Lynk & Co 02: 800 Volt in 12 Min – Europa hinkt hinterher

Die Ansage aus Fernost schlägt im europäischen Elektroauto-Markt spürbar ein: Geely spendiert dem Lynk & Co 02 in China ein umfassendes Technik-Upgrade auf 800 Volt und verkürzt die Ladezeit auf unter 12 Minuten. Während Kundinnen und Kunden in China die neueste Akkugeneration nutzen, werden europäische Käufer vorerst weiter mit dem gewohnten 400-Volt-Standard abgespeist. Das zeigt überdeutlich, wie drastisch Geely seine Modellzyklen zwischen Asien und Europa aufteilt.
460 kW Peak und 6C-Batterie: China-Ladehammer pulverisiert VW & Co.
Im chinesischen Heimatmarkt rollt die überarbeitete Ausführung unter der Modellbezeichnung Lynk & Co 20 zu den Händlern. Technischer Dreh- und Angelpunkt ist ein neuer Energiespeicher mit 70 kWh Kapazität und moderner 6C-Zellchemie. An entsprechenden Ultra-Schnellladesäulen drückt das System eine maximale DC-Ladeleistung von bis zu 460 kW in die Akkus. Der obligatorische Ladehub von 10 auf 80 Prozent ist damit in unter 12 Minuten erledigt. Zum Vergleich: Ein künftiger VW ID. Tiguan steuert denselben Ladebereich voraussichtlich erst in 25 bis 29 Minuten an. Schon beim ersten 800-Volt-Plattformwechsel mit LiDAR-Integration wurde klar, mit welchem Tempo der Geely-Konzern seine Ladeinfrastruktur vorantreibt.
Bei den übrigen Performance-Werten bleibt das kompakte SUV seiner Linie treu. Der Heckmotor leistet 245 kW (329 PS) und wuchtet den Stromer in 6,4 Sekunden von null auf 100 km/h. Die rechnerische Reichweite liegt nach chinesischer CLTC-Norm bei 630 Kilometern, was im strengeren WLTP-Zyklus realistischen 530 Kilometern entspricht. Wie standfest diese gewaltige Ladekurve bei kühlen Außentemperaturen bleibt, muss sich im Alltag allerdings erst beweisen. Schließlich zeigen die Praxiserfahrungen mit Anfälligkeiten von 800-Volt-Systemen und SiC-Invertern, dass extrem hohe Laderaten im Dauerbetrieb enorme Anforderungen an das Thermomanagement stellen.
Geely-Baukasten ohne Rücksicht: Warum China im Jahrestakt aufrüstet
Optisch fällt das Facelift gewohnt dezent aus. Ein paar feine Feinschliffe an Front- und Heckschürze reichen den Designern in China völlig aus. Das folgt der typischen Herangehensweise chinesischer Autobauer: Optische Stabilität wahren, während die interne Elektronik radikal erneuert wird. Im Innenleben teilt sich der Stromer wesentliche Komponenten mit dem Schwestermodell Geely E5, bewahrt jedoch seine skandinavisch geprägte Designsprache. Unverändert praktisch zeigt sich der geräumige Frunk unter der Fronthaube, der Kabel und Ladezubehör mühelos aufnimmt.
Die aggressive Innovationsgeschwindigkeit verdeutlicht Geelys globale Mehrklassen-Strategie. Chinesische Modelle erhalten im Jahrestakt neue Batterie-Generationen, während europäische Importe deutlich längere Lebenszyklen abdecken müssen. Das kollidiert zunehmend mit Geelys Preisstrategie auf dem deutschen Markt. Hierzulande schlägt der bisherige Lynk & Co 02 mit 36.000 Euro in der Core-Variante sowie knapp 40.000 Euro in der More-Ausstattung zu Buche. Käufer zahlen damit volles Geld für ein 400-Volt-System, das an Schnellladesäulen bei maximal 150 kW deckelt und knapp 30 Minuten für den Ladevorgang benötigt.
Vertrieb über Volvo ab 2027: Warum Europa auf alter Technik sitzen bleibt
Ein zügiger Europa-Start der neuen 800-Volt-Version ist vorerst nicht vorgesehen. Der Hersteller visiert den Einsatz des überarbeiteten Modells primär für den chinesischen Markt an. In Europa ist mit dem Upgrade frühestens 2027 oder erst 2028 zu rechnen. Damit bleibt der aktuelle Lynk & Co 02 in Deutschland, Österreich und der Schweiz über Jahre hinweg auf dem bisherigen Stand limitiert.
Gleichzeitig baut Geely den europäischen Vertrieb grundlegend um. Die Marke stellt ihre Präsenz schrittweise um und wandert direkt in die Ausstellungsräume von Volvo. Dieser Schritt bildet die operative Vorbereitung für die Übernahme des Lynk & Co Vertriebs durch Volvo. Ob der Stromer in Europa seine Marktanteile verteidigen kann, wenn China-Kunden mit 460 kW laden, während hiesige Besitzer an 150-kW-Säulen warten, wird den Erfolg der Schweden-Marke auf die Probe stellen.
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Was wir hier erleben haben die Chinesen in einer anderen Welt, zu einer anderen Zeit mit uns nicht anders erlebt. Unsere alte, längst abgeschriebene Technik haben wir in China neu verkauft. Es zeigt eindrücklich wo Deutschland und Europa im globalen Marktranking jetzt stehen. Solange unsere Hersteller vergleichsweise lange Modell und Technikzyklen vorgeben, kann China hier ohne Eile „alte“ Technik und Überkapazitäten trotz Strafzöllen auskömmlich verkaufen. Es herrscht durch eine nicht überbordende Nachfrage nach E Autos vergleichsweise wenig Innovationsdruck.