Renault: Elektro-Espace wackelt – SUVs haben Vorfahrt

Konzept eines elektrischen Renault E-Space
Quelle: Renault
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Der Pariser Autosalon war kaum vorbei, da platzte die Seifenblase. Kaum hatte Renault das Tuch von der spektakulären Studie E-Space Concept gezogen, sorgt Markenchef Fabrice Cambolive im britischen Magazin Autocar für Ernüchterung. Seine Ansage an alle Familien: Macht euch keine allzu großen Hoffnungen auf einen elektrischen Van.

Renault sei schlicht nicht in der Lage, alle Fahrzeugprojekte parallel auf die Räder zu stellen, stellte der Chef klar. Übersetzt bedeutet das: Das Budget fließt dorthin, wo die Kasse verlässlich klingelt. Und das sind keine praktischen Raumwunder, sondern hochgebockte Crossover.

Für mich ist das eine verdammt bittere Pille. Auf der Messe sah das Renault E-Space Concept als elektrischer Minivan nach einer echten Befreiung aus dem SUV-Einheitsbrei aus. Doch kaum lichtet sich der Messenebel, regiert in der Chefetage wieder die kühle Excel-Tabelle.

Marge schlägt Nutzwert: Das Van-Dilemma

Auf dem Papier ist die Rechnung einfach: Ein Van nutzt die Grundfläche eines Autos maximal aus. Flacher Boden, riesige Glasflächen und Platz für drei Kindersitze, ohne dass der Kofferraum kollabiert.

In der Realität greift die Masse jedoch lieber zum Lifestyle-Gefährt mit bulliger Front und Plastikbeplankung. Crossover verkaufen sich wie von selbst und spülen deutlich höhere Margen in die Kassen. Dass die wuchtige Stirnfläche mehr Strom schluckt und der reale Nutzwert oft bescheiden ausfällt, ignoriert der Markt konsequent.

Wie radikal Renault diesen Schnitt durchzieht, zeigte sich schon beim Modelljahr 2027 des Renault Scenic E-Tech. Der einstige Urvater der Kompaktvans wurde eiskalt zum SUV umfunktioniert. Betriebswirtschaftlich geht das für die Franzosen auf, für Van-Fans bleibt es ein Trauerspiel.

800-Volt-Architektur reserviert für Bestseller

Technisch wäre der Serien-Espace keineswegs Utopie. Unter dem Kürzel RGEV Medium 2.0 entwickelt der Konzern eine moderne Plattform mit 800-Volt-Ladetechnik und Range-Extender-Option (RHEV). Eigentlich das perfekte Fundament für einen reisetauglichen Familienvan mit kurzen Ladestopps.

Doch die Realität im Werk sieht anders aus. Hohe Summen wie die Fertigungsvorbereitung für 800-Volt-Plattformen in Spanien müssen rasend schnell wieder eingespielt werden. Eine neue Architektur rechnet sich nur über enorme Stückzahlen ab Tag eins. Und dieses Volumen traut das Management derzeit einzig und allein Crossovern zu.

Im Rahmen der milliardenschweren Investitionsoffensive für europäische Elektroauto-Werke darf sich Renault keinen Fehltritt leisten. Der Preisdruck aus China sitzt der europäischen Industrie im Nacken. Das Resultat: Die 800-Volt-Basis bleibt modular, aber die Zuteilung für einen geräumigen Espace rutscht auf der Prioritätenliste ganz nach unten.

Familien bleiben im Abseits

In meinen Augen schadet sich Renault mit solchen Manövern selbst. Warum stellt man ein emotionales Konzept auf die Messe, weckt bei Familien echte Begehrlichkeiten und rudert wenige Tage später öffentlich zurück? Das wirkt wie das klassische Showcar-Geplänkel, das an den realen Bedürfnissen der Käufer vorbeigeht.

Wer heute drei Kinder und Gepäck vollelektrisch transportieren will, findet kaum noch bezahlbare Alternativen abseits karger Handwerker-Kombis oder unbezahlbarer Luxus-Busse. Der Espace hätte diese Lücke perfekt schließen können.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Marge schlägt Nutzwert, und das SUV-Diktat frisst vernünftige Raumkonzepte auf. Hättet ihr dem Elektro-Espace eine echte Chance gegeben, oder greift ihr am Ende doch lieber zum nächsten Crossover?

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