MG4 EV: 6.000 Euro Rabatt trifft KBA-Spionageverdacht

seitliche Frontansicht eines himmelblauen MG4 Urban
Quelle: MG Motor Deutschland
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Der Spätsommer 2026 bringt den deutschen Elektroautomarkt ins Wanken. MG Motor, die europäische Speerspitze des chinesischen SAIC-Konzerns, drückt die Preise für sofort verfügbare Lagerfahrzeuge radikal nach unten. Ein pauschaler Hersteller-Bonus von 6.000 Euro senkt den Einstiegspreis des MG4 EV Urban auf erstaunliche 18.990 Euro brutto. Doch hinter dem aggressiven Preisschild lauert nicht nur ein technischer Kompromiss im Winter, sondern auch ein behördlicher Vorgang in Flensburg.

Taktischer Räumungsverkauf vor der europäischen Zollmauer

Der Preisvorteil unterbietet etablierte Rivalen wie den VW ID.3 oder den Renault Megane E-Tech um mehr als 10.000 Euro. Doch die Aktion, die strikt bis zum 30. September 2026 befristet ist, entspringt kalkulierter Notwendigkeit. Der chinesische Mutterkonzern muss seine Händlerlager räumen, bevor endgültige EU-Strafzölle auf in China gefertigte Stromer greifen und die Marge vernichten. Weil SAIC mit neuen Werken gegen EU-Strafzölle erst mittelfristig Kapazitäten aufbaut, zählt jetzt jedes verkaufte Bestandsfahrzeug.

Obwohl MG keine offiziellen Stückzahlen nennt, sprechen Brancheninsider von mehreren tausend Autos auf Halde. Käufer erhalten den Kampfpreis ausschließlich für vorkonfigurierte Bestandsfahrzeuge im Barkauf oder Leasing – eine individuelle Werksbestellung bleibt ausgeschlossen. Der Rabatt wirkt im gesamten Portfolio, schlägt beim Basismodell jedoch am stärksten durch. Während unser Test des MG 4 Urban in Deutschland bereits die Effizienz der E3-Plattform zeigte, verschiebt dieser Preisnachlass das Gefüge in der Kompaktklasse vollkommen. Auch der Elektro-Kombi MG5 EV (ab 35.490 Euro) verbilligt sich um rund 17 Prozent, während die gesamte MG4-Baureihe im Schnitt über 17 Prozent nachgibt.

  • MG4 EV Urban (43 kWh LFP): Bruttolistenpreis 24.990 € | Aktionspreis 18.990 € (-24,0 %)
  • MG4 EV Standard (51 kWh LFP): Bruttolistenpreis 34.990 € | Aktionspreis 28.990 € (-17,1 %)
  • MG4 EV Comfort (64 kWh NMC): Bruttolistenpreis 39.990 € | Aktionspreis 33.990 € (-15,0 %)
  • MG4 EV Trophy ER (77 kWh NMC): Bruttolistenpreis 44.990 € | Aktionspreis 38.990 € (-13,3 %)
  • MG4 XPOWER (64 kWh AWD, 435 PS): Bruttolistenpreis 46.990 € | Aktionspreis 40.990 € (-12,8 %)

Eiskalter Akku-Ladefrust und beunruhigende KBA-Ermittlung

Für 18.990 Euro bietet der 4,29 Meter lange Stromer mit 110 kW (149 PS) zwar ordentlich Auto fürs Geld, verlangt im Alltag aber klare Zugeständnisse. Die verbaute 43-kWh-LFP-Batterie kommt ohne aktive Vorkonditionierung. Fällt das Thermometer unter den Gefrierpunkt, bremst das Batteriemanagementsystem die Ladeleistung an der Schnellladesäule extrem ein. Ladezeiten von weit über einer Stunde von 10 auf 80 Prozent sind im Winter die direkte Folge. Wer lange Distanzen fährt, muss zwingend zu den teureren Ausführungen mit NMC-Chemie greifen. Wie gewohnt setzt MG auf radikale Kampfpreise aus China, um Marktanteile zu erzwingen.

