Motorola Edge 20 Pro Testbericht

Motorola Edge 20 Pro Header

Das Motorola Edge 20 Pro ist ein Smartphone-Modell, welches an die Spitze will. Eine Kamera mit 108 MP, 5G-Support und ein riesiges Display fallen schon mal auf. Doch reicht das auch aus? Ich habe das Modell nun zum Testen bekommen und will euch sagen, ob sich ein Kauf lohnt – oder eben nicht.

Das Motorola Edge 20 Pro wurde mir direkt vom Hersteller in der Farbe Midnight Blue mit 12 GB RAM und 256 GB Speicher freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Dennoch hat dies keinen Einfluss auf das Testergebnis.

Motorola Edge 20 Pro Verpackung
Quelle: Schmidtis Blog

Lieferumfang

Das Motorola Edge 20 Pro kommt in der bekannten Motorola-Verpackung in edlem dunklen blau. Diese wirkt eher schlicht, im Gegensatz zum Inhalt der Box. Auf der Unterseite der Box findet man auch ein paar Key-Specs des Gerätes und auf der Rückseite eine Auflistung des Inhalts samt einiger Hinweise.

Im Inneren finden wir dann noch eine extra Box mit dem Telefon und eine weitere Box mit dem „ready for“ Kabel (Bildschirmkabel HDMI / USB-C). Neben dem eigentlichen Gerät finden wir auch noch eine Silikonhülle, ein USB C-Kabel, das SIM-Eject-Tool und das 30 Watt Ladegerät und etwas Zettelkram. Kopfhörer gibt es nicht.

Motorola Edge 20 Pro Lieferumfang
Quelle: Schmidtis Blog

Technische Daten

  • 6,7″ pOLED-Display, FullHD+ 19,5:9-Format, 2.400 x 1.080 Pixel, 393 PPI, adaptive 144 Hz Bildwiederholrate, 576 Hz Abtastrate, Gorilla Glass 5, Allways-On Display
  • Android 11 mit My UX
  • Qualcomm Snapdragon 870 5G 8 x 2.4 – 3.2 GHz, Cortex-A77 / A55 (Kryo 585)
  • Adreno 650-GPU
  • 6/ 8/ 12 GB LPDD5 RAM (+ 3 GB „Virtual RAM“)
  • 256 GB UFS 3.1 Speicher, nicht erweiterbar
  • Hauptkamera: 108 MP Hauptsensor (Blende ƒ/1.9) + 16 MP Ultraweitwinkel (Blende ƒ/2.2, 119° FOV) + 8 MP Telefoto (Blende ƒ/3.4, 5x opt. Zoom)
  • Frontkamera: 32 MP (Blende ƒ/2.25)
  • 4.500 mAh Akku mit 30 Watt Schnelladen
  • USB 3.1 Typ-C, Dual-SIM
  • Maße / Gewicht: 163,26 × 75,95 × 7,99 mm / 190 g
  • Besonderheiten: IP52, 5G, Wi-Fi 6, Bluetooth 5.1, NFC, seitlicher Fingerabdrucksensor
Motorola Edge 20 Pro Verpackung
Quelle: Schmidtis Blog

Verarbeitung & Haptik

Das Motorola Edge 20 Pro verzichtet ironischerweise auf ein gebogenes Display, das dem ersten Moto Edge seinen Namen gab. Stattdessen hat es jetzt eine flache Vorderseite mit einer gewölbten Rückseite. Mir gefällt dieses Design besser, denn durch die gewölbten Seiten liegt das Handy viel besser in der Hand.

Doch wegen seiner Größe ist es nicht wirklich bequem, denn die Tastenanordnung des Telefons ist nicht gut gewählt. Der Power-Button und die Lautstärkewippe sind beide sehr hoch auf der rechten Seite des Telefons platziert. Das ist vor allem deshalb problematisch, weil sich auf der Einschalttaste auch der Fingerabdruckscanner befindet, und der ist fast immer schwer zu erreichen.

Motorola Edge 20 Pro Power-Button und Lautstärke-Button
Quelle: Schmidtis Blog

Dann gibt es ja auch noch auf der linken Seite die Google Assistant-Taste, diese ist aber so hoch angebracht, dass man diese nie aus Versehen drückt und schon nach kurzer Zeit vergisst man überhaupt, dass dieser Button verbaut wurde.

Die matte Gorilla Glass 5 Rückseite fühlt sich nicht nur gut an, sie ist auch einigermaßen resistent gegen Fingerabdrücke und Schmutzflecken. Der blau-schwarze Farbverlauf verleiht dem Handy einen hochwertigen Look. Die Triple-Kamera ist vertikal angeordnet und ragt so weit heraus, dass das Handy auf einem Tisch wackeln kann.

