OnePlus: Warum die einstige Kultmarke klammheimlich vom Markt verschwindet

OnePlus 15T Rückseite in 3 verschiedenen Farben
Quelle: OnePlus
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Wenn eine Smartphone-Marke stirbt, passiert das selten mit einem großen Knall. Es passiert schleichend, durch falsche Entscheidungen, gierige Mutterkonzerne und das systematische Ignorieren der eigenen Community. Bei OnePlus sehen wir gerade das traurige Endspiel: Nach Jahren des schleichenden Identitätsverlusts zieht sich der Hersteller hinter den Kulissen offenbar komplett aus den Märkten außerhalb Chinas zurück. Für treue Fans ist das ein Schlag ins Gesicht, für den Markt ein herber Verlust an Vielfalt.

Vom gallischen Dorf zur austauschbaren Konzern-Tochter

Ich erinnere mich noch gut an die Anfangstage, als das erste OnePlus One wie eine Bombe einschlug. Das absurde Invite-System hat damals einen Hype kreiert, den man heute kaum noch erklären kann. Man war Teil eines exklusiven Clubs. Dass hinter der vermeintlichen Garagen-Firma von Anfang an der riesige chinesische Tech-Gigant BBK Electronics steckte, war ein cleverer Marketing-Schachzug.

Seit der Fusion mit Oppo hat die Community schlicht das Interesse an OnePlus verloren. Das liegt vor allem an der Software.

Mit dem Abgang von Gründer Carl Pei im Jahr 2020 begann das Fundament zu bröckeln. Nur ein Jahr später folgte die vollständige Fusion mit Oppo. OxygenOS wurde im Kern zu einem Klon von ColorOS degradiert. Das war der Moment, in dem OnePlus seine Seele verlor, um die interne Entwicklungspipeline des Mutterkonzerns zu optimieren.

Der Patent-Krieg, der das Genick brach

Der schleichende Tod war aber nicht nur ein emotionales Problem, sondern harte juristische Realität. Die jahrelangen, heftigen Patentstreitigkeiten mit Schwergewichten wie Nokia und InterDigital haben der Marke in Europa endgültig den Stecker gezogen. Es ging um Mobilfunkpatente und sogenannte FRAND-Lizenzen für 4G und 5G.

Die daraus resultierenden Verkaufsverbote, unter anderem in Deutschland, haben OnePlus monatelang komplett vom Markt abgeschnitten. Wenn du im Laden nicht mehr stattfindest, bist du für den normalen Käufer schlicht tot. Die Kehrseite der juristischen Einigungen im Hintergrund: Die Lizenzgebühren haben die ohnehin dünnen Margen komplett aufgefressen. Ein wirtschaftliches Desaster für eine Marke, die ohnehin kaum globalen Marktanteil besaß.

Wie man einen großen Namen mit Billig-Plastik ruiniert

Der Slogan „Never Settle“ wurde endgültig zur Farce, als OnePlus anfing, den Markt mit unzähligen Modellen zu überschwemmen. Früher gab es ein, maximal zwei perfekt durchdachte Smartphones pro Jahr. Plötzlich schossen Ableger wie Pilze aus dem Boden: Nord, CE, N-Serie, Pro-Modelle und regionale R-Varianten.

Wenn man neben ein Flaggschiff für 1.000 Euro ein billiges Plastik-Handy für 200 Euro legt, zerstört das die mühsam aufgebaute Premium-Aura einer Marke. Das verwirrt den normalen Käufer im Laden und vergrault die Tech-Enthusiasten. Gleichzeitig explodierten die Preise der Top-Modelle. Teure Partnerschaften wie die mit Hasselblad mussten irgendwie refinanziert werden.

Ohne die Unterstützung der großen Mobilfunknetzbetreiber, die beispielsweise in den USA über 90 Prozent des Marktes kontrollieren, bleibt man ein Nischenlicht. Global hat OnePlus die Marke von einem Prozent Marktanteil praktisch nie nachhaltig geknackt. Das aktuelle OnePlus 15 ist zwar ein solides Stück Technik, aber ohne Marketing-Budget und echten Support im Westen schlicht bedeutungslos. Das Kapitel ist wohl endgültig beendet.

Das BBK-Dilemma: Warum der Smartphone-Markt seine Vielfalt verliert

Hinter dem Niedergang von OnePlus steckt eine eiskalte wirtschaftliche Realität des Smartphone-Marktes. Es ist schlicht zu teuer geworden, eigenständige Nischen-Marken auf globaler Ebene durchzufüttern. Die Entwicklungskosten für moderne Kamerasysteme und die Pflege globaler Software-Updates fressen die ohnehin dünnen Margen auf, wenn man keine Millionen-Stückzahlen wie Apple oder Samsung dreht.

Dazu kommen die unerbittlichen Patentklagen. Wer global Telefone verkaufen will, muss Milliarden an Lizenzpools abdrücken. Für den Mutterkonzern BBK Electronics ist die Konsolidierung unter das Dach von Oppo die logische Konsequenz, um im harten Wettbewerb zu überleben. Uns geht ein Hersteller verloren, der die großen Player zumindest zeitweise vor sich hergetrieben hat. Was bleibt, ist ein extrem verarmter Markt.

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