Polestar 3 wechselt auf 800 Volt: Warum das Luxus-SUV jetzt erst erwachsen wird

Seitenansicht des Polestar 3 800V SE Elektro-SUVs in Salbeigrün beim Ladevorgang an einer Wallbox. Die Profil-Ansicht zeigt die coupéhafte Linienführung und sportliche 7-Speichen-Felgen vor einer modernen Holzfassade
Quelle: Polestar
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Ein Premium-Elektroauto für fast 80.000 Euro muss auf der Langstrecke ohne Wenn und Aber abliefern. Polestar zieht beim Modell 3 nun die konsequente Entscheidung aus der bisherigen Kritik und stellt das große Crossover auf eine zeitgemäße Plattformumgebung.

Wer in dieser Preisklasse einen Dienstwagen sucht, schaut zuerst auf die Ladezeit an der Autobahn. Die Kollegen von ntv.de konnten den aktualisierten Schweden nun erstmals im Alltag testen. Bisher lief das Modell mit einer veralteten 400-Volt-Architektur, was in dieser Liga im Grunde nicht mehr konkurrenzfähig war.

Höheres Tempo und der schmerzhafte Verzicht beim Akku

Die Umstellung bringt deutlich mehr Dynamik in den mobilen Alltag. Das Basismodell mit Heckantrieb leistet nun 333 PS statt der bisherigen 299 PS. Auch die künstliche Abriegelung bei 180 Kilometern pro Stunde fällt auffällig spät, der Polestar rennt jetzt bei Bedarf bis zu Tempo 210.

Doch diese Modellpflege bringt eine spürbare Kehrseite mit sich, die potenzielle Käufer genau abwägen müssen. Um das neue System effizient zu integrieren, schrumpft der Akku der Basisversion von üppigen 111 auf nur noch 92 Kilowattstunden brutto. Polestar verspricht zwar rechnerisch immer noch über 600 Kilometer Reichweite nach der Messnorm.

In der Praxis auf der Autobahn dürften es laut den ersten Erfahrungen aber eher 400 Kilometer sein. Für echte Vielfahrer ist das ein spürbarer Kompromiss, der vor dem Kauf bedacht werden will. Der Sprung auf die höhere Spannungsebene ist zwar überfällig, geht hier aber eindeutig zu Lasten der absoluten Kapazität.

Extreme Leistung und der nervige Elektronik-Vormund

Wer bereit ist, deutlich tiefer in die Tasche zu greifen, erhält mit der Performance-Variante nun bis zu 680 PS. Dank einer neuen Zweikammer-Luftfederung lässt sich das immense Gewicht von immerhin zweieinhalb Tonnen überraschend leichtfüßig durch Kurven bewegen. Beim Laden an der Schnellladesäule zeigt sich der Fortschritt logisch, auch wenn die Werksangabe von 22 Minuten für den Standard-Ladevorgang im Vergleich zur asiatischen Konkurrenz fast schon konservativ wirkt.

Ein echter Aufreger im alltäglichen Betrieb bleibt jedoch die Software-Abstimmung der Skandinavier. Die Assistenzsysteme neigen laut dem Testbericht zu einer extremen Bevormundung des Fahrers. Selbst wenn man alle Spurhalte-Systeme im Menü deaktiviert, greift die Elektronik störend in die Lenkung ein, sobald der Blick nur kurz zum Zentralbildschirm wandert.

Hier muss die Marke dringend über ein Software-Update nachbessern. Sicherheit im Straßenverkehr ist im Alltag wichtiger als gedacht, aber sie sollte den Fahrer unterstützen und ihn nicht permanent bevormunden. Wer mit diesen Eigenheiten leben kann, findet im aktualisierten Polestar 3 dennoch eine spannende Alternative zum etablierten deutschen Premium-Wettbewerb.

Der Zwang zur 800-Volt-Architektur im Premiumsegment

Die Automobilindustrie befindet sich mitten in einem harten Verdrängungswettbewerb, bei dem die Ladegeschwindigkeit zum entscheidenden Verkaufsargument im gewerblichen Leasing wird. Während Marken wie Hyundai und Kia mit ihren Plattformen die schnelle Ladetechnik bereits vor Jahren in bezahlbare Klassen gebracht haben, geraten teure Premiumhersteller ohne diese Architektur technologisch ins Hintertreffen.

Die Reduzierung der Batteriekapazität beim Basismodell zeigt zudem den enormen Kostendruck der Hersteller. Das teure Upgrade auf eine höhere Spannungsebene wird oft durch kleinere Zellpakete kompensiert, um die Renditemargen in der Produktion stabil zu halten.

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