Mercedes, BMW & VW: Der schockierende Margen-Kollaps

Mercedes-Benz G-Klasse vollelektrisch
Quelle: Mercedes-Benz AG
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Der deutsche Aktienmarkt knackt Rekorde, doch in den Konzernzentralen von VW, BMW und Mercedes-Benz herrscht Katerstimmung. Jahrelang versprach das Management, dass der Wandel hin zur Elektromobilität aus der Portokasse finanziert werden könne. Die aktuellen Bilanzen zeichnen jedoch ein erschreckendes Bild: Die Profitabilität schmilzt schlichtweg dahin.

Besonders hart trifft es Mercedes-Benz: Die Ebit-Marge im Autogeschäft liegt im letzten Halbjahr bei mageren 1,9 Prozent – vor drei Jahren lag dieser Wert noch bei 14,3 Prozent. BMW rutscht im gleichen Zeitraum von 10,6 Prozent auf 3,6 Prozent ab. Wenn ausländische Volumenhersteller wie Hyundai-Kia mit 5,4 Prozent Marge profitabler wirtschaften als deutsche Traditionsmarken, ist das ein dramatisches Alarmsignal für den Industriestandort.

China-Krise zieht deutsche Hersteller in den Abgrund

Der Grund für diese Zahlenschieflage liegt vor allem in China, wo der Markt für Verbrenner rasant einbricht. Während der chinesische Gesamtmarkt bei den Neuzulassungen im ersten Halbjahr um 19 Prozent nachgab, sackte Mercedes um 27 Prozent und VW um 26 Prozent ab. BMW verzeichnete ein Minus von 20 Prozent.

Das eigentliche Problem liegt tiefer: Bei chinesischen Elektrofahrzeugen halten deutsche Marken derzeit jeweils einen Marktanteil von unter einem Prozent. Das hochprofitable Geschäft mit Benzinern bricht weg, während man am Boom der Stromer kaum verdient. Hinzu kommen steigende Spritpreise vor Ort und unerschlossene Alternativmärkte in Asien, die diesen Ausfall nicht kompensieren können.

Jobabbau und Notverkäufe als Hilflosigkeitserklärung

Die Bilanzen spiegeln diesen Einbruch unbarmherzig wider. Das Ebit brach bei VW um 56 Prozent, bei BMW um 70 Prozent und bei Mercedes um gigantische 90 Prozent ein. Die Reaktionen der Vorstände beschränken sich primär auf Sparprogramme: BMW streicht 8.000 Stellen, Mercedes verkleinert die Belegschaft um 5.500 Stellen und bei VW stehen gar bis zu 100.000 Arbeitsplätze zur Disposition.

In meiner Analyse greifen diese Restrukturierungen viel zu kurz, da sie reine Symptombekämpfung darstellen. Strategische Verzweiflungstaten wie das Streichen der Markenidentität – etwa indem Audi in China Modelle ohne die klassischen vier Ringe anbietet – oder der Stopp des GLA-Angebots durch Mercedes zeigen die Ratlosigkeit. Wenn VW-Chef Blume nun Sonderzölle auf chinesische Plug-in-Hybride fordert, wirkt das schlicht wie das Festhalten an einer veralteten Schutzwall-Mentalität.

Die Realität holt die Luxus-Rhetorik ein

Auch in Europa hinken die Neuzulassungen deutscher Hersteller dem Marktwachstum hinterher. Obwohl sich die Führungsetagen nach wie vor an Mittelfristzielen von 8 bis 10 Prozent Marge festklammern, halten Branchenanalysten wie Matthias Schmidt eine schnelle Erholung ohne eine Chinasanierung für völlig ausgeschlossen.

Ich sehe das genauso: Wer den technologischen Wandel im wichtigsten Automarkt der Welt verpasst, kann fehlende Erträge nicht ewig über Werksschließungen kompensieren. Die Zeit der Sonntagsreden ist vorbei – die Realität hat den deutschen Automobilbau eiskalt eingeholt.

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