Geely Thunder: 16-in-1-Antrieb spart Platz, bringt aber ein gewaltiges Werkstatt-Problem

zwei Geely Galaxy TT im Drift auf nassem Track
Quelle: Geely
Verpasse keine News, folge mir auf WhatsApp, Mastodon oder Google News

Geely quetscht den kompletten Elektroantrieb in eine einzige Kiste. Weniger Latenz, 8,2 kWh Verbrauch und spürbar mehr Stauraum im Frunk klingen verlockend. Doch die extreme Integration hat ihren Preis: Geht ein einziges Bauteil kaputt, droht der finanzielle Totalschaden.

Klotzen statt Kleckern. Geely hat am 16. Juli 2026 den neuen „Thunder“-Drive präsentiert und packt 12 Hardware-Module sowie 4 Software-Systeme in ein einziges kompaktes Gehäuse. Eine Ansage.

8,2 kWh Verbrauch und 2 Millisekunden Reaktionszeit

Das Paket bringt 75 kg auf die Waage. Damit liegt Geely volle 15 Prozent unter dem üblichen Branchenschnitt. Die Flachbauweise von unter 325 mm schafft vorn im Bug – beziehungsweise im Frunk – 28 Liter extra Ladevolumen. Ein Koffer mehr. Im Alltag zählt für mich genau so etwas, wenn der Wocheneinkauf ohne Geduldsspiel im Auto landet.

Auch elektronisch schrauben die Chinesen an den richtigen Stellschrauben. Eine „One-Chip“-Architektur drückt die Latenzzeit bei der Signalverarbeitung von gewöhnlichen 40 Millisekunden auf unter 2 Millisekunden. Dadurch sinkt die Abweichung der Drehmomentregelung von 3 auf magere 1 Prozent.

Beim Härtetest am chinesischen Qinghai-See begnügte sich der Prototyp der Sportlimousine Geely Galaxy TT mit erstaunlichen 8,20 kWh auf 100 Kilometern. Geely nennt eine CLTC-Spitzeneffizienz von 93,8 Prozent. Eine ausgeklügelte 54-Kanal-Kühlung fängt bei eisigen minus 18 Grad Abwärme ab, was etwa 7 kWh Strom entspricht. Den Guinness-Weltrekord über 46,094 Kilometer Tandem-Drift auf nasser Fahrbahn gibt es als PR-Zugabe obendrauf.

Leistung fehlt ebenfalls nicht. Die Allrad-Version drückt 425 kW ins Genick und rennt in 3,8 Sekunden auf Tempo 100, während das Basismodell mit Hinterradantrieb 245 kW leistet.

Wo viel Licht ist, wartet die dicke Werkstatt-Rechnung

Jetzt kommt der Haken. Schlicht und ergreifend.

Elektromotor, Wechselrichter, On-Board-Lader, DC-DC-Wandler und der Hochvolt-Verteilerkasten sitzen im selben Block. Geely eliminiert dadurch 30 Prozent der anfälligen Hochvolt-Steckverbindungen. Was dem Roboter in der Fabrik Arbeit spart, bremst den Werkstattmeister eiskalt aus. Einzelne Komponenten lassen sich schlicht nicht mehr tauschen.

Verabschiedet sich nach fünf Jahren der On-Board-Lader, fliegt womöglich der gesamte 75-Kilo-Antrieb auf den Müll. Das ist finanzielle Absurdität. Auf Gebrauchtwagenkäufer rollt hier ein gewaltiges Kostenrisiko zu.

Der Marktstart ist für das dritte Quartal 2026 im Geely Galaxy TT ab 250.000 Yuan (rund 34.400 USD) angesetzt. Später folgt der Lynk & Co 02. Das nötige Kleingeld für solche Experimente hat der Konzern locker. Allein im Juni 2026 lieferte die Geely Auto Group 240.799 Fahrzeuge aus, wovon 108.206 Einheiten auf die Submarke Geely Galaxy entfielen.

Wenn Fertigungseffizienz zur Falle für Gebrauchtwagen wird

Der Trend zu immer höheren Integrationsstufen verändert die Automobilproduktion radikal. Statt einzelne Komponenten bei Zulieferern einzukaufen und über Meter an Kabelbäumen zu vernetzen, verschmelzen Leistungselektronik, Ladehardware und Steuerungssoftware in einer zentralen Recheneinheit. Das spart Gewicht, Bauraum und vor allem Fertigungszeit im Werk.

Für Erstbesitzer und Leasingkunden überwiegen die Vorteile durch höhere Effizienz und bessere Fahrleistungen. Das dicke Ende kommt erst auf dem Gebrauchtmarkt. Freie Werkstätten besitzen weder das Spezialwerkzeug noch die Freigaben, um hochintegrierte Leistungselektronik im Inneren versiegelter Gehäuse zu reparieren. Der Antrieb droht an dieser Stelle zum Einwegprodukt zu verkommen.

Google bevorzugte Quelle Schmidtis Blog Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen

Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

2 Kommentare

  1. Die Integration kann auch zuverlässiger sein. Warum soll die Elektronik ausfallen.
    Das Problem sind in der Regel Steckverbindungen und Kabelbäume!

  2. „was etwa 7 kWh Strom entspricht.“ … Ähm NEIN! „was etwa 7 kWh (hier elektrische) ENERGIE entspricht.“

    Spannung = V (Volt)
    Strom = A (Ampere)
    V * A = W (wie Watt, hier elektrische Energie) – Physik 7. Klasse!
    Setzen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert