VW ID. Polo: City-Effizienz gut, Parkassistent verwirrt

Schräge Frontansicht des neuen kompakten VW ID. Polo in auffälligem Lime-Gelb. Das günstige Elektroauto von Volkswagen zeigt moderne LED-Scheinwerfer und große Alufelgen in einer urbanen Straßenszene
Quelle: Volkswagen AG
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Ich habe mir den Parkassistenten im Praxistests von Elektrobabys zum VW ID. Polo Style genauer angeschaut. Beim Einparken zwischen anderen Fahrzeugen arbeitet das System erstaunlich schnell und sauber, bei freien Parkbuchten versagt die Erkennung allerdings komplett. Dazu kommt ein City-Verbrauch von gerade einmal 11,2 kWh/100 km, der zeigt, was der kleine Stromer im Stadtverkehr tatsächlich draufhat.

Zwischen Autos sitzt der Parkassistent richtig gut

Der erste Test fällt überraschend positiv aus. Der ID. Polo erkennt eine passende Lücke, fordert zum Anhalten auf und übernimmt anschließend den eigentlichen Einparkvorgang. Die Kameraansicht schaltet sich dazu automatisch ein, während verschiedene Perspektiven zur Kontrolle bereitstehen. Auch eine Darstellung der Felgen lässt sich einblenden – nett, aber am Ende zählt natürlich nur, ob das Auto sauber in der Lücke steht.

Im ersten Manöver fährt der ID. Polo rückwärts zwischen einen ID.3 und einen BMW. Das geht auffällig schnell. Das Auto steht anschließend zwar nicht millimetergenau mittig, bleibt aber innerhalb der Markierung und wirkt insgesamt sauber positioniert. Genau da zeigt sich die Stärke des Systems: Sobald die Umgebung über andere Fahrzeuge klar begrenzt wird, scheint sich der Parkassistent sehr sicher orientieren zu können.

Noch interessanter wird der zweite Versuch. Hier erkennt das System gleich mehrere mögliche Parkflächen und erlaubt sowohl rückwärts als auch vorwärts einzuparken. Die Vorwärts-Variante funktioniert im Test sogar noch besser. Das Auto setzt zügig zurück, lenkt selbstständig nach und korrigiert die Position. Für einen Kleinwagen im täglichen Stadtverkehr ist das ziemlich praktisch.

Der positive Eindruck passt zum bisherigen Bild des ID. Polo. Schon im ersten Praxistest des VW ID. Polo mit echtem Alltagsfokus überzeugten die kompakte Bauweise, das Bedienkonzept und die effiziente Abstimmung. Beim Parken kommt jetzt noch ein wichtiger Punkt dazu: Das Auto lässt sich auch ohne Assistenzsystem unkompliziert bewegen.

Freie Parkbuchten bringen das System aus dem Tritt

Dann kommt der Moment, der den ganzen Test verändert. Der ID. Polo soll eine komplett freie Parkfläche erkennen – also eine Parkbucht ohne bereits abgestelltes Fahrzeug daneben. Genau damit hat das System plötzlich große Probleme.

Der Wagen fährt an mehreren freien Stellplätzen vorbei, doch der Parkassistent erkennt die Flächen nicht. Erst als wieder ein parkendes Auto als Orientierungspunkt auftaucht, reagiert das System wie gewünscht. Der Verdacht aus dem Test liegt deshalb nahe: Der Assistent scheint bei der Erkennung stark auf vorhandene Fahrzeuge angewiesen zu sein.

Das ist keine Kleinigkeit. Gerade in Parkhäusern oder auf größeren Parkplätzen findet man viele markierte Stellflächen, die auf beiden Seiten frei sind. Ein Assistenzsystem sollte dort eigentlich nicht erst auf ein Nachbarfahrzeug warten müssen. Im Test zeigt sich sogar noch ein zweiter Schwachpunkt: Bei einem weiteren Einparkversuch landet der ID. Polo zunächst zu nah an einer Linie und versucht anschließend zu korrigieren. Das Ergebnis überzeugt diesmal nicht.

