Europäischer Automarkt: China-Invasion vernichtet Marge der Alt-Hersteller

Seitenansicht des Polestar 3 800V SE Elektro-SUVs in Salbeigrün beim Ladevorgang an einer Wallbox. Die Profil-Ansicht zeigt die coupéhafte Linienführung und sportliche 7-Speichen-Felgen vor einer modernen Holzfassade
Quelle: Polestar
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Trau keiner Statistik, die du nicht selbst zerlegt hast. Ein Gesamtmarkt mit 13 Prozent Plus und 1,38 Millionen Neuzulassungen sieht auf dem Papier nach Erholung aus. Ein Trugschluss. Hinter den Zahlen brennt die Hütte. Die Gewinne der Traditionskonzerne verdampfen im aktuellen Elektrowahn schleichend.

Ein Zuwachs von 118 Prozent bei chinesischen Herstellern ist eine eiskalte Ansage. Die vorläufigen Dataforce-Zahlen decken rund 98 Prozent der Zulassungen in der EU, Großbritannien und den EFTA-Staaten ab. Das ist keine statistische Nische, das ist Realität. Während Autofahrer in Deutschland oder Frankreich wegen der seit Februar um knapp 20 Prozent gestiegenen Spritpreise genervt zu den Stromern flüchten, verbrennen die Etablierten ihr Geld.

Teure Akkus fressen die Rendite

Vollelektrische Autos legten im Juni um 52 Prozent zu, das günstigere Volumensegment sogar um 60 Prozent. Autos wie der Renault 5 E-Tech oder der Škoda Enyaq ziehen. Verständlich. Doch der Haken sitzt tiefer. UBS-Analyst Patrick Hummel hat es am 9. Juli im Pressebriefing klar ausgesprochen: Die Produktion von Elektroautos ist schlicht teurer als die von klassischen Verbrennern. Punkt.

Jeder verkaufte Stromer rettet zwar die CO2-Bilanz der Konzerne. Er ruiniert aber zeitgleich die Profitabilität. Marktanteile werden teuer erkauft. Ein gefährliches Spiel auf Pump.

Fords Absturz und das Fotofinish der Angreifer

An der China-Front wird nicht mehr gekleckert. MG schiebt sich auf 38.640 Verkäufe, BYD folgt hauchdünn mit 38.300 und Chery zieht mit 35.228 Einheiten gleich. Ein Fotofinish auf drei Spuren. Dahinter? Reine Explosion. Leapmotor legt um 565 Prozent zu, Zeekr wächst um 303 Prozent auf 1.097 Autos, Smart klettert um 85 Prozent auf 2.225 Zulassungen. Chery als Einzelmarke holt aus dem Stand 6.389 Einheiten, Geely immerhin 3.837.

Am Tabellenende herrscht offenes Siechtum. Ford bricht um 7,9 Prozent ein, Nissan verliert 5,5 Prozent, Mitsubishi krakeelt bei minus 30 Prozent. Auch Alfa Romeo (minus 19 Prozent) sowie DS und Land Rover (jeweils minus 11 Prozent) sacken ab. Wer im Alltag an der Säule steht, begreift den Quatsch: Den alten Hasen fehlt schlicht das bezahlbare Portfolio.

Einige stemmen sich dagegen. BMW hielt mit 13 Prozent Plus dank des elektrischen iX3 Schritt, Volkswagen wuchs um 7,6 Prozent, Toyota um 9,2 Prozent. Mini (36 Prozent) und Fiat (26 Prozent) zeigen Lebenszeichen. Cupra legt um 16 Prozent zu, Seat um 15 Prozent. Aber der Diesel ist mit minus 12 Prozent tot, Benziner verlieren 2,5 Prozent. Plug-in-Hybride (25 Prozent) und Vollhybride (26 Prozent) laufen solide. Der Gesamtmarkt liegt im laufenden Jahr zwar 5,9 Prozent im Plus. Aber das ist exakt das Niveau von 2019. Wir hinken der Vergangenheit hinterher.

Das Märchen von der flotten Entwarnung

Was viele Berichte übersehen: Die chinesische Offensive ruht auf echter Machtübernahme. Vertikale Integration. BYD baut die Zelle, die Elektronik und das Auto fast komplett in Eigenregie. Das drückt die Kosten massiv. Dazu kommen Entwicklungszyklen von 12 bis 18 Monaten, während in Europa Ausschüsse jahrelang über eine Plattform debattieren.

Zölle? Ein zahnloser Papiertiger. Die Margenvorteile der Angreifer schlucken Strafabgaben mühelos weg. Solange heimische Konzerne Software als lästige Beilage behandeln und die Batteriekosten nicht runterkriegen, bleiben die Gewinne auf der Strecke. Der Juni war erst der Anfang.

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