Über den fehlenden Heckscheibenwischer oder gelöschte Fahrmodi könnte man bei diesem Preis hinwegsehen. Doch ein Thema wiegt deutlich schwerer: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg hat eine offizielle Prüfung der Fahrzeugsoftware eingeleitet. Anlass ist die Entdeckung des Bezeichners „Teardroid“ in einer Lizenzdokumentation des Infotainmentsystems. Hinter Teardroid verbirgt sich ein berüchtigter Spionage-Trojaner, der in der Theorie Bewegungsdaten, Fahrprofile und Inhalte verbundener Smartphones auslesen kann. MG Motor dementiert eine aktive Nutzung und spricht von einem Dokumentationsfehler, während das KBA zu Details und Zeitplänen mauert.

Markteroberung nach Koreaner-Muster mit ungelöstem Sicherheitsrisiko

Diese Rabattwelle folgt einem bekannten Muster. Bereits Ende der 90er-Jahre drängten südkoreanische Hersteller über Spottpreise nach Europa und glätteten anfängliche Qualitätsmängel erst Jahre später über lange Garantien. SAIC wendet dieses Rezept nun bei MG an, um trotz schwieriger Logistik den Markt zu dominieren. Welchen Druck chinesische Autobauer aufbauen, offenbart auch die hohe Nachfrage bei Modellen wie dem MG 07, wo 31.000 Bestellungen in 11 Tagen den Markt überrollen.

Das Angebot für 18.990 Euro bleibt eine Preissensation für Pendler mit eigener Wallbox. Doch der ungeklärte Verdacht des KBA markiert eine rote Linie. Solange die Flensburger Behörde den Teardroid-Fund nicht lückenlos aufklärt, schwingt bei jedem Kauf ein inakzeptables digitales Sicherheitsrisiko mit.

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5 Kommentare

  1. Alle SAIC Fahrzeuge haben bereits 35 % Zoll. Somit versucht der Hersteller das mit dem Aktionspreis auszugleichen, s. Temu, AliExpress.
    Aktion ist bis 31.12. verlängert

  2. Selten so viele falsche Behauptungen in einem Artikel gelesen.Letzte Woche Probefahrt und bestellt.Heckscheibenwischer ist selbstverständlich dran und ich habe meinen in ner ganz neuen Farbe bestellt die definitiv nicht vorproduziert auf Halde ist und konnte wie bei MG schon immer die Farbe,den Akku und das Ausstattungslevel wählen.Andere Konfigurationen gab es noch nie,ab Werk gibt es keine zusätzlichen Extras

  3. „Für 18.990 Euro bietet der 4,29 Meter lange Stromer mit 110 kW (149 PS)“

    Also reden wir über den Urban?

    „Die verbaute 43-kWh-LFP-Batterie kommt ohne aktive Vorkonditionierung.“

    Alle Urban haben eine Batteriekonditionierung. Der Premium kann sie nach Ladeplanung vom Navi aus automatisch starten, die anderen Varianten erfordern eine manuelle Aktivierung, aber sie ist da.

    „Wer lange Distanzen fährt, muss zwingend zu den teureren Ausführungen mit NMC-Chemie greifen.“

    Es gibt keinen Urban mit NMC. Den MG4 ja, aber ich würde da dann nicht von einer Ausführung reden, da gänzlich anderes Fahrzeug.

    „Über den fehlenden Heckscheibenwischer oder gelöschte Fahrmodi könnte man bei diesem Preis hinwegsehen.“

    Also der Vorführer im Autohaus hatte einen, die Bilder auf der Webseite zeigen einen. Es würde mich wundern, wenn meiner ohne käme.

    Gelöschte Fahrmodi? Die kann man doch im MG Pilot als Präferenz festlegen?

    „Doch die Aktion, die strikt bis zum 30. September 2026 befristet ist“

    Nein.

    Dieser Kommentar muss nicht veröffentlich werden, aber vielleicht prüft ihr die genannten Punkte nochmal.

    Und die Teardroid-Nummer ist für jeden ITler eigentlich ganz klar ein Dokumentationsmangel. Die haben den Praktikaten rangesetzt und der hat schnell nen Scan gemacht.

    Warum sollte man den Eigengebrauch von Teardroid offenlegen?
    Warum sollte man sowieso Teardroid einsetzen, wenn die Geräte alle im MG-VPN hängen und man einfach per SSH Vollzugriff erlangen kann?

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