Motorola Edge 20 Pro Unterseite
Quelle: Schmidtis Blog

Ansonsten gibt es nichts weiter zu bemängeln, der Rest der Verarbeitung ist auf klassenüblichen Niveau ohne Ausreißer nach oben oder unten. Das Motorola Edge 20 Pro hat aber nur eine Zertifizierung nach IP52, ist also nur vor Spritzwasser geschützt.

Display

Das Display ist das Highlight des Motorola Edge 20 Pro. Denn es bietet sogar eine dynamische Bildwiederholrate von 144 Hz – wie bei einem Gaming-Smartphone. Ferner bietet es auch eine Abtastrate von 576 Hz, was ebenfalls schneller ist als bei der Konkurrenz. Und dank HDR10+ und Widevine L1-Zertifizierung macht dann auch das gucken von Streaming-Inhalten richtig Spaß.

Motorola Edge 20 Pro Display
Quelle: Schmidtis Blog

Mit einer Spitzenhelligkeit von etwa 700 nits bei normaler Nutzung ist es nicht das hellste, aber dank der 10-Bit-Farbtiefe hat es definitiv einen Vorteil. Die Farben sehen hier sehr lebensecht aus, mit einer angemessenen Menge an Kraft und tiefen Schwarzwerten. Auch die Sichtbarkeit im Freien ist kein Problem – nur bei direkter Sonneneinstrahlung auf das Display könnte es etwas schwerer abzulesen sein.

Positiv sind zudem die relativ symmetrisch dünnen Seitenränder, was schon richtig gut aussieht. Das Display wird ferner von Gorilla Glass 5 geschützt, was jetzt nicht das neueste Glas von Corning ist, aber dennoch einen hervorragenden Schutz bietet. Das Display hat eine winzige Aussparung in der oberen Mitte für die Selfie-Kamera, und die Punch Hole ist hier erfreulich klein ausgefallen.

Kamera

Das Motorola Edge 20 Pro verfügt über eine Triple-Kamera, bestehend aus einer 108 MP Hauptkamera, einer 16 MP Ultraweitwinkelkamera, die auch als Makrokamera fungiert, und ein Periskopobjektiv mit 5fach optischem Zoom und OIS mit 8 MP Auflösung. Die Selfie-Kamera auf der Vorderseite löst mit 32 MP auf.

Motorola Edge 20 Pro Rückseite
Quelle: Schmidtis Blog

Die Kameras des Edge 20 Pro sind in Ordnung, es sind die besten, die Motorola jemals in einem Smartphone verbaut hat. Für die meisten User werden sie auch mehr als ausreichend sein und die Aufgaben perfekt erledigen. Natürlich gibt es bessere Kamera-Setup in diesem Segment und Motorola hat noch viel Arbeit vor sich, endlich bei den Besten mitzuspielen.

Im Grunde liegt es an der Kamera-Software, die noch nicht ganz ausgereift erscheint. Denn das Setup macht auf dem Papier eine gute Figur.

Motorola Edge 20 Pro Kamera
Quelle: Schmidtis Blog

Die Aufnahmen bei Tageslicht sind gut, richtig gut sogar. Doch das schaffen mittlerweile fast alle Hersteller. Dennoch gibt es schon bei der 108 MP-Hauptkamera Grund zum meckern. Warum man hier auf einen Phasenerkennungs-Autofokus statt eines Laser-Autofokus setzt und warum vor allem eine optische Bildstabilisierung fehlt, weiß wohl nur Motorola selbst. Schade, denn hier hat man schon viel Potential verspielt. Dafür hat allerdings die 8 MP Periskop-Telekamera OIS und auch einen fünffach verlustfreien Zoom zu bieten.

Ansonsten sind die Linsen gut aufeinander abgestimmt, was vor allem bei der Fotografie bei guten Lichtverhältnissen für stimmungsvolle und gut arrangierte Bilder sorgen kann. Bei schlechten Lichtverhältnissen trennt sich dann aber die Spreu vom Weizen. Dennoch schneidet das Edge 20 Pro auch hier erfreulich gut ab, wenn auch nicht sehr gut.

108 MP Hauptkamera liefert überraschenderweise recht durchschnittliche Ergebnisse bei schlechten Lichtverhältnissen, selbst bei aktivierter Nachtsichtfunktion. Hier bekommt man mit einem Stativ aber recht ordentliche Bilder hin. Man kann die Ergebnisse natürlich nicht mit Modellen von Huawei, Samsung oder Xiaomi vergleichen, bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Außerdem besteht die Hoffnung, dass Motorola mit Updates hier noch ein wenig optimieren kann.

Die Videoaufzeichnungsfunktionen bieten ein viel besseres Bild mit Unterstützung für bis zu 8K-Videoaufnahmen und sogar 4K bei 60 Bildern pro Sekunde. Diese hohen Auflösungen bieten jedoch keine gute Stabilisierung, sodass man besser stabilisierte 4K-Videos mit 30 Bildern pro Sekunde oder 1080p-Videos aufnehmen sollten. Die Frontkamera kann 4K-Videos mit einer Auflösung von 1080p oder 4K aufnehmen.

