Leapmotor A05s: LiDAR im Kompakt-Stromer – VW muss zittern

Das hat Potenzial, den Markt aufzurütteln. Leapmotor schickt mit dem A05s einen kompakten China-Stromer nach Europa, der etwas mitbringt, das VW im ID.3 noch fehlt: einen LiDAR-Sensor auf dem Dach. Für einen Fünftürer in dieser Klasse ist das absurd. Und gleichzeitig clever.
Ein Cockpit, das die Klasse sprengt
Der LiDAR-Sensor sitzt prominent auf dem Dach. Ein Bauteil, das man sonst aus dem Premium-Segment oder teuren Mittelklasse-Stromern kennt. Leapmotor nutzt die Daten für einen erweiterten Autobahn-Assistenten, Fahrunterstützung in der Stadt und automatische Parkmanöver. Ich bin da extrem skeptisch. Wenn ich morgens im dichten Berufsverkehr stecke, will ich echte Entlastung. Meine Erfahrung mit solchen „autonomen“ Systemen zeigt aber: Die meisten Assistenten verlieren im Stop-and-Go ohnehin die Nerven, piepen wild und steigen aus. Ein cleverer Schachzug fürs Marketing ist das Teil auf dem Dach trotzdem.
Im Innenraum dominiert ein großer zentraler Touchscreen. Dahinter ein kleines digitales Fahrerdisplay und ein Zweispeichen-Lenkrad. Helle Flächen, rosafarbene Akzente, Kunst-Wildleder. Geschmackssache. Mich lässt das farbliche Experiment eher kalt. Eine durchgehende Lüftungsleiste mit Ambientebeleuchtung peppt das Cockpit auf. Kabelloses Laden für das Smartphone ist in der Mittelkonsole verbaut. Solide Ausstattung für die Klasse.
LFP-Akku und eine Reichweite, die reicht
Die Zahlen lesen sich ordentlich. Der rund 4,20 Meter lange Fünftürer bietet zwei Motorvarianten mit 70 kW oder 90 kW Leistung. Absolut ausreichend für die City. Gespeist werden die Motoren aus Lithium-Eisenphosphat-Akkus.
Kunden haben die Wahl zwischen 39,8 kWh für 405 Kilometer Reichweite oder dem größeren 53 kWh Pack. Letzteres soll bis zu 510 Kilometer schaffen. Ein ordentlicher Wert. Das Fahrzeug zielt damit direkt auf den VW ID.3 und den kommenden VW ID. Polo. Ein harter Kampf steht bevor.
Der Haken an der Sache ist der Preis. Zwar ist das Schwestermodell Leapmotor A10 in China extrem günstig, verlässliche Preise für Europa fehlen jedoch bisher komplett. Das trübt die Euphorie. Die Kehrseite der China-Offensive bleibt die Ungewissheit bei den Importkosten.
Warum der Stellantis-Hebel VW eiskalt erwischt
Hier passiert etwas, das wir seit Jahren kommen sehen. Die chinesische E-Auto-Industrie hat den Sprung von „günstig und mittelmäßig“ zu „technisch konkurrenzfähig und preislich unerreichbar“ geschafft. Der entscheidende Unterschied zum bisherigen China-Import: Stellantis. Ohne den Vertriebspartner wäre Leapmotor in Europa ein Nischenspieler mit Logistik-Problemen. Mit Stellantis bekommt der A05s Zugang zu einem etablierten Händlernetz und Werkstätten.
Das ist keine Partnerschaft aus Nächstenliebe. Stellantis braucht günstige E-Autos, um seine CO₂-Flottenziele zu erfüllen, ohne selbst Milliarden in eine neue Einsteiger-Plattform zu stecken. Leapmotor braucht Europa. Beide Seiten gewinnen. Der Verlierer sitzt in Wolfsburg. Denn während VW noch an einem günstigen Einstiegs-Stromer tüftelt, steht der A05s mit LiDAR, LFP-Akku und über 500 Kilometern Reichweite bereits in den Startlöchern. Das ist keine Zukunftsmusik mehr. Das ist jetzt.
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