Samsung Galaxy Tab S12: Mageres Upgrade, fette Aufpreise

Ich lese die offiziellen Launch-Unterlagen der neuen Galaxy Tab S12-Serie und mir fällt sofort eine unbequeme Wahrheit auf: Samsung streicht 2026 das kompakte Basismodell komplett aus dem Line-up. Stattdessen servieren die Koreaner nur das Tab S12+ und das gigantische Tab S12 Ultra, während die Preise für Europa massiv anziehen. Wer ab dem 7. Oktober zuschlagen will, muss tief in die Tasche greifen und bekommt im Gegenzug vor allem eines: viel Display, MediaTek-Power und eine gnadenlose Software-Offensive.
MediaTek-Power und Display-Rekorde
In beiden neuen Flaggschiff-Tablets arbeitet der MediaTek Dimensity 9500. Samsung bleibt seiner Linie treu und pfeift auf Qualcomm. Wie schon bei der Entscheidung für den MediaTek-Chipsatz im Vorfeld klar wurde, setzt der Konzern auf Effizienz und schiere KI-Leistung. Das 3-Nanometer-Design verspricht im Vergleich zum Vorjahres-Modell satte 61 Prozent mehr NPU-Power, 19 Prozent schnellere CPU-Takte und 17 Prozent mehr GPU-Schub. Damit die Wärmeentwicklung bei stundenlangem 4K-Editing nicht zum Desaster wird, verbaut Samsung eine neu designte 3D-Vapor-Chamber.
Die Realität sieht jedoch etwas ernüchternder aus. Ein echtes Basis-Tab S12 fehlt komplett. Wer ein handliches 11-Zoll-Tablet sucht, muss weiterhin zum Vorjahresmodell greifen. Das verwundert, da Samsung beim Speicher keineswegs geizt. Beide Modelle unterstützen microSD-Karten mit bis zu 2 TB Kapazität. Das Galaxy Tab S12+ startet mit 12 GB RAM und wahlweise 256 GB oder 512 GB internem Speicher. Das Galaxy Tab S12 Ultra geht noch einen Schritt weiter und bietet Konfigurationen mit bis zu 16 GB RAM und massiven 1 TB Speicherplatz. Für professionelle Workflows ist das absolut ausreichend, für den Durchschnittsnutzer schlichtweg Overkill.
Display-Größen und Helligkeit
Beim Formfaktor gibt sich Samsung dafür keine Blöße. Das Galaxy Tab S12 Ultra schaufelt ganze 14,6 Zoll auf den Tisch und misst dabei unfassbare 5,1 Millimeter in der Tiefe. Das Galaxy Tab S12+ kommt mit einem 12,6 Zoll großen Dynamic AMOLED 2X-Display, das es auf bis zu 1.600 Nits Spitzenhelligkeit bringt. Beide Panels laufen mit 120 Hz und liefern tiefes Schwarz. Wer viel im Freien arbeitet, wird den neuen Vision Booster lieben, der die Helligkeit in Echtzeit an die Umgebungsbedingungen anpasst.
Akku und Audio-Upgrade
Wo frühere Generationen nur Stereo über vier Lautsprecher quetschten, gibt es jetzt echtes 4-Channel Spatial Audio. Das Upgrade beim Sound ist längst überfällig und macht das Tablet endgültig zur mobilen Heimkino-Zentrale. Die Energie dafür liefern gigantische Akkus: 10.600 mAh im Plus und 11.600 mAh im Ultra. Beide unterstützen 45W Fast Charging, was die Zellen in etwa 95 Minuten komplett füllen soll. Dass die Europa-Preise für das Tab S12 nochmal deutlich höher ausfallen, macht die Sache für hiesige Käufer allerdings nicht besser. Das Tab S12+ startet in Europa bei stolzen 1.299 Euro, das Ultra verlangt mindestens 1.539 Euro.
Zubehör und S-Pen: Die Schattenseiten des Sparzwangs
Samsung liefert den S Pen weiterhin kostenlos im Karton mit. Das ist in der heutigen Zeit, in der Apple den Pencil extra berechnet, ein starkes Statement. Allerdings gibt es einen technischen Dämpfer: Der Stift unterstützt in diesem Jahr kein Bluetooth Low Energy (BLE). Das bedeutet, ihr könnt den S Pen nicht als Fernauslöser für die Kamera oder für komplexe Air-Actions nutzen. Samsung spart hier ganz offensichtlich an der falschen Stelle, um die Marge zu schützen. Das Fehlen einer echten Basis-Variante zwingt Käufer nun endgültig in die Premium-Nische.
Konnektivität und Kameras
Beim Thema Konnektivität setzt der Konzern ebenso auf den Rotstift. Das Tab S12 Ultra unterstützt den neuen Wi-Fi 7 Standard, während sich das Tab S12+ mit Wi-Fi 6E begnügen muss. Beide Modelle sind optional mit 5G (Nano-SIM und eSIM) erhältlich und funken per Bluetooth 6.0. Die Kameras sind eher Beiwerk, aber durchaus nützlich für den einen oder anderen Scan. Das Ultra-Modell bietet eine 13-MP-Hauptkamera und eine 8-MP-Ultraweitwinkel-Linse auf der Rückseite. Das Plus-Modell muss auf die zweite Linse verzichten. Die 12-MP-Frontkamera sitzt bei beiden im schmalen Displayrahmen und wird von einem In-Display-Fingerabdrucksensor ergänzt.
Immerhin bringt Samsung beim Zubehör eine positive Nachricht. Das hochwertige Pro Keyboard aus Aluminium, das letztes Jahr dem Ultra-Modell der Vorgängergeneration vorbehalten war, ist jetzt auch für das Tab S12+ erhältlich. Das verwandelt das Tablet im Handumdrehen in einen waschechten Laptop-Ersatz. Die Tastatur verfügt über eine eigene Galaxy AI-Taste für den direkten Zugriff auf Assistenten.
Software-Offensive: Photoshop als Android-Premiere
Um den Hardware-Stillstand zu kaschieren, fährt Samsung bei der Software das ganz große Besteck auf. Das Galaxy Tab S12 ist das erste Android-Tablet überhaupt, das mit Adobe Photoshop vorinstalliert aus dem Karton fällt. Die App ist speziell auf den S Pen optimiert und bringt KI-Features wie Generative Fill mit. Samsung spendiert direkt vier Monate Gratis-Zugang zum mobilen Abo. Das ist ein echter Mehrwert für Kreative, die bisher auf umständliche Workarounds angewiesen waren.
Dazu packt der Konzern Testversionen für Notability, Goodnotes, LumaFusion und Clip Studio Paint. Obendrauf gibt es ein halbes Jahr Google AI Pro, um die Gemini-Funktionen und das NotebookLM voll auszureizen. Das Betriebssystem Android 17 mit One UI 9 rundet das Paket ab und bringt sieben Jahre Update-Garantie mit. Für den Normalnutzer bleibt das S12 ein teures Luxus-Spielzeug. Wer aber genau diese spezifischen Apps im Alltag braucht, bekommt hier das mit Abstand rundeste Paket im Android-Universum. Der Aufpreis ist happig, aber die Software-Exklusivität rechtfertigt ihn für Profis zumindest ansatzweise.
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