Volkswagen MEB+: Warum die 54.000 Vorbestellungen eine fiese Preisfalle sind

Wolfsburg jubelt über 54.000 Vorbestellungen. Für mich ist das kein Grund zum Feiern, sondern ein Warnsignal. Volkswagen wiederholt das alte Spiel: Erst die dicken Margen abgreifen, die preisbewusste Kundschaft muss vertröstet warten. Ein zähes Geduldsspiel.
Erst die teuren 52-kWh-Versionen, dann die Sparversion – klassische VW-Taktik
Bisher blockiert der Autogigant die günstigen Basismodelle im Konfigurator. Wer jetzt zuschlägt, bekommt ausschließlich die teuren Varianten mit der großen 52-kWh-Batterie. Der Einstiegspreis klettert dadurch locker über die Marke von 30.000 Euro. Von den jahrelang versprochenen 25.000 Euro fehlt jede Spur. Typisch Konzern.
Gestern Abend habe ich den Konfigurator gewälzt und nachgerechnet. Die Differenz zwischen der großen und der kleinen Batterie dürfte real bei 4.000 bis 5.500 Euro liegen. Ein dicker Brocken für Leute, die eigentlich ein bezahlbares Auto suchen. Die ersehnte 37-kWh-LFP-Version startet erst ab Mitte Juli. Vorher wird abkassiert.
Die Kehrseite der Medaille nervt im Alltag gewaltig. Der kleine LFP-Akku lädt an der Säule mit maximal 90 kW in der Spitze. Bei einem realistischen Ladestopp von 10 auf 80 Prozent vergehen etwa 28 bis 32 Minuten. Mit der großen Batterie wären es nur 18 bis 22 Minuten.
Auf einer winterlichen Autobahnfahrt bedeutet das schnell 40 Minuten extra Lebenszeit an der Ladesäule. Kein theoretischer Quatsch. Ich spüre diese Ladekompromisse auf meinen Touren im Berliner Umland ständig am eigenen Leib.
Die Aufteilung der Drillinge ist clever, aber völlig durchschaubar. Der VW ID. Polo gibt den braven Allrounder, während der Cupra Raval die sportliche Schiene bedient. Nebensache.
Skoda Epiq wird alles wegfegen – der Rest ist Beiwerk
Der Skoda Epiq wird die Zulassungszahlen komplett dominieren. Mehr Kofferraum, höhere Sitzposition, tschechischer Preisfokus. Das passt einfach besser zum Alltag der meisten Käufer. Ich wette, dass der Epiq im ersten Jahr mindestens 60 bis 65 Prozent aller MEB+-Verkäufe holt. Später folgt dann noch der ID. Cross. Potenziell der stärkste Bestseller, falls Wolfsburg den Preis nicht völlig versemmelt.
Der wahre Gegner sitzt ohnehin in China. Wolfsburg braucht diesen Hochlauf dringender als je zuvor. Die Konkurrenz drückt mit Modellen wie dem Leapmotor B05 und billigen BYD-Alternativen massiv auf den europäischen Markt.
Der Leapmotor hat bei mir aktuell die Nase vorn. Günstiger, ähnliche Reichweite, bessere Serienausstattung. Auch der Hyundai Ioniq 3 bleibt bei mir auf dem Schirm. Moderner, effizienter, bessere Ladeleistung.
Rechnet man die nackten Zahlen zusammen, wird es eng. Wenn VW die LFP-Version nicht deutlich unter 24.000 Euro netto auf die Straße bringt, geht der Preiskampf verloren. Die neue Einheitszelle aus Salzgitter muss liefern. Sonst folgt der langsame Rückzug.
Gestern Abend ging mir der elektrische Polo wieder durch den Kopf. Solide Kiste für die täglichen 50 Kilometer rund um Berlin. Dennoch warte ich privat auf die kleine Batterie und vergleiche ganz nüchtern mit der Konkurrenz.
Mein Tipp an dich:
- Wenn du viel Langstrecke fährst: Direkt die große Batterie nehmen oder bei anderen Herstellern umschauen.
- Wenn du im Nahbereich bleibst: Auf die LFP-Version warten und jeden Cent kalkulieren.
- Immer den realen Winterverbrauch einpreisen: Aus 300 Kilometern nominal werden auf der Autobahn bei 0 Grad schnell 190 bis 210 Kilometer.
Volkswagen hat die Nachfrage. Jetzt muss geliefert werden. Ohne Ausreden. Die 54.000 Vorbestellungen sind kein glorreicher Sieg, sondern die allerletzte Chance.
Die Einheitszelle als Rettungsanker gegen die Asien-Offensive
Hinter dem vorgezogenen Margen-Spiel steckt eiskaltes wirtschaftliches Kalkül. Die MEB+-Plattform steht und fällt mit den Skaleneffekten der neuen Einheitszelle aus Salzgitter. Solange die eigene Batteriefabrikation nicht auf absolutem Anschlag läuft, sind Einstiegspreise von 25.000 Euro für den Konzern ein reines Verlustgeschäft.
Wolfsburg nutzt den anfänglichen Hype der Early Adopter, um die immensen Entwicklungskosten der Plattform querzusubventionieren. Ein riskantes Spiel gegen die Zeit. China-Akteure wie Leapmotor greifen auf voll integrierte, bereits amortisierte Lieferketten zurück und können Preisnachlässe gewähren, von denen deutsche Einkäufer nur träumen.
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