Volkswagen: In China rollt Level 3 an – während Europa beim autonomen Fahren hinterherschleicht

VW spaltet seine Tech-Zukunft spürbar auf. Chinas Autofahrer dürfen bald die Hände vom Lenkrad nehmen, während wir in Europa mächtig in die Röhre schauen. Wer glaubt, Wolfsburg halte bei der Fahrzeug-Software weltweit alle Fäden gleich fest in der Hand, erlebt gerade die nächste kalte Dusche.
Chinesisches Tempo statt deutscher Bürokratie
In China drückt der Konzern beim autonomen Fahren mächtig aufs Gaspedal. Das Joint Venture Carizon – zusammengewürfelt aus der VW-Tochter CARIAD und Horizon Robotics – zieht das Tempo spürbar an. Noch dieses Jahr rollt in China das erste gemeinsame Level 2++ System auf die Straße, das Autobahnen und städtischen Verkehr meistert. Ein richtiger Schritt.
Und 2027? Geht es erst richtig los. Für die zweite Jahreshälfte 2027 plant Carizon die Einführung von Level 3, bei dem Fahrer die Kontrolle zeitweise komplett an das Auto abgeben dürfen.
Möglich macht das ein sogenannter White-Box-Zugang zu den KI-Foundation-Modellen des chinesischen Partners. VW kauft hier keine fertige Software von der Stange, sondern baut die KI-Modelle selbst um. Ein cleverer Schachzug. Konzernchef Oliver Blume bezeichnet China nicht ohne Grund als wichtigsten Innovations-Hub für KI. Wer den chinesischen Markt gegen BYD oder Xpeng verteidigen will, braucht schlicht dieses halsbrecherische Tempo.
Bosch-Scheidung hinterlässt in Europa Scherben
Bei uns in Europa sieht die Sache erschreckend düster aus. Die Allianz zwischen CARIAD und Bosch zur Entwicklung autonomer Systeme wurde beendet. Schluss. Aus. Ende.
Ein echter Dämpfer für den Heimmarkt. Zwar wird der für 2027 angekündigte ID. Every1 das gemeinsam entwickelte Level-2-System mit Hands-free-Funktion nutzen. Aber das war es dann auch schon. Für alles, was darüber hinausgeht – etwa echtes Level 3 – steht VW in Europa plötzlich ohne Partner da und sucht händeringend Ersatz. Datenschutz und strenge Vorgaben verhindern zudem, dass man die Software aus China einfach rüberschiebt.
Gefangen im eigenen Regulierungssumpf. Das Frustrierende daran: VW entwickelt das Gehirn der Autos der Zukunft im Ausland schneller als vor der eigenen Haustür. Europa wird beim autonomen Fahren schleichend zum Tech-Entwicklungsland degradiert. Ein Trauerspiel.
Der gefährliche Trend zur zwei-geteilten Software-Welt
Der Schritt von Volkswagen offenbart ein tiefgreifendes Problem der westlichen Automobilindustrie. Lokale Datenvorschriften und massive regionale Unterschiede in den Straßenverkehrsordnungen zwingen globale Hersteller dazu, ihre Software-Architekturen komplett aufzuspalten. Das Prinzip „In China, für China“ ist längst kein Marketing-Slogan mehr, sondern reine Überlebensstrategie im Kampf gegen einheimische Elektro-Riesen.
Mit dem sogenannten White-Box-Zugang bricht VW mit der jahrzehntelangen Tradition, sich von klassischen Zulieferern wie Bosch abhängig zu machen. KI-Foundation-Modelle müssen direkt auf der eigenen Hardware agil iteriert werden. Während China durch diese Eigenständigkeit im Rekordtempo KI-Fahrentscheidungen trainiert, bremst sich der europäische Markt durch Lieferanten-Dispute und starre Freigabeprozesse selbst aus. Die Quittung folgt auf dem Fuß: Autos gleicher Marken fahren in Asien technisch in einer völlig anderen Liga als auf deutschen Autobahnen.
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