VW ID. Cross Trend: 28.000 Euro und freche Paywalls ab Werk

Volkswagen öffnet ab sofort den Konfigurator für das kleinste Modell seiner neuen Elektro-SUV-Reihe: Der VW ID. Cross Trend startet mit kleiner 37-kWh-Batterie zu einem Listenpreis von exakt 27.995 Euro (rund 28.000 Euro) und soll in vier bis fünf Monaten ausgeliefert werden. Damit bricht Wolfsburg erfreulich früh mit der schlechten Angewohnheit, zum Marktstart monatelang nur die unbezahlbaren Varianten mit Maximal-Akku ins Schaufenster zu stellen.
Diese kurze Lieferfrist ist eine echte Ansage an die Konkurrenz – vor allem mit Blick auf das anhaltende Chaos beim flachen Schwestermodell. Wer den Polo-Stromer in der Basis ordert, wartet im schlimmsten Fall bis zu zwei Jahre auf die Übergabe, weil die Produktionskapazitäten völlig dicht sind. Beim hochbeinigen Crossover scheint Wolfsburg die Abläufe im Griff zu haben. Gerade für ältere Fahrer und den urbanen Raum, wo eine hohe Sitzposition und kompakte Maße zählen, kommt das Einstiegsmodell damit genau zur richtigen Zeit.
37 kWh im Alltagstest: Reicht der Pendler-Akku wirklich aus?
Verantwortlich für das gesenkte Preisschild ist der verbaute Energiespeicher im Unterboden. Der VW ID. Cross Trend rollt mit einer Batteriekapazität von 37 kWh vom Band, was auf dem Papier für 324 Kilometer Reichweite nach WLTP genügt. Das klingt auf den ersten Blick nach einem harten Kompromiss, relativiert sich in der Praxis jedoch schnell. Wer pro Woche rund 150 Kilometer Arbeitsweg abreißt, kommt mit einer einzigen Ladung locker über die Runden. Es war im Grunde schon klar, als der ID. Cross unter 30.000 Euro angekündigt wurde, dass dieser Akku primär für den urbanen Nahverkehr konzipiert ist.
Am Gleichstrom-Schnelllader zieht der Wolfsburger maximal 90 kW. Der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent ist damit in rund 23 Minuten erledigt. Das ist absolut praxistauglich: Während eines normalen Wocheneinkaufs saugt der Akku den Fahrstrom für die nächste Arbeitswoche fast nebenbei auf. Wer dagegen regelmäßig lange Autobahnetappen plant, muss häufigere Stopps einplanen, während die Varianten mit über 400 Kilometern Reichweite für Langstreckenfahrer die wesentlich entspanntere Wahl bleiben.
Echtes Tacho-Display am Steuer, aber die Heizung hinter der Bezahlschranke
Im Cockpit liefert Volkswagen eine erfreuliche Überraschung, die man bei manchem Mitbewerber schmerzlich vermisst. Direkt im Blickfeld des Fahrers sitzt ein vollwertiges digitales Kombiinstrument hinter dem Lenkrad. Das ist ein spürbarer Seitenhieb gegen Konkurrenten wie den Hyundai Ioniq 3, bei dem Käufer der Basisversion ohne Tacho-Display hinter dem Volant leben müssen. Zentral verbaut VW ab Werk einen 12,9 Zoll großen Touchscreen (32,7 Zentimeter Diagonale) inklusive kabellosem Apple CarPlay und Android Auto, DAB+ Radio und sieben Lautsprechern (6+1).
Die Kehrseite der Medaille nervt mich dagegen gewaltig: Volkswagen treibt das Spiel mit den Software-Freischaltungen auf die Spitze. Viele begehrte Ausstattungsdetails sind im Auto physisch fix und fertig verbaut, werden ab Werk jedoch per Software gesperrt. Wer Sitzheizung vorn, Lenkradheizung, Navigationssystem, Abstandsregeltempomat ACC oder die 2-Zonen-Regelung der Climatronic nutzen will, muss nachträglich per Abo oder Einmalkauf blechen. Für mich ist das schlichtweg Abzocke – Kunden schleppen die Hardware spazieren, dürfen sie aber erst nach extra Überweisungen benutzen.
Immerhin knausert Volkswagen bei den serienmäßigen Sicherheitsassistenten nicht. Notbremsassistent „Front Assist“ mit Fußgänger- und Radfahrererkennung, Spurhalteassistent „Lane Assist“, Verkehrszeichenerkennung, Parksensoren vorn wie hinten und Abbiegebremsfunktion sind Standard. Sogar der Spurwechselassistent „Side Assist“ samt Ausstiegswarnung gehört ab Werk dazu. Zudem beherrscht der Wagen bidirektionales Laden (AC und DC), wenngleich die 230-Volt-Stromabgabe einen separaten PowerSocket-Adapter voraussetzt.
28.000 Euro Liste: Warum Vermittler den Preis sofort auf 25.000 Euro drücken
Auf dem offiziellen Preisschild ruft Wolfsburg für den VW ID. Cross Trend knapp 28.000 Euro auf. Einen herben Dämpfer gibt es bei den Rabatten: Die werkseigene „ID Kaufprämie“ verweigert Volkswagen für die Basisausstattung komplett, wie man es bereits vom VW ID. Polo Trend kennt. Wer auf Nachlässe hofft, muss sich mit staatlichen Fördertöpfen begnügen. Wie weit die Schere auseinandergeht, zeigt ein Blick auf das obere Ende der Plattform, wo für den sportlichen ID. Polo GTI fast 40.000 Euro fällig werden.
Der freie Markt hebelt die starre Preispolitik der Wolfsburger Zentrale allerdings postwendend aus. Auf freien Vermittlerplattformen wie APL steht der ID. Cross Trend bereits für unter 25.000 Euro in den Listen. Dafür erhält man ein absolut erwachsenes Elektroauto mit 17 Zoll Stahlrädern im Format 225/55 R 17, praktischen Radvollblenden, asymmetrisch umklappbarer Rückbank und variablem Ladeboden. Bei diesen realen Straßenpreisen wird der kompakte Crossover für Pendler und City-Fahrer plötzlich zu einem echten Preisbrecher.
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