Software & Performance

Das Edge 20 Pro war in meinem Fall mit 12 GB LPDDR5 RAM und 256 GB superschnellem UFS 3.1-Speicher ausgestattet. Als Prozessor kommt der Qualcomm Snapdragon 870 zum Einsatz, der eine Stufe unter dem Flaggschiff SD888 liegt. Die Leistung ist in jeder Lebenslage mehr als ausreichend, man hat nie das Gefühl, dass das Gerät zu langsam ist, vor allem wegen des Bildschirms mit der hohen Bildwiederholrate von 144 Hz.

Dank der riesigen Power und des superschnellen Displays ist alles extrem schnell und flüssig, man merkt keine Verzögerungen und ein Wechsel zwischen den Apps ist rasend schnell. Man hat eigentlich nie das Gefühl, dass man im Alltag mehr Leistung benötigt.

Das SD870 kann die meisten Spiele mit den maximal möglichen Einstellungen spielen, und ein Leistungsabfall ist nicht spürbar. Dabei wird das Smartphone zwar etwas wärmer, allerdings nur bei starker Beanspruchung.

Das Motorola Edge 20 Pro bietet im Grunde ein pures Android-Erlebnis. Man bekommt Stock-Android 11 mit ein paar Moto-Anpassungen. Sie gibt es dann noch nützliche Dinge wie Moto-Gesten und Anpassungsoptionen für Symbolformen, Akzentfarben und vieles mehr. Was man nicht bekommt, ist Bloatware, lästige Benachrichtigungen oder billige Apps, die vorinstalliert sind.

Der Fingerabdrucksensor im Power-Button reagiert extrem schnell und sehr zuverlässig. Besser und schneller als eigentlich alle Lösungen unter dem Display. Motorola verspricht den Käufern mindestens zwei neue Android-Updates und zwei Jahre Sicherheitspatches, die alle zwei Monate eintreffen sollen. Schade, hier hätte man gerne noch 1 Jahr drauflegen können.

Lautsprecher

Hier hat Motorola leider den Rotstift angesetzt. Denn es ist doch schon enttäuschend zu hören, dass der Hersteller hier auf Stereo-Lautsprecher verzichtet hat. Es ist nur ein Lautsprecher verbaut und diesem fehlt es auch noch an Bass und er klingt recht dünn.

Motorola Edge 20 Pro
Quelle: Schmidtis Blog

Akku

Das Motorola Edge 20 Pro wird von einem großen 4.500 mAh Akku mit Strom versorgt, der das Schnellladen mit 30 Watt unterstützt. Kabelloses Laden wird leider nicht unterstützt. Mit dem Akku kommt das Modell auf eine gut Akkulaufzeit, den Tag übersteht man damit eigentlich locker. Und wenn man das Gerät doch mal etwas häufiger nutzt, ist es auch schnell wieder dank der 30 Watt aufgeladen.

Das mitgelieferte 30 Watt Netzteil sorgt dafür, dass das Edge 20 Pro in zehn Minuten bis zu 21 Prozent aufgeladen ist, in 30 Minuten schafft es bis zu 58 Prozent und in einer Stunde ist das Gerät zu 87 Prozent aufgeladen. Eine volle Ladung dauert knappe 1:15 Stunden.

Andere können es schneller, aber Motorola hat hier einen guten Kompromiss aus schnellem Laden und Akkulebensdauer gewählt. Es gibt auch eine intelligente Ladesteuerung, die sich an das Nutzungsverhalten anpasst. Diese kann in den Einstellungen aktiviert werden.

Fazit

Schade, dass Motorola Edge 20 Pro hätte es verdient gehabt, ein echtes Flaggschiff zu werden. Doch leider hat Motorola an den falschen Stellen gespart. So muss man persönlich für sich selbst entscheiden, ob einem die fehlenden Features wie kabelloses Laden, Stereo-Lautsprecher, Bildstabilisierung oder IP68-Zertifizierung wichtig sind. Bei einem Preis von EUR 700,00 hätte man es sich aber wünschen dürfen.

Ansonsten ist Motorola ein gutes Gerät gelungen, mit einem hervorragenden Display, einer guten Kamera und auch mit Schnellladen mit 30 Watt. Es ist, obwohl es nur den SD870 verbaut hat, extrem schnell. Die Software ist fast Stock Android mit ein sinnvollen Anpassungen seitens des Herstellers.

Ganz an der Spitze ist Motorola mit dem Edge 20 Pro nicht angekommen, aber auf dem richtigen Weg. Wenn es die Kritikpunkte, viele sind es ja nicht, beim Nachfolger beseitigt, dann könnte es mal wieder ein echtes Motorola-Flaggschiff geben.

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