Tesla: Cybercab-Termin steht, die Zweifel bleiben

seitliche Ansicht des Tesla Cybercab mit geöffneten Flügeltüren
Quelle: Tesla, Inc.
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Tesla hat laut eigenen Angaben den 3. September als Termin für ein „Cybercab Launch Event“ in Texas gesetzt und erste Medien dazu eingeladen. Ein offizieller Post oder eine Pressemitteilung dazu ließ sich zum Zeitpunkt dieses Artikels nicht unabhängig verifizieren – solltet ihr also auf abweichende Terminangaben stoßen, verlasst euch lieber auf Teslas eigene Kanäle. Was aber feststeht: Das Cybercab selbst ist kein neues Konzept, sondern wurde bereits im Oktober 2024 beim „We, Robot“-Event in Warner Bros. Studios in Kalifornien vorgestellt.

Zur Erinnerung, falls der Name an euch vorbeigegangen ist: Das Cybercab ist ein reinrassiges Zwei-Sitzer-Robotaxi ohne Lenkrad und ohne Pedale, mit Flügeltüren und induktivem Laden statt Kabel. Elon Musk stellte damals einen Zielpreis von unter 30.000 US-Dollar in Aussicht – ob das am Ende wirklich hält, steht auf einem anderen Blatt, Musk-Preisversprechen hatten in der Vergangenheit ja schon öfter eine gewisse Halbwertszeit.

Warum ein Zwei-Sitzer die falsche Ansage für den Massenmarkt ist

Zwei Sitzplätze bedeuten: keine Familie, kein Wocheneinkauf, kein Kindersitz. Das Cybercab ist damit von Grund auf kein Ersatz fürs eigene Auto, sondern gedacht als reines Taxi-Produkt für kurze Strecken in der Stadt. Ob man sowas wirklich braucht, hängt komplett davon ab, ob die Fahrt am Ende günstiger und bequemer ist als Uber, Waymo oder die eigene Karre – und genau da wird es für Tesla eng.

Denn während Waymo in mehreren US-Städten schon seit Jahren mit echten fahrerlosen Fahrten unterwegs ist und dabei auf Lidar-gestützte Sensorik setzt, fährt Tesla seinen aktuellen Robotaxi-Pilotdienst in Austin (gestartet im Juni 2025) noch mit ganz normalen Model Y – kamera-basiert und mit Sicherheitsfahrer auf dem Beifahrersitz. Genau dieses Sicherheitsnetz soll beim Cybercab komplett fehlen, weil das Auto technisch gar kein Lenkrad zum Eingreifen mehr hat. Das ist ein gewaltiger Schritt von „wir testen vorsichtig mit Rückfallebene“ zu „wir vertrauen der Software zu 100 Prozent“.

Die Regulierungs-Baustelle, über die kaum wer spricht

Genau hier hakt es aktuell am meisten: Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat den Austin-Pilotbetrieb bereits mehrfach unter die Lupe genommen, nachdem Videos und Berichte über riskante Fahrmanöver aufgetaucht waren. Ein Auto ganz ohne manuelle Rückfallebene auf öffentliche Straßen zu schicken, während der aktuelle Dienst mit Sicherheitsfahrer schon Untersuchungen auslöst, ist regulatorisch eine ganz andere Hausnummer. Zulassungsbehörden dürften hier mehr als nur genau hinschauen.

Zeitlich kommt erschwerend dazu: Reuters berichtete bereits 2025 über interne Verzögerungen bei mehreren Tesla-Modellprojekten, das Cybercab eingeschlossen. Ursprünglich sollte die Serienfertigung in der Gigafactory Texas schon 2026 anlaufen, inklusive des neuen „Unboxed“-Fertigungsprozesses, mit dem Tesla die Produktionskosten drastisch senken will. Ob dieser Zeitplan hält, ist – Stand jetzt – mehr als fraglich.

Der Cybertruck-Vergleich, den Tesla nicht hören will

Beim Cybertruck haben wir live miterlebt, wie ambitionierte Ankündigungen und die reale Serienproduktion auseinanderklaffen können: mehrere Rückrufaktionen, Produktionsprobleme und Verkaufszahlen, die weit unter Musks ursprünglichen Ansagen liegen. Ein Fahrzeug ganz ohne Lenkrad ist technisch und regulatorisch nochmal eine andere Liga als ein Elektro-Pickup mit Ecken und Kanten. Meine Prognose: Die Cybercab-Story wird holpriger starten, als Tesla es am 3. September verkaufen wird.

Und jetzt?

Während andere Hersteller ihr Lineup gerade eher nach unten ausbauen und mit kompakten, bezahlbaren Modellen punkten, geht Tesla den komplett entgegengesetzten Weg: volles Risiko auf ein Nischenprodukt ohne Lenkrad, dessen regulatorischer Weg alles andere als geklärt ist. Autonomes Fahren war für Musk immer DAS Zukunftsthema, keine Frage. Aber ob der Zeitpunkt für ein lenkradloses Zwei-Sitzer-Robotaxi im September 2025 schon reif ist? Ich habe da erhebliche Zweifel – und würde nicht überrascht sein, wenn Tesla hier in ein bis zwei Jahren spürbar nachjustieren muss.

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