Damit entsteht ein ziemlich klares Bild. Das Einparken selbst funktioniert gut, die Objekterkennung davor ist aber nicht zuverlässig genug, sobald die Umgebung weniger eindeutig ist. Genau diese Einschränkung würde ich im Alltag deutlich höher gewichten als die beeindruckend kurzen Rangierzeiten zwischen zwei Autos.

Auch das Längsparken klappt grundsätzlich. Bei einem Versuch meldet das System zunächst, die Rangierfläche sei zu klein, nach einer veränderten Ausgangsposition startet der Assistent dann doch. Anschließend führt er den Wagen zügig in die Lücke und lässt ausreichend Abstand zu den abgestellten Fahrzeugen. Offenbar orientiert sich das System dabei eher an den umliegenden Autos als an der eigentlichen Bodenmarkierung.

Parken okay, Effizienz überraschend stark

Beim Ausparken zeigt der ID. Polo ebenfalls eine entsprechende Assistenzfunktion. Der Test macht allerdings gleichzeitig auf einen Punkt aufmerksam, der mich deutlich mehr stören würde als eine etwas krumme Einparkposition: Das System bietet eine Ausparkrichtung an, obwohl auf dieser Seite ein Gebüsch die Fahrbahn blockiert. Der Assistent lässt hier also eine Auswahl zu, die der Fahrer besser nicht blind übernehmen sollte.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum Parkassistenten eben kein autonomer Chauffeur sind. Sie können Lenkarbeit abnehmen, ersetzen aber nicht den Blick auf die Umgebung. Gerade bei einem System, das seine Grenzen bei freien Stellplätzen schon klar gezeigt hat, sollte niemand einfach auf die Automatik vertrauen und wegschauen.

Dann kommt allerdings die zweite Hälfte des Tests – und die fällt wieder sehr positiv aus. Ausgangspunkt sind 97 Prozent Akkuladung und eine angezeigte Reichweite von 359 Kilometern. Zum Ziel in der Wiener Innenstadt sind zunächst 23 Kilometer kalkuliert, nach dem Vermeiden der Autobahn bleiben 20 Kilometer, dafür steigt die Fahrzeit auf 37 Minuten.

Das Ziel: möglichst viel echten Stadtverkehr mit Ampeln, Stop-and-Go und wechselnden Geschwindigkeitszonen. Genau hier spielt der ID. Polo seine Stärke aus. Nach der Fahrt stehen für die zurückgelegten 23 Kilometer lediglich 11,2 kWh/100 km im Bordcomputer.

Das ist der interessantere Teil dieses Tests. Ein Elektroauto muss im Stadtverkehr nicht mit spektakulären Leistungswerten glänzen. Entscheidend ist, wie effizient es mit häufigem Bremsen und Beschleunigen umgeht. Beim ID. Polo scheint genau diese Abstimmung sehr gut zu funktionieren.

Die Effizienz kommt nicht völlig überraschend. Auch aktuelle Praxismessungen des 52-kWh-Modells zeigen, dass der ID. Polo bei zurückhaltender beziehungsweise gleichmäßiger Fahrweise sehr wenig Energie benötigt. Beim Autobahntest des VW ID. Polo mit 52-kWh-Akku wurden bereits 14,9 kWh/100 km bei 130 km/h gemessen. Der Wiener Stadtwert liegt damit noch einmal deutlich darunter.

Unterm Strich liefert der ID. Polo damit ein ziemlich ehrliches Bild ab. Der Parkassistent ist schnell, bequem und beim Einparken zwischen Fahrzeugen tatsächlich hilfreich. Seine Achillesferse ist aber die Erkennung leerer Parkbuchten – und genau das sollte VW per Software noch sauberer lösen.

Bei der Effizienz sieht es deutlich besser aus. 11,2 kWh/100 km im Stadtverkehr sind für einen 52-kWh-Stromer ein richtig guter Wert. Das relativiert auch ein Stück weit die Kritik am Preis, denn wer hauptsächlich urban unterwegs ist, bekommt einen kleinen Elektro-VW, der seine Aufgabe ziemlich effizient erledigt. Perfekt ist der ID. Polo trotzdem nicht. Beim Parkassistenten fehlt noch die Sicherheit, die man von einer wirklich ausgereiften Lösung erwarten würde.

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