Elektro-Kleinwagen: Wie drei neue City-Flitzer die schwere Konkurrenz auf der Autobahn alt aussehen lassen

Jahrelang hieß es in der Tech-Blase: Wer Strecke machen will, braucht eine riesige Schrankwand mit gigantischem Akku. Völliger Quatsch, wie frische Autobahn-Messdaten bei konstant 130 km/h jetzt beweisen. Drei neue City-Stromer zeigen den etablierten Luxus-Schlitten gerade ganz empfindlich, dass weniger Gewicht im echten Leben jede tonnenschwere Batteriekapazität schlägt. Das rüttelt an den Grundfesten der aktuellen E-Auto-Entwicklung.
Der französische Minimalist und sein fetter Haken
Der neue Renault Twingo E-Tech hat mich bei den aktuellen Testergebnissen echt überrascht. Bei konstant Tempo 130 zog der kleine Franzose schlicht phänomenale 14,4 kWh auf 100 Kilometer aus den Zellen. Ein echter Spitzenwert, der zeigt, was eine kleine Stirnfläche und weniger als 1,3 Tonnen Gewicht wert sind.
Aber hier kommt die Kehrseite der Medaille, und die ist im Alltag ein echter Haken. Der Akku misst netto gerade mal 27,5 kWh. Auf der Autobahn bedeutet das schlicht: Nach nicht mal 200 Kilometern schiebst du akute Reichweiten-Panik. Für das urbane Revier ist das clever, für die Langstrecke schlicht unbrauchbar.
Cupra Raval knackt die goldene Mitte
Viel spannender wird es beim Cupra Raval, der auf der neuen MEB+-Plattform von VW steht. Das Ding zeigt der Konkurrenz, wie ein smarter Kompromiss ohne Schmerzen aussieht. Bei Richtgeschwindigkeit flossen schlanke 15,2 kWh durch die Leitung.
| Modell | Batteriekapazität (netto) | Autobahn-Verbrauch (130 km/h) | Reale Reichweite |
| Renault Twingo E-Tech | 27,5 kWh | 14,4 kWh / 100 km | unter 200 km |
| Cupra Raval | 52,0 kWh | 15,2 kWh / 100 km | 338 km |
| Mini Aceman SE | 49,2 kWh | 16,2 kWh / 100 km | knapp 300 km |
Weil hier ein 52-kWh-Akku verbaut ist, knackt der Spanier reale 338 Kilometer am Stück. Im Alltag zählt für mich nur, wie schnell ich nach dem Kaffee an der Säule wieder vom Hof komme. Wenn ich nach rund 300 Kilometern für 25 Minuten kurz anstecke, um die Blase zu entleeren, ist das absolut tauglich für die Langstrecke. Das gilt wohlgemerkt für den Sommer – im Winter wird die Reichweite physikalisch bedingt spürbar einsacken.
Überraschend stark schneidet auch der Mini Aceman SE ab. Obwohl der Crossover fast 1,8 Tonnen auf die Waage bringt, begnügt er sich mit 16,2 kWh. Damit landet der schwere Brite immer noch auf Platz drei des Effizienz-Rankings.
Auffällig enttäuschend performt dagegen der Hyundai Inster Select. Mit 17,8 kWh schluckt der Mini-Stromer trotz kompakter Maße mehr als ein aerodynamisches Flaggschiff wie der Hyundai Ioniq 6 oder das riesige Tesla Model Y Long Range. Ein stimmiges Gesamtkonzept entsteht eben nicht durch Zufall.
Der Irrsinn des schweren Akku-Wettrüstens
Die Automobilindustrie hat sich in den letzten Jahren in eine gefährliche Sackgasse manövriert. Um die unbegründete Reichweitenangst der Käufer zu bekämpfen, wurden die Batterien immer gigantischer. Das trieb das Fahrzeuggewicht in absurde Höhen, was wiederum mehr Energie beim Beschleunigen frisst.
VW zeigt mit der MEB+-Architektur nun den wirtschaftlichen Ausweg. Jede eingesparte Kilowattstunde beim Verbrauch ersetzt teure Batteriekapazität, die man sonst mühsam produzieren, bezahlen und permanent mitschleppen müsste. Wer künftig Kleinwagen baut, die bei 130 km/h die Effizienz-Latte reißen, verliert im harten Preiskampf gegen die optimierte Konkurrenz.
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