Googles Datenschatz wird jetzt zur Waffe – und das war längst überfällig

Google hat Gemini Personal Intelligence ausgerollt. Klingt erstmal nach einem weiteren Feature-Update, ist es aber nicht. Was hier passiert, ist die späte Einlösung eines Versprechens, das seit zwei Jahrzehnten in den Whiteboards des Konzerns herumgeistert: alle Nutzerdaten unter einem Dach zusammenzuführen und daraus echte Assistenzfunktionen zu bauen, die nicht nur reagieren, sondern vorausdenken.
Im Kern geht es darum, dass Gemini jetzt auf GMail, Drive, Kalender, Fotos, Keep und Co. zugreifen darf – offiziell, gebündelt, mit Zustimmung. Das Tool analysiert diese Quellen, verknüpft Termine mit Mails, zieht Fotos aus Drives, erinnert an Tasks, die du vor Wochen notiert hast. Klingt simpel, ist technisch aber eine Meisterleistung der Datenorchestrierung. Und vor allem: Es funktioniert nur, wenn man das Ökosystem besitzt. Microsoft könnte das theoretisch auch, Apple vielleicht mit viel gutem Willen. Aber niemand hat so viele parallele Dienste mit derart tiefer Nutzerdurchdringung wie Google.
Was das bedeutet? Gemini wird vom netten Chatbot zum digitalen Begleiter, der dich kennt. Nicht durch Smalltalk, sondern durch Datenzugriff. Wer das nutzt, bekommt Antworten, die auf echtem Kontext basieren – nicht auf generischem Modellwissen. Die Suchmaschine profitiert mittelfristig auch davon, denn Personalisierung war bisher nur oberflächlich. Mit diesem Ansatz wird sie granular.
Datenschutzrechtlich ist das natürlich eine Gratwanderung. Nutzer müssen aktiv zustimmen, bevor Personal Intelligence greift – vermutlich auch, weil man in der EU keine Lust auf die nächste DSGVO-Klage hat. Trotzdem bleibt die Frage, wie transparent Google mit der internen Verarbeitung umgeht. Viele werden zustimmen, ohne groß nachzudenken, weil der Nutzen auf den ersten Blick überwiegt.
Strategisch ist das ein großer Wurf. Dienste wie GMail oder Kalender waren jahrelang kostenlos und finanzierten sich höchstens indirekt über Werbung oder Lock-in-Effekte. Jetzt zahlen sie aktiv auf das Kernprodukt Gemini ein – und das wiederum wird zur Killerapp für Abonnenten. Google hat hier die Geduld gehabt, über Jahre hinweg ein Datenfundament zu legen, das jetzt erst richtig verwertbar wird.
Ob 2026 wirklich „das Jahr von Gemini“ wird, bleibt abzuwarten. Aber mit Personal Intelligence hat Google jedenfalls die Weichen gestellt, um den Vorsprung gegenüber Konkurrenten auszubauen, die keine vergleichbare Infrastruktur haben. Wer das Ökosystem nutzt, wird bleiben. Wer nicht drin ist, hat kaum Anreiz einzusteigen – außer, man will eben genau diese Art von Assistenz.
Das ist kein Zufall. Das ist Strategie, die endlich aufgeht.
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Das ist Datenschutz Horror und es verschlimmert die Abhängigkeit von kritischer Software eines uns feindlich gegenüber stehenden Landes. So etwas zu verherrlichen und auf ein Podest zu stellen, anstatt über europäische und Datenschutzkonforme Software zu informieren, ist komplett aus der Zeit gefallen!