Peugeot E-208: 2027 fliegt die Lenksäule endlich raus

Peugeot zieht beim E-208 für das Modelljahr 2027 einen harten Schlussstrich unter die ungeliebten Verbrenner-Kompromisse. Stellantis schmeißt die alte e-CMP-Mischplattform komplett aus dem Programm und stellt seinen B-Segment-Bestseller auf eine reinrassige Elektro-Architektur. Der eigentliche Paukenschlag wartet im Cockpit: Die Franzosen kappen die mechanische Lenkstange, verbannen das runde Volant und bringen das eckige Steuer in Serie. Ein mutiger Schritt, der die Kleinwagen-Klasse spalten dürfte.
Hypersquare: Wenn das Lenkrad zum Gamecontroller wird
Peugeot bringt das eckige Hypersquare-Lenkrad tatsächlich in Serie. Statt eines klassischen Lenkradkranzes blickt man künftig auf eine digitale Steuereinheit, die Lenkbefehle per Steer-by-Wire elektronisch an die Vorderachse übermittelt. Eine durchgehende mechanische Lenksäule entfällt vollständig. Das System des Zulieferers JTEKT erlaubt eine extrem variable Übersetzung mit maximal einer halben Umdrehung: Beim Rangieren in der Stadt genügt ein kurzer Einschlag ohne Übergreifen, während die Elektronik bei Autobahntempo für stoische Ruhe im Geradeauslauf sorgt.
Für mich ist das der einzig logische Ausweg aus einem Dauer-Ärgernis: Bei bisherigen Modellen verdeckte das kleine Lenkrad je nach Sitzposition die halben Instrumente. Wie die Erlkönig-Aufnahmen des Peugeot e-208 mit Hypersquare-Steuerung bereits belegten, dockt das System direkt an die neue STLA Brain Software-Plattform und das STLA SmartCockpit an. Das Cockpit erinnert an Rennsimulatoren – ob Pendler im Berufsverkehr diesen Bruch mit vertrauten Gewohnheiten auf Anhieb annehmen, wird die spannendste Frage des Marktstarts.
STLA Small räumt mit den Akku-Altlasten auf
Optisch schlägt der Stromer mit scharfen Konturen und drei horizontalen Lichtkrallen eine Brücke zum legendären Peugeot 205. Unter dem Blechkleid arbeitet mit STLA Small (in einigen Berichten auch als STLA One geführt) endlich die lang ersehnte, rein elektrische Plattform. Das spektakuläre Motorsport-Einzelstück Peugeot E-T16 als Technologieträger zeigte zwar, was an Maximalwerten denkbar ist, doch im Alltag zählen Reichweite und Ladezeiten.
Auf der neuen Basis peilt Peugeot im großen Batterie-Setup eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern nach WLTP an. Die kostengünstigen LFP-Zellen stammen aus dem spanischen Stellantis-Werk in Zaragoza, wo gemeinsam mit Branchenriese CATL gefertigt wird. Ein Fragezeichen bleibt beim Schnellladen: Ob Stellantis dem Kleinwagen ein 800-Volt-System für Ladezeiten von unter 15 Minuten spendiert, gilt als unwahrscheinlich. Es dürfte bei einer kostenoptimierten 400-Volt-Lösung bleiben – die dann aber bei Kälte und hohem Ladestand zwingend stabiler liefern muss als bisher.
Preiskampf unter 30.000 Euro gegen Renault 5 und VW
Peugeot muss ab der zweiten Jahreshälfte 2027 vorlegen. Während der Schwesterkonzern mit dem Opel Corsa Electric erst 2028 auf STLA Small nachzieht, stehen die Franzosen im B-Segment allein an vorderster Front. Die Konkurrenz wartet nicht: Der Renault 5 feiert bereits Verkaufserfolge, und Wolfsburg bringt den VW ID. Polo in Stellung.
Dass Peugeot technisch nachlegen muss, belegen die Schwächen der aktuellen Generation. Die maue Ladeleistung von lediglich 100 kW beim Peugeot e-208 GTi war bei Listenpreisen von fast 45.000 Euro schlicht nicht konkurrenzfähig. Für die Neuauflage peilt Peugeot einen Basispreis von unter 30.000 Euro an. Gelingt der Spagat aus radikalem Digital-Cockpit, alltagstauglicher Reichweite und bezahlbarem Einstiegskurs, sichert sich Stellantis einen echten Vorteil. Verpatzt Peugeot jedoch die Software-Abstimmung der Steer-by-Wire-Lenkung, wandert die Kundschaft zur Konkurrenz ab.
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