Geely E2: Chinas Bestseller startet ab 19.900 Euro in Deutschland

Seitenansicht grüner Geely E2 vor Stadtkulisse
Quelle: Geely
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Geely schiebt ein Modell auf den deutschen Markt, das weltweit längst fette Spuren hinterlassen hat. Allein im vergangenen Jahr wanderten über 465.000 Einheiten des Geely E2 über die Ladentische. Nun rollt der 4,14 Meter kurze Stromer zu einem Einstiegspreis von 19.900 Euro nach Deutschland. Ein Kampfpreis, der europäische Traditionshersteller zwingen wird, ihre Preislisten gründlich zu überdenken.

Hier zeigt sich die anhaltende Dynamik, wie die jüngste Verschiebung am chinesischen Automarkt mit schwindenden Marktanteilen klassischer Hersteller eindrucksvoll untermauert. Geely liefert nicht mehr nur Premium-Ableger wie Polestar oder Zeekr ab, sondern zielt jetzt direkt auf die breite Masse der europäischen Autofahrer.

Platzwunder mit Frunk, aber Schwächen bei der Ausstattung

Optisch tritt der Fünfsitzer schlicht auf und verzichtet auf aggressives Design-Gehabe. Die Abmessungen sortieren den Chinesen exakt im umkämpften B-Segment ein, wo sich der Stromer unter anderem gegen den elektrischen VW ID. Polo und andere europäische Kompakte behaupten muss. Der Vorteil der reinen Elektro-Plattform schlägt beim Raumangebot spürbar durch. Auf den Rücksitzen bleibt ordentlich Beinfreiheit, während der Kofferraum 375 Liter schluckt. Durch Umklappen der Rückbank wächst das Volumen auf bis zu 1.320 Liter an.

Ein cleveres Detail versteckt sich vorn. Geely spendiert dem E2 einen echten Frunk unter der Fronthaube mit 70 Litern Zusatzvolumen. Ladekabel fliegen somit nicht mehr lose im Kofferraum herum, sondern verschwinden sauber im Bug. Eine praktische Schublade unter den Rücksitzen schluckt Kleinkram wie Spielzeug oder Warnwesten. Solche pragmatischen Detaillösungen vermisst man bei europäischen Konkurrenten oft selbst in höheren Preisklassen.

Im Cockpit dominiert ein üppiger Touchscreen mit 14,6 Zoll Diagonale, ergänzt durch ein digitales Instrumentendisplay mit 8,8 Zoll. Die Ansteuerung wirkt modern, fordert aber Eingewöhnung.

Drei Ausstattungen: Basis ist Magerkost, Max der süße Punkt

Der Blick auf das Datenblatt der drei erhältlichen Varianten entlarvt jedoch die kühle Aufpreistaktik der Chinesen. Die Basisversion Pro für 19.990 Euro lockt zwar mit Klimaautomatik, Navigationssystem, Kunstledersitzen, Rückfahrkamera, schlüssellosem Zugang und sogar einer Vehicle-to-Load-Funktion. Das klingt auf dem Papier großzügig. Bei der Akkutechnik sperrt Geely den Sparstift jedoch rigoros auf.

Ein Akku mit mickrigen 35,35 kWh Kapazität erlaubt lediglich 252 Kilometer Reichweite nach Norm. In Kombination mit einer schnarchigen Schnellladeleistung von 60 kW und einem mageren 60-kW-Elektromotor (81 PS) taugt diese Basis schlicht nur für den reinen Kurzstreckenbetrieb.

Wer das Auto im Alltag ernsthaft nutzen will, muss folglich zur mittleren Ausstattung Max für knapp 24.000 Euro greifen. Hier wächst der Akku auf 47 kWh, was immerhin 345 Kilometer Reichweite bringt. Auch die Ladeleistung steigt auf akzeptablere 80 kW, während der Motor mit 85 kW (116 PS) ausreichend Punch bietet. Sitz- und Lenkradheizung runden dieses Paket ab.

Das Topmodell Ultra kratzt mit fast 27.000 Euro bereits an der nächsten Preisliga. Es bietet dieselbe Akku- und Motorleistung wie die Max-Variante, ergänzt um 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, Ambientebeleuchtung und eine elektrische Heckklappe. Völlig unverständlich bleibt, dass Geely fundamentale Alltagsfeatures wie einen Regensensor oder das induktive Laden für Smartphones erst in dieser teuersten Ausführung anbietet. Das ist ein fader Kompromiss.

Entspannte Dynamik und 8 Jahre Garantie gegen Skepsis

Fahrdynamisch liefert der Geely E2 unaufgeregte Kost ab. Trotz des in dieser Klasse ungewöhnlichen Heckantriebs und einer ausgewogenen Gewichtsverteilung von 50:50 mutiert das 1,44 Tonnen schwere Fahrzeug keineswegs zum Kurvenräuber. Der Antrieb agiert zurückhaltend, lenkt dafür aber dank des engen Wendekreises von 9,90 Metern äußerst agil durch den Stadtverkehr.

Die Abstimmung zeigt allerdings klare Schwächen. Die Lenkung bleibt in allen Modi schwammig und vermittelt kaum Rückmeldung von der Fahrbahn. Auch die Bremsen wirken im Normalmodus schwammig und benötigen erst den Sportmodus für einen definierten Druckpunkt. Das Fahrwerk schluckt dank des Radstands von 2,65 Metern Unebenheiten ordentlich weg.

Trotz kleinerer Schwächen landet Geely damit eine klare Ansage im aggressiven Preiskampf der Elektroauto-Hersteller, wo etablierte Hersteller mit Rabatten und Sondermodellen gegentreten müssen.

Um den europäischen Skeptikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, packt der Hersteller ein fettes Garantiepaket auf den Tisch. Geely gewährt sowohl auf das Gesamtfahrzeug als auch auf die Batterie eine Garantie von 8 Jahren bis zu einer Laufleistung von 200.000 Kilometern. Der Akku muss nach dieser Distanz noch mindestens 70 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität aufweisen. Bis Ende September sollen in Deutschland bereits 50 Händlerpartner bereitstehen, um den Vertrieb abzusichern.

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