den Kommentaren zu den Ad-hoc-Preisen finde ich berechtigt. Dass man mit Giro- oder Kreditkarte laden kann, heißt noch nicht, dass es überall gleich günstig ist. Die Preise unterscheiden sich je nach Betreiber deutlich. Aus meiner Erfahrung hilft es, vor der Fahrt kurz zu prüfen, welche Säulen an der Route tatsächlich Kartenzahlung anbieten und was sie kosten. Dann braucht man die Ladekarte wirklich nicht mehr.

    Jan Graupner, LadeSofort

  2. Sorry. aber was für ein Inhalt. Und Langstrecke insbesondere das Ausland haben Sie nie bereist. Ladekarten sind leider ein muss, sowie das dazugehörige Abo um günstig Strom nachzuladen. Ihre Version mit Kreditkarte ist immer noch viel zu teuer und leider noch nicht flächendeckend eingeführt!

  3. Also dann ist unser Autor entweder noch nie mit dem Auto in Holland oder Frankreich unterwegs gewesen. Wir waren 2 Jahre abwechseln in Fr. und in Holland. In Zeeland war ohne Plastikkarte fast nichts zu machen. Sehr viele Säulen ohne Display. Und in der Ferienanlage gab es 20 Ladepunkte, aber von 4 verschiedenen Anbietern. Ich habe zum Glück vor dem Urlaub gleich 3 physikalische Karten bestellt und musste/könnte so halbwegs (d.h. beinahe das doppelte von meinem Anbieter in Stuttgart) tanken. Ich musste vorher aber Preise studieren.

    Im Endeffekt hatte ich über freunde in NL eine holländische FastNed Karte. Eine Shell und eine von EveGo. Je nach Säule war shell günstig (69ct + Startgebühr, keine Minutenpreise), adhoc wäre oft bei über 1 Euro/kWh gelandet.

    Nicht umsonst vergleicht man die Ladezeit heute mit den 2000ern mit den damaligen Handytarifen.

    Es wird eine Konsolidierung stattfinden, aber bis jeder Bürger (nicht Technik/app-afin) das bedenkenlos nutzen kann, muss da was passieren.

  4. Artikelüberschrift „warum die Ladekartenmärchen schlicht Unsinn sind“, was folgt ist eine Abhandlung warum das e-Auto das bessere Auto ist. Naja Thema verfehlt.
    Das „Ladekartenmärchen“ bezieht sich doch wohl darauf, dass man für jeden einzelnen Anbieter von Fahrstrom eine eigene App oder Ladekarte haben muss um überhaupt unterwegs halbwegs günstig an Fahrstrom zu kommen.
    Man hat den Eindruck das der Autor überhaupt kein eigenes e-Auto fährt, oder die Kosten für Ladestrom selbst zahlen muss. Was nutzt es dem e-Autofahrer, wenn er 3-5 Abos monatlich zahlt für genau 0- Leistungen – das ist so wiedersinnig wie ein Gym-Abo ohne das ich hingehe.
    Manch‘ einen mag es nicht stören monatlich 30-50 € einfach so rauszuhauen, mich indes nervt so etwas gewaltig.
    Warum müssen wir ständig solche Geschichten bis zum Erbrechen wiederholen bis letztlich der Gesetzgeber viel zu spät klare Spielregeln aufstellt.
    Es muss für adhoc Laden die gleichen Preise gelten wie für Ladekarten oder App Benutzer. Ein Preis für alle und erst dann gibt es den Wettbewerb im Strommarkt der Ladekosten transparent und halbwegs fair macht.

  5. also das laden an sich ist eine Sache, da sind die unterschiedlichsten Preise aufgerufen ! wer auf das öffentliche Ladenetz angewiesen ist, zählt meist zuviel! wer Zuhause laden kann hat Glück!
    die eigentlichen Preistreiber sind die Werkstätten! wenn man ein Problem mit dem Auto hat, und keine Garantie mehr ( was ja vorkommen soll) dann wird es richtig teuer!
    hatte den Fall, mein E-Auto war 7 Jahre alt es ging der on Bord Lader kaputt und die Werkstatt wollte tatsächlich 10000€ bis 12000€ für die Reparatur haben ! das war wirtschaftlicher Totalschaden!
    es ist auch so das jedes Teil egal was beim E-Auto teurer ist auch der Pollenfilter !!!!!
    kühlmittelwechsel z.b. ab 400€ aufwärts
    also mein E-Auto nach 7 Jahren Elektroschrott und ne Menge Geld verbrannt !

  6. Natürlich muss niemand 10 Ladekarten oder 20Apps zum laden nutzen.
    Jedoch muss man dann aber bereit sein teilweise das doppelte je kWh bezahlen zu müssen.
    Meiner Meinung nach macht es schon einen erheblichen Unterschied, ob man 39Cent (mit Abo) oder 69Cent (Adhoc mit Kreditkarte) oder sogar 89Cent (mit Ladekarte im Roaming bei einem Fremdanbieter) zahlen muss.
    Zudem wird man mit einem Abo eines einzelnen Ladeanbieters quasi dazu gezwungen, nur diese Ladesäulen des entsprechenden Anbieters aufzusuchen. Und so kann es passieren, daß es auf der einen Straßenseite einen Ladepark von EnBw gibt, auf der anderen Seite einen von Pfalzwerke.
    Alle machen ein Abo bei EnBw und steuern natürlich diesen Ladepark an und im worst case muss man anstehen bis eine Ladesäule frei wird, während gegenüber bei Pfalzwerke alle Ladeplätze frei sind.
    Und damit diese Situation alle verstehen, müsste man dieses abstruse System vielleicht mal auf Tankstellen anwenden.
    Jeder kann an jeder Tankstelle mit seiner Kreditkarte zahlen für 3€/Liter,
    oder man schließt ein Abo zu 12,99€/Monat bei z.B. Aral ab und zahlt dann bei Aral 2,30€/Liter. Wenn dieser dann aber mal mit seiner Aral-Karte bei Jet, Shell oder einer anderen Tankstelle tankt, muss er dort 4,-€/Liter bezahlen.

    Jetzt verstanden????????????

  7. Heute sagt einem das Auto wann man wo wie lange laden muss und meistens muss einer der Insassen früher abladen bevor das Auto nachladen muss. Schon 10 min Pinkelpause bringen selbst bei Schnarchladern 100km Reichweite und die Ladekarte des Herstellers sorgt für gleichbleibende Ladekosten.

  8. … oder um es noch einmal ganz klar und deutlich in Kurzform auf den Punkt zu bringen:
    ALLE ARGUMENTE GEGEN E-MOBILITÄT SIND BULLSHIT!!! (oder besser … PERIOD!!! … wie man heutzutage zu sagen pflegt! 😄)
    Glaubt mir, ich kann jeden E-Auto-Gegner in Grund und Boden argumentieren! Und zwar ganz sachlich!

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