Moto Watch Ultra: Viel Name für zu wenig echte Ultra-Power

Motorola meldet sich im Smartwatch-Oberhaus zurück, aber der Name „Ultra“ verspricht deutlich mehr, als die Realität hält. Mit der Moto Watch Ultra wechselt der Hersteller zwar endlich wieder auf Wear OS, verlangt dafür zur Markteinführung aber auch eine selbstbewusste Ansage von 429 Euro. Dafür gibt es den gewohnten Zugriff auf das Google-Ökosystem inklusive Google Wallet, Google Gemini und Motorolas Sprachassistent Qira. Wer hier allerdings einen echten Konkurrenten zu den brachialen Outdoor-Uhren von Apple oder Samsung erwartet, schaut schnell in die Röhre.
Alter Chip und sparsame Sensoren zum Spitzenpreis
Unter der Haube werkelt nämlich der Qualcomm Snapdragon W5+ Gen 1, flankiert von 2 GB RAM und 32 GB Speicher. Das reicht für den Alltag völlig aus, ist für ein brandneues Spitzenmodell aber beileibe kein frischer Leistungssprung mehr.
Viel schwerer wiegt für mich der Rotstift bei den Sensoren. Zwar liefert Fitness-Pionier Polar durchdachte Tracking-Funktionen für Schlaf, Puls und Erholung, doch auf einen Hauttemperatursensor oder ein echtes EKG hat Motorola schlicht verzichtet. Für über 400 Euro ist das im direkten Vergleich mit der Konkurrenz ein schmerzhaftes Versäumnis.
Schickes Gehäuse, aber Akku nur ohne Always-on stark
Immerhin: Das runde 1,5 Zoll pOLED-Display löst mit 466 x 466 Pixeln ordentlich auf und leuchtet bis zu 2.700 Nits hell. Eingepasst ist das Panel in ein 46 Millimeter messendes, 51 Gramm schweres Edelstahlgehäuse, das nach IP68 und 5 ATM gegen Staub und Wasser geschützt ist. Dass die Front jedoch nur durch betagtes Gorilla Glass 3 statt kratzfestem Saphirglas geschützt wird, passt absolut nicht zum martialischen „Ultra“-Aufdruck.
Und die Ausdauer? Motorola verbaut einen 550 mAh Akku und verspricht rund 50 Stunden Laufzeit. Das klingt solide, hat aber einen gewaltigen Haken: Dieser Wert gilt nur bei deaktiviertem Always-on-Display. Wer das Display dauerhaft ablesen will, landet unweigerlich wieder beim täglichen Boxenstopp an der Steckdose. Das günstigere Schwestermodell ohne Wear OS hält bis zu 13 Tage durch – der Preis für Googles Betriebssystem ist also wie gewohnt hoch.
Polar-Software als Lichtblick im Lieferumfang
Ein echter Lichtblick ist das integrierte Polar-Paket: Features wie die Atemübung „Serene“, „Nightly Recharge“ oder der KI-Laufcoach werten die Uhr spürbar auf, zumal auch Dual-Band-GPS und LTE direkt an Bord sind. Löblich ist auch das Zubehör im Karton, denn Motorola packt direkt zwei 22-Millimeter-Armbänder (Silikon und Leder) bei.
Mein Fazit fällt dennoch nüchtern aus: Für 429 Euro liefert Motorola eine brauchbare Wear-OS-Uhr ab, klebt aber ein völlig unpassendes Label darauf. Ohne EKG, ohne Temperatursensor und ohne Saphirglas ist das eine schicke Standard-Smartwatch – aber beim besten Willen kein Ultra-Modell.
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