VW ID. Tiguan: Das Ende des ID-Designs ist besiegelt

VW ID. Tiguan 2027
Quelle: Seu Carro Usado
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Die ersten Konturen sind da, noch unter einer sogenannten „medienfähigen“ Tarnfolie versteckt – aber die Botschaft ist längst klar. Volkswagen bereitet den Nachfolger des ID.4 vor, und der Name verrät schon die ganze Strategie: ID. Tiguan. Was nach reiner Modellpflege klingt, ist in Wahrheit die Beerdigung der eigenständigen ID-Formensprache, die VW seit 2020 durchzuziehen versuchte.

Diese spezielle Tarnfolie ist kein Zufall. Sie kommt gezielt für Presseshootings zum Einsatz, kurz bevor die ersten offiziellen Berichte erscheinen – exakt das gleiche Muster, das VW schon bei ID.Polo und ID.Cross gefahren hat. Wer die Choreografie kennt, weiß: Die vollständige Enthüllung ist nur noch eine Frage von Wochen, nicht Monaten.

Warum der Name Programm ist

VW verschmilzt hier bewusst zwei Welten, die bislang getrennt liefen: den etablierten, verkaufsstarken Tiguan-Namen und die Elektro-Plattform des scheidenden ID.4. Das ist kein Zufall, sondern knallharte Marktlogik. Der Tiguan ist seit Jahren eines der meistverkauften VW-Modelle in Europa, während die ID-Reihe trotz solider Technik nie den erhofften Imagesprung geschafft hat.

Der ID.4 kämpfte von Anfang an mit einem Problem: Das Design polarisierte, ohne zu begeistern. Weder Fisch noch Fleisch, weder mutig-futuristisch wie ein Ioniq 5 noch vertraut wie ein klassischer SUV. Ob man das wirklich vermissen wird? Ehrlich gesagt: nein.

Leak des kommenden VW ID. Tiguan unter einer "Pressetarnfolie"
Quelle: Instagram @VWNEWSBLOG

Technik bleibt MEB – keine China-Plattform, trotz naheliegendem Anlass

Unter dem neuen Blech steckt weiterhin die bewährte MEB-Plattform (Modularer E-Antriebsbaukasten), auf der auch ID.3, ID.4, ID.5 und Cupra Born basieren. Keine neue, günstigere Architektur, wie sie mit Blick auf die chinesische Konkurrenz eigentlich naheliegen würde – BYD, Xpeng und Co. drücken gerade mit aggressiveren Preisen und moderneren 800-Volt-Architekturen auf den europäischen Markt.

Das bedeutet in der Praxis: Erwartet keinen Sprung bei Reichweite, Ladeleistung oder Effizienz. Der bisherige ID.4 lädt je nach Version mit maximal rund 135 bis 175 kW an der Gleichstromsäule und kommt auf WLTP-Reichweiten zwischen 400 und über 500 Kilometern, abhängig von Akkugröße und Motorisierung. Der ID.3 Neo hat mit seinem MEB-Facelift bereits vorgemacht, wohin die Reise geht: Software-Politur, Innenraum-Upgrade, aber keine technische Revolution unter dem Blech.

Design-Rolle rückwärts: Zurück zur klassischen VW-DNA

Die Front zeigt die deutlichste Veränderung. Sie orientiert sich klar an der aktuellen VW-Designsprache mit durchgehender Lichtsignatur und kantigeren Proportionen – jener Formensprache, die mittlerweile auch bei den China-Modellen der Marke wie dem ID. Era oder dem für den chinesischen Markt entwickelten ID.UNYX zum Einsatz kommt.

Auch seitlich verabschiedet sich der ID Tiguan vom minimalistischen, fast schon sterilen ID-Charakter. Die Linienführung nähert sich wieder dem an, was klassische VW-SUVs wie der aktuelle Tiguan der dritten Generation oder der Tayron auszeichnet. Der Gesamtauftritt wirkt dadurch reifer, aber auch deutlich austauschbarer im Wettbewerbsumfeld.

Der Verbrenner-Tiguan wird nicht sterben – aber verhungern

Hier liegt der eigentliche Aufreger der Geschichte: VW plant offenbar kein hartes Aus für den Verbrenner-Tiguan, der aktuell in dritter Generation läuft und zu den erfolgreichsten Modellen der Marke zählt. Stattdessen greift die gleiche Strategie wie beim ID.Polo, wo der klassische Benziner-Polo zwar weiterläuft, aber faktisch kaum noch nennenswerte Updates bekommt.

Das ist cleveres, aber auch durchsichtiges Kalkül: VW nutzt die emotionale Strahlkraft etablierter Namen, um Elektro-Modelle im Kopf der Käuferschaft zu verankern, während der Verbrenner parallel auf ein technisches Abstellgleis geschoben und langsam ausgedünnt wird – ganz ohne offizielle Absage, aber mit klarer Priorisierung der Ressourcen.

Was das für Käufer und Preise bedeutet

Für die Preisgestaltung lässt sich aus dem bisherigen Muster ableiten: Der aktuelle ID.4 startet je nach Ausstattung und Batteriegröße bei rund 40.000 bis 45.000 Euro vor Förderung. Ein Relaunch unter neuem Namen bedeutet in der Automobilbranche fast immer auch eine Preisanpassung nach oben, selbst wenn die Technik im Kern identisch bleibt – schließlich muss ein neuer Modellname auch neue Marge rechtfertigen. Preislich dürfte hier also eher nichts nach unten purzeln.

Gleichzeitig dürfte der neue Name dem Modell an der Verkaufsfront helfen. Der Tiguan-Name hat in Europa jahrelang gezeigt, dass Käufer bei bekannten Modellbezeichnungen deutlich zugriffsfreudiger sind als bei kryptischen ID-Kürzeln, die vielen Käufern jenseits der Early-Adopter-Blase bis heute nichts sagen.

Und was bedeutet das nun?

Der ID Tiguan ist strategisch der richtige Schritt – das wurde aber auch Zeit. VW korrigiert mit dem Namenswechsel einen Marketing-Fehler, den man sich seit dem ID.3-Start eigentlich hätte sparen können. Nur sollte niemand erwarten, dass ein vertrauterer Name und ein aufgehübschtes Blech auch für einen technischen Sprung sorgen.

Wer 2026 auf spürbar mehr Reichweite, schnelleres Laden oder einen echten Preisknaller hofft, wird enttäuscht. Am Ende bleibt der ID Tiguan das, was der ID.4 technisch schon immer war – nur mit einem Namen, den auch die Nachbarin ohne Elektroauto-Faible sofort einordnen kann.

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2 Kommentare

  1. Ich kann irgendwie nicht erkennen, dass sich VW vom ID Design verabschiedet. Ich finde ganz im Gegenteil, dass der neue ID4 dem alten sogar sehr ähnlich sieht, nur halt etwas moderner angepasst im Design!

  2. Sorry, aber technisch wird sich schon was tun, die MEB+ CTP NCM wird kommen, mit grösserem Akku und besseren Ladegeschwindigkeiten, WV hat doch selber von 700km gesprochen. Dies ist IMO mit 77/79kWh Akku nicht zu schaffen, mal schauen ob das betagte Vorderradantrieb was besseres bekommt und ob APP550 auf SIC umgestellt wird mit noch mehr Leistung. Am 29.9 wissen wir hoffentlich mehr.

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