Kia EV3: VW ID.3 unter Druck – und nicht nur wegen des Preises

KIA EV3 2027
Quelle: Kia
Verpasse keine News, folge mir auf WhatsApp, Mastodon oder Google News

Ich habe die aktuellen EV3-Daten, die deutsche Preisliste und die jüngsten Modelljahr-Informationen abgeglichen. Das Ergebnis ist ziemlich klar: Kia hat mit dem EV3 einen Elektro-Crossover im Programm, der beim Preis und beim Nutzwert sehr unangenehm für Volkswagen wird – aber beim Schnellladen nicht vorne mitspielt.

Der Kia EV3 startet in Deutschland derzeit bei 35.990 Euro mit 58,3-kWh-Akku. Die Long-Range-Version mit 81,4 kWh kostet ab 41.390 Euro und erreicht mit 17-Zoll-Rädern bis zu 605 Kilometer WLTP. Genau diese Kombination macht den Kia interessant: Er versucht nicht, den günstigsten Stromer überhaupt zu bauen, sondern packt viel Reichweite in ein kompaktes Format.

Kia spielt die Preis-Reichweiten-Karte aus

Beim EV3 stimmt zunächst die Rechnung. Der Wagen bietet 150 kW beziehungsweise 204 PS, Frontantrieb und 460 Liter Kofferraum. Werden die Rücksitze umgelegt, stehen bis zu 1.251 Liter zur Verfügung. Dazu kommen 25 Liter Frunk – für einen kompakten Elektro-SUV ist das ordentlich.

Auch beim Modelljahr 2027 hat Kia den EV3 nicht einfach stehen lassen. Der Hersteller erweitert das Angebot um Allradantrieb und optionales AC-Laden mit 22 kW. Der Einstiegspreis der bisherigen Fronttriebler bleibt dabei bei 35.990 Euro, die Long-Range-Air kostet weiterhin 41.390 Euro.

Das ist wichtig, weil der EV3 damit genau dort angreift, wo viele Käufer rechnen: Was bekomme ich für mein Geld? Wer möglichst viel Reichweite, Platz und Ausstattung sucht, bekommt bei Kia ein ziemlich schlüssiges Paket. Einen ausführlicheren Blick auf die Alltagstauglichkeit liefert auch der aktuelle Kia-EV3-Vergleichstest mit realer Reichweite aus dem Sommer.

Beim Design macht Kia ebenfalls nicht den Fehler, den Wagen wie irgendeinen günstigen Kompaktstromer aussehen zu lassen. Der EV3 lehnt sich klar an die Designsprache des EV9 an. Das kantige Erscheinungsbild hebt ihn von vielen glattgezogenen Konkurrenten ab, ohne daraus künstlich eine Luxusnummer zu machen. Kia verkauft hier vor allem Alltag plus Eigenständigkeit.

Der VW ID.3 Neo kontert allerdings mit einer anderen Rechnung. Volkswagen nennt aktuell einen Einstiegspreis von 33.995 Euro, bis zu 629 Kilometer Reichweite und eine maximale DC-Ladeleistung von 183 kW. Damit ist die alte Aussage, der Kia unterbiete den ID.3 grundsätzlich beim Einstiegspreis, so nicht haltbar. Kia hat vielmehr den Vorteil bei der Kombination aus höherer Sitzposition, SUV-Format und großem Akku.

Die 400 Volt sind Kias klarer Kompromiss

Technisch liegt der entscheidende Unterschied beim Laden. Der EV3 nutzt keine 800-Volt-Architektur. Beim großen Akku nennt Kia maximal 128 kW DC, beim kleinen Speicher sind es 101 kW. Die offizielle Ladezeit von 10 auf 80 Prozent liegt bei rund einer halben Stunde.

Das ist keineswegs unbrauchbar. Es ist aber auch keine Ansage an die Schnelllade-Elite. Der ID.3 Neo kann laut Volkswagen bis zu 183 kW aufnehmen und besitzt damit auf dem Papier klar mehr Reserven an der HPC-Säule. Genau hier wird aus einem Preisvergleich ein Nutzungsvergleich: Für Pendler oder Familien, die häufig lange Strecken fahren, ist Ladeleistung relevanter als die schönste WLTP-Zahl.

Die bekannte 800-Volt-Technik von Hyundai und Kia fehlt beim EV3 bewusst. Statt maximaler Ladeperformance setzt Kia auf Kostenkontrolle und Alltagstauglichkeit. Das kann man kritisieren, muss es aber als bewusste Produktentscheidung einordnen – der EV3 ist kein EV6 mit kleinerem Blech.

