Opel Corsa Electric: Warum 2028 später ist als gedacht

Der elektrische Corsa-Nachfolger kommt nicht 2027, sondern erst 2028. Das hat Opel-Chef Florian Huettl der Welt am Sonntag bestätigt – und direkt zwei Zahlen hinterhergeschoben, die aufhorchen lassen: Der neue Corsa wird ausschließlich elektrisch angeboten und soll um die 25.000 Euro kosten. Klingt erstmal nach gutem Deal. Ist es aber nur, wenn man weiß, gegen wen der Corsa 2028 antreten muss.
Denn während Opel noch an der neuen Plattform bastelt, positionieren sich gerade reihenweise Konkurrenten im exakt gleichen Preissegment. Der VW ID.2all soll 2026 für unter 25.000 Euro kommen, Renault bringt den elektrischen Twingo schon Ende 2026 für rund 20.000 Euro, Dacia drückt mit dem Spring die Schallmauer sogar unter 17.000 Euro. Opel kommt hier zwei Jahre später – mit einem Preis, der bei anderen längst Standard ist.
STLA Small: Das steckt technisch wirklich dahinter
Der neue Corsa basiert komplett auf der Stellantis-Plattform STLA Small, die im spanischen Zaragoza vom Band laufen soll. Anders als die aktuelle e-CMP-Basis ist STLA Small von Grund auf für Elektroautos konzipiert – Verbrenner sind zwar theoretisch möglich, aber praktisch nicht vorgesehen. Für die günstigeren Versionen setzt Stellantis auf LFP-Zellchemie, die zwar etwas weniger Energiedichte als NMC-Akkus bietet, dafür aber deutlich billiger in der Produktion ist und länger hält.
Das ist der eigentliche Trick hinter dem 25.000-Euro-Versprechen: Nicht bessere Technik macht den Corsa günstiger, sondern eine günstigere Zellchemie in Kombination mit Skaleneffekten. Geplant sind für STLA-Small-Modelle Ladeleistungen um 100 kW DC und Reichweiten um 300 Kilometer WLTP in der Basisversion – spürbar weniger als die 429 Kilometer, die der aktuelle Corsa Electric mit NMC-Akku und 30.440 Euro Startpreis heute schafft. Wer mehr Reichweite will, zahlt beim neuen Corsa vermutlich wieder drauf, genau wie bei jedem anderen Hersteller auch.
Nicht nur der Corsa: Die ganze Stellantis-Familie zieht um
Der Corsa ist nicht das einzige Modell, das auf STLA Small wechselt. Den Anfang macht der Peugeot e-208 der zweiten Generation, dessen Launch noch für 2025 angekündigt ist. Danach folgen unter anderem der Citroën ë-C3 in überarbeiteter Form, der Fiat Grande Panda Electric und aller Voraussicht nach auch eine elektrische Lancia Ypsilon-Variante für weitere Märkte.
Wer wissen will, was den Corsa 2028 technisch erwartet, sollte deshalb genau hinschauen, wie sich der e-208 in der Praxis schlägt. Gleiche Plattform, gleiche Batterien, gleiche Ladetechnik – nur mit anderem Blech drumherum und unterschiedlicher Preispositionierung. Der Citroën ë-C3 zeigt schon jetzt, wohin die Reise geht: Der startet in Frankreich bei rund 23.300 Euro und dient offenbar als Blaupause fürs Einstiegssegment.
Der Corsa GSE macht vor, was 2028 fehlen wird
Kurioserweise bringt Opel noch dieses Jahr den elektrischen Corsa GSE, der auf der alten e-CMP-Plattform basiert und in nur 5,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprintet – schneller als jeder aktuelle Serien-Opel. Das ist bitter ironisch: Ausgerechnet das Modell auf der veralteten Plattform liefert die stärkste Fahrleistung, während die neue, zukunftsweisende STLA-Small-Basis vor allem auf Kosteneffizienz getrimmt ist.
Für sportlich orientierte Käufer dürfte das bedeuten: Wer 2028 einen elektrischen Corsa mit Punch will, muss vermutlich auf eine GSE-Version der neuen Generation warten – die aber weder angekündigt noch bestätigt ist. Bis dahin bleibt der aktuelle GSE die einzige Option für alle, die Corsa und Fahrspaß in einem Satz haben wollen.
Ist die Verspätung ein Problem oder Vernunft?
Aus rein technischer Sicht ergibt die Verschiebung Sinn. Eine komplett neue Plattform braucht Zeit, und hastig entwickelte Elektroautos mit Software-Problemen kennt die Branche zur Genüge – siehe diverse VW-ID-Modelle beim Marktstart. Ein Jahr mehr Reifezeit ist also grundsätzlich zu begrüßen.
Das Problem ist der Markt drumherum. Bis 2028 haben VW, Renault und Dacia ihre günstigen Elektro-Kleinwagen längst etabliert, ausgereift und wahrscheinlich schon eine erste Modellpflege hinter sich. Opel kommt dann nicht als Pionier im 25.000-Euro-Segment, sondern als Nachzügler, der einen Preis erreicht, den die Konkurrenz schon zwei Jahre vorher geboten hat. Huettls Argument mit den steigenden Benzinpreisen („Wenn der Liter Benzin 2,50 Euro kostet“) wirkt dabei fast schon wie eine Wette auf externe Faktoren, die Opel selbst nicht in der Hand hat – aktuell liegt der Spritpreis in Deutschland im Schnitt bei rund 1,70 Euro, nicht bei 2,50 Euro.
Was Käufer jetzt wirklich wissen müssen
Wer heute einen elektrischen Kleinwagen sucht, kann nicht bis 2028 warten und sollte sich die aktuellen Alternativen anschauen: Der bestehende Opel Corsa Electric ist ab 30.440 Euro erhältlich, der Citroën ë-C3 startet günstiger, und 2026 kommen mit ID.2all und Twingo Electric zwei ernsthafte Konkurrenten im exakten Zielsegment des neuen Corsa auf den Markt – zwei Jahre früher.
Für alle, die tatsächlich bis 2028 durchhalten können, könnte sich das Warten lohnen, sofern Opel den Preis wirklich hält und nicht nachträglich mit Sonderausstattungen und Aufpreisen nach oben korrigiert. Skepsis ist hier angebracht: Angekündigte Einstiegspreise deutscher Hersteller haben in der Vergangenheit selten exakt das gehalten, was in Interviews versprochen wurde.
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