Volvo EX90: Wo der 113.000-Euro-SUV gewaltig patzt

Auf der Autobahn A24 zwischen Hamburg und Berlin zeigt der Volvo EX90 sein wahres Gesicht. Statt Hektik zwingt das schwedische Flaggschiff dem Fahrer eine fast schon meditative Ruhe auf, bei der die Tachonadel wie festgenagelt auf 120 km/h steht. Das liegt keineswegs an verhaltener Ladeangst, sondern am exzellenten Geräuschniveau und der erstklassigen Ergonomie auf der Langstrecke.
Schluckvermögen beweist das Auto bereits im Stand, denn das Heck schluckt mühelos über 700 Liter Gepäck im Fünfsitzer-Layout. Selbst bei ausgeklappter dritter Sitzreihe verbleiben praxistaugliche 324 Liter Ladevolumen für den Alltag. Wer die Fünf-Meter-Karosse allerdings durch enge Großstadt-Parkhäuser manövrieren muss, stößt schnell an die physikalischen Grenzen dieser Baugröße.
Technischer Tiefgang und Laden am Schnelllader
Unter dem Blech arbeitet das Google-basierte Infotainment auf Basis von Android Automotive rasend schnell und übernimmt die Ladeplanung inklusive automatischer Akku-Vorkonditionierung vor dem Ladestopp. Beim Stopp an der EnBW-Schnellladesäule zieht der Stromer mit hoher Peak-Leistung Energie nach, sodass die Pause kaum für einen schnellen Kaffee reicht. Die Software berechnet die Ladefenster dabei extrem präzise und nimmt dem Fahrer jegliche Denkarbeit ab.
Das Bowers & Wilkins Soundsystem verwandelt den gedämmten Innenraum während der Fahrt in einen mobilen Konzertsaal mit beeindruckender Räumlichkeit. Volvo setzt im Innenraum auf nordischen Minimalismus und streicht fast alle physischen Tasten bis auf den zentralen Lautstärkeregler. Genau an dieser radikalen Reduktion scheidet sich in der Praxis jedoch der Geist.
Marktvergleich im Luxus-Segment
Um die Leistung des Schweden realistisch einzuordnen, hilft der direkte Vergleich mit den etablierten Konkurrenten Kia EV9 und BMW iX.
| Kategorie | Volvo EX90 Twin Motor | Kia EV9 GT-Line | BMW iX xDrive50 |
| Basispreis | ca. 113.000 € | ca. 83.190 € | ca. 102.500 € |
| Akkukapazität (netto) | 107 kWh | 99,8 kWh | 105,2 kWh |
| Max. Ladeleistung | 250 kW Peak | 210 kW Peak (800V) | 195 kW Peak |
| Kofferraumvolumen | 324 – 700 Liter | 333 – 828 Liter | 500 – 1.750 Liter |
| Bedienkonzept | Touch & Gemini KI | Dual-Screen & Tasten | Curved Display & iDrive |
Wo Volvo bei 113.000 Euro am falschen Ende spart
Wer über einhunderttausend Euro für ein Elektroauto aufruft, muss sich an höchsten Standards messen lassen. Die Klimabedienung ausschließlich über den zentralen Touchscreen abzuwickeln, entpuppt sich im Alltag als nervige Ablenkung beim Fahren. Selbst die KI-Unterstützung durch Google Gemini gleicht fehlende haptische Tasten für die Gebläsesteuerung während der Fahrt nicht vollständig aus.
Der eigentliche Aufreger wartet jedoch an der CCS-Ladebuchse der rechten Fahrzeugseite. Statt einer hochwertigen, gummierten Klappe verbaut Volvo eine billige, labberige Plastikabdeckung an einem dünnen Kunststoffband. Eine solch minderwertige Haptik hat selbst Renault vor Jahren beim kompakten Zoe besser gelöst. Bei einem Luxus-SUV dieser Preisklasse ist dieses Detail schlicht unverzeihlich.
Unterm Strich liefert der Volvo EX90 ein grandioses Fahrerlebnis für die Langstrecke, verärgert Käufer jedoch mit unnötigen Einsparungen bei der Ergonomie und Haptik. Wer auf physische Tasten verzichten kann, bekommt ein extrem leises Reisefahrzeug mit vorbildlicher Software.
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