Peugeot E-T16: Das 816-PS-Märchen für den nächsten E-208

schräge Frontansicht Peugeot E-T16
Quelle: Peugeot
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Peugeot hat beim Stellantis-Konzernabend in Paris die Hüllen fallen lassen – und serviert der Autowelt eine kalkulierte Reizüberflutung. Auf der Bühne stand nicht der nächste brave Stadtstromer, sondern das E-T16 Concept. Ein ultrabreiter Flügelstürmer, der optisch und namentlich die Brücke zu einer der radikalsten Rallye-Waffen der Achtzigerjahre schlägt.

Der Auftritt ist eine gezielte Flucht nach vorn. Parallel zeigte die Marke mit der Sportwagen-Studie des Peugeot RCZ Vision bereits, dass man den Mythos vergangener Tage wiederbeleben will. Doch während das Coupé ein reines Nischenversprechen bleibt, soll der E-T16 ausgerechnet die Zukunft des Peugeot E-208 einläuten.

Das Kürzel T16 triggert Motorsport-Nostalgiker sofort. Mit dem 205 T16 räumten die Franzosen einst zwei Weltmeistertitel in der berüchtigten Gruppe B ab. Genau wie beim Ahnherrn klappt auch bei der neuen Elektro-Studie die gesamte Heckpartie nach oben. Wo früher der hochgezüchtete Verbrenner brüllte, blickt man heute allerdings auf einen roten Überrollkäfig, ein massives Inverter-Paket und den Heckantrieb.

Gruppe B auf Speed: 600 kW und drei Runden Nordschleife

Peugeot belässt es nicht bei nostalgischer Kosmetik. Im E-T16 schieben gleich drei Elektromotoren an – eine E-Maschine sitzt an der Vorderachse, zwei an der Hinterachse. Dieses Layout erlaubt echtes Torque Vectoring an den Hinterrädern, ohne dass eine mechanische Differenzialsperre bremsen muss. Zusammen stemmt der Antrieb eine Systemleistung von 600 kW, was glatten 816 PS entspricht.

Auf dem Papier demontiert die Studie etablierte Supersportwagen. Der Sprint von 0 auf 100 km/h ist nach 2,5 Sekunden erledigt. Nach 16 Sekunden rennt der Kleinwagen bereits 300 km/h. Peugeot gibt das Leistungsgewicht mit unter 2 kg pro PS an. Um diesen Geschosspfeil auf der Piste zu halten, montieren die Techniker Reifen der Dimension 275 mm vorn und 315 mm hinten, gestoppt von vier 380-mm-Bremsscheiben samt hydraulischer Handbremse für den Driftwinkel.

Thermisch soll der Akku selbst Dauerfeuer wegstecken. Peugeot nutzt eine aus dem Motorsport adaptierte Side-Cooling-Technologie, bei der die Zellen nicht von oben oder unten, sondern direkt über die Seitenwände gekühlt werden. Das soll reichen, um drei Runden Nürburgring-Nordschleife über eine Distanz von über 60 km ohne jedes Derating durchzuziehen. Über vier Fahrmodi lässt sich das Biest bändigen.

Dass Peugeot nach mehr Schärfe sucht, ist verständlich. Erst kürzlich rollte der sportlich staffierte Peugeot E-208 GTi zu den Händlern, um den GTI-Gedanken ins Elektrozeitalter zu retten. Doch gemessen an den 600 kW des Showcars wirkt der Serien-GTi wie ein zahmer Kompromiss.

Lenkrad ohne Säule: Was vom Hypersquare wirklich bleibt

Hinter dem martialischen Blechkleid steckt Peugeots neue Designlinie namens Peugeot Feline Future. Kennzeichen: Drei horizontale Lichtkrallen an Front und Heck, die direkt von der früheren Polygon-Studie stammen. Dazu gesellen sich tiefe Lufteinlässe, ein massiver Heckdiffusor und eine umlaufende rote Linie als Hommage an den 205 GTi.

Im Innenraum räumt Peugeot mit klassischen Bedienkonzepten auf. Das Volant heißt Hypersquare, ist rechteckig geschnitten und steuert die Räder rein elektronisch über Steer-by-Wire – ganz ohne Lenksäule. Dahinter thront ein leicht gebogenes 21-Zoll-Panoramadisplay, das Instrumente und Infotainment bündelt. Der Fahrer sitzt in Carbon-Schalen, die mit dem neuen Kunstleder Pelinova bezogen sind.

Hier wird das Showcar zum echten Technologieträger. Genau dieses Cockpit-Layout ist der Vorbote für die Serienversion des Peugeot e-208 ab 2027. Das Hypersquare-Lenkrad und das gebogene Display kommen tatsächlich in den Serienbau, lediglich das Display in der Lenkradmitte weicht aus Zulassungsgründen einem konventionellen Airbag.

Der 800-Volt-Bluff: Warum die Serie mit LFP und 400 Volt vorfährt

Im Unterboden des E-T16 steckt ein 85-kWh-Akku mit NMC-Chemie. Befeuert von moderner 800-Volt-Technik soll der Speicher in unter 15 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden. Wegen der kompromisslosen Rennsport-Aerodynamik reicht das Paket allerdings nur für bis zu 400 km nach WLTP.

Hier klafft die Schere zwischen Messe-Show und Verkaufsraum meilenweit auseinander. Für die Serienfertigung nutzt Stellantis die Konzernplattform STLA Small für elektrische Kleinwagen, bei der jeder Cent zweimal umgedreht werden muss. 800 Volt und drei Motoren sind für ein Massenmodell schlicht unbezahlbar.

Das Serienmodell ab 2027 bleibt bei bewährter 400-Volt-Technik. Statt teurer NMC-Zellen kommen langlebige, günstigere LFP-Zellen in Cell-to-Body-Bauweise zum Einsatz, die im windschlüpfigeren Serienkleid bis zu 500 Kilometer Reichweite bringen sollen. Zumal der jüngste Zellengpass in den französischen Stellantis-Werken bewiesen hat, wie fragil die Batterieversorgung im Konzern derzeit aufgestellt ist.

Der Peugeot E-T16 ist ein spektakulärer Blickfang, der Emotionen weckt. Doch man darf der PR-Show nicht auf den Leim gehen: Die 816 PS und die 800-Volt-Ladepausen bleiben auf der Rennstrecke. Auf der Straße erwartet uns ab 2027 ein pragmatischer 400-Volt-Kleinwagen – immerhin mit eckigem Lenkrad.

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