Beim Reichweitenthema sollte man ebenfalls sauber bleiben. Die 605 Kilometer sind ein WLTP-Maximalwert, kein Versprechen für die Autobahn. Wie stark die tatsächliche Reichweite sinkt, hängt unter anderem von Geschwindigkeit, Temperatur, Strecke und elektrischen Verbrauchern ab. Eine pauschale Aussage wie „bei 130 km/h bleiben nur 380 bis 410 Kilometer“ wäre ohne einen konkret dokumentierten Test nicht seriös.

Viel Auto für wenig Platzverlust

Die praktischen Werte sprechen trotzdem für Kia. 460 Liter Kofferraum und bis zu 1.251 Liter bei umgelegter Rückbank sind für die Fahrzeugklasse stark. Dazu kommen clevere Lösungen wie die verschiebbare Mittelkonsole und eine auf Alltag getrimmte Innenraumgestaltung.

Auch beim Infotainment wirkt die Entscheidung nachvollziehbarer als bei manchem Konkurrenten. Kia verbindet große Displays mit physischen Bedienelementen für wichtige Funktionen. Das ist kein spektakulärer Verkaufsargument-Satz aus dem Prospekt, sondern im Auto schlicht vernünftig.

Beim Risiko wird die Sache komplizierter

Der spannendere Punkt liegt inzwischen bei der Fahrzeugelektronik. Kia hat im Juli 2026 selbst ein OTA-Update für die Integrated Charging Control Unit (ICCU) des EV3 angekündigt. Laut Kia soll das Update bei bestimmten Varianten die Stabilität des AC-Ladens verbessern; welche Fahrzeuge betroffen sind, hängt unter anderem vom Produktionsdatum und von der Ausstattung ab.

Das ist etwas anderes als die Behauptung, jeder EV3 habe ein akutes ICCU-Ausfallproblem oder drohe bei einem Defekt sofort komplett stillzustehen. Für solche pauschalen Aussagen fehlt hier eine belastbare Grundlage. Klar ist aber: Wenn Kia bereits gezielt an der ICCU-Software nachbessert, darf man das Thema nicht einfach wegwinken. Käufer sollten bei einem konkreten Fahrzeug prüfen, welche Updates bereits installiert wurden.

Interessant ist dabei, dass Kia den EV3 parallel weiterentwickelt. Im aktuellen Modelljahr kommen Allradantrieb, 22-kW-AC-Laden als Option sowie weitere Komfortdetails hinzu. Wer sich über den technischen Stand der neuen Generation informieren will, findet die Änderungen auch in Kias Modelljahr-2027-Update mit Allrad und schnellerem AC-Laden.

Mein Eindruck fällt deshalb weniger eindeutig aus als die klassische „Kia gegen VW“-Schlagzeile. Der EV3 ist kein billiger Verlierer mit großer Batterie, sondern ein ernsthaft konkurrenzfähiges Elektroauto mit einem klaren Schwerpunkt auf Preis, Platz und Reichweite. Seine Schwäche bleibt die vergleichsweise geringe DC-Ladeleistung.

Der ID.3 Neo ist dafür beim Schnellladen und bei der Maximalleistung besser aufgestellt. Beim Einstiegspreis liegt Volkswagen aktuell sogar unter dem Kia. Der EV3 gewinnt also nicht über einen simplen Preisvorteil, sondern über das Gesamtpaket aus Crossover-Konzept, Raumangebot und großer Batterie. Genau deshalb ist er für Volkswagen unangenehm: Kia muss den ID.3 nicht überall schlagen. Es reicht, wenn das Gesamtpaket für einen Teil der Käufer überzeugender wirkt.

Google bevorzugte Quelle Schmidtis Blog Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen

Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

3 Kommentare

  1. Aus meiner Sicht fehlen noch zwei wichtige Fakten: Auch der ID.3neo hat kein 800-Volt System, denn er basiert nur auf MEB+. Ein entscheidender Vorteil für alle Kia-Fahrer ggü. VW ist die Garantie. Kia gibt 7 Jahre, VW nur 2. Das ist mein Hauptargument gegen VW (Group und quasi alle europäischen Autobauer; leider).

    1. Kia EV3 hat auch 400V nur als bemerkung.
      Und ob 5 vs 7 Jahre, bei VW mus man was draufzahlen, um es zu bekommen, aber beide enden bei 150tkm, also für mich ist es kein Unterschied da ich 30tkm pro Jahr fahre.
      Bis auf das bezahlen.
      Im übrigen bei Škoda gibts in CZ sogar 200.000 km und 5 Jahre… sowas gibts bei Kia nicht. Ja, auch hier muss man draufzahlen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert