Warum Xiaomi beim Xiaomi 12 viel zu früh den Stecker zieht

Xiaomi hat seine offizielle End-of-Life-Liste aktualisiert und wirft gleich eine ganze Reihe beliebter Smartphones aus dem Support. Betroffen ist unter anderem die komplette Xiaomi 12-Serie inklusive des Pro-Modells sowie die POCO X5-Reihe. Die Kollegen von Xiaomiui, die bei solchen Leaks und System-Updates eine fast makellose Trefferquote haben, entdeckten den Eintrag auf dem offiziellen Server zuerst: Für diese Geräte gibt es ab sofort keinerlei Updates mehr – weder neue HyperOS-Funktionen noch kritische Sicherheits-Patches.
Ich halte diesen Schritt für absolut unverständlich und viel zu früh. Das Xiaomi 12 kam Anfang 2022 auf den Markt und ist technisch noch immer ein hervorragendes Smartphone. Wenn Spitzenmodelle nach nur vier Jahren komplett fallengelassen werden, hinterlässt das einen bitteren Nachgeschmack.
Eine unsaubere Software-Pflege bremst das System künstlich aus. Beim Smartphone wiegt das wegen neu entdeckter Sicherheitslücken im Alltag sogar noch schwerer. Wer das Gerät heute noch in der Hosentasche trägt, muss sich wegen des fehlenden Schutzes beim Online-Banking oder beim kontaktlosen Bezahlen via Google Wallet nun ernsthaft Gedanken über einen Neukauf machen.
Das billige Versprechen langer Updates
Genau hier lag bisher das Problem bei vielen chinesischen Herstellern. Während Samsung für seine Galaxy S24-Reihe und Google für die Pixel-Modelle mittlerweile bis zu sieben Jahre Support garantieren, schaut man bei Xiaomi nun in die Röhre. Das dürfte viele Nutzer ärgern, die damals über 800 Euro für ein Top-Modell auf den Tisch gelegt haben.
Ehrlich gesagt zeigt dieser Schritt die Kehrseite des extrem schnellen Produktzyklus von Xiaomi. Ständig kommen neue Modelle auf den Markt, wodurch die Pflege der älteren Generationen intern offenbar zur Last wird. Die Leidtragenden sind die Kunden, die eigentlich ein langlebiges Premium-Produkt erwarten durften.
Wer das Xiaomi 12 wegen seiner kompakten Maße und der guten Einhandbedienung schätzt, steht nun vor einem Dilemma. Die Hardware läuft flüssig, doch ohne Sicherheitsupdates wird die Nutzung im Alltag zunehmend riskant. Ein Kompromiss, den im Jahr 2026 eigentlich kein Nutzer mehr eingehen sollte.
Der schleichende Druck zum Neukauf
Am Ende dürfte genau das Kalkül der Hersteller sein: Der sanfte Druck, das eigentlich noch perfekt funktionierende Gerät zu ersetzen. Natürlich altern Akkus und die Performance lässt nach mehreren Monaten oder Jahren im Dauereinsatz etwas nach, aber das rechtfertigt kein digitales Todesurteil.
Für mich wirkt diese Update-Politik schlicht nicht mehr zeitgemäß. Nachhaltigkeit sieht anders aus. Wer jetzt ein neues Smartphone sucht, wird sich genau überlegen, ob er wieder zu Xiaomi greift oder lieber zur Konkurrenz wechselt, die in Sachen Langlebigkeit deutlich stabilere Zusagen macht.
Das harte Geschäft mit dem Android-Support
Hinter den Kulissen tobt ein logistischer und finanzieller Verdrängungswettbewerb. Smartphones mit dem Snapdragon 8 Gen 1, wie die Xiaomi 12-Reihe, basieren auf einer TSMC-4nm-Architektur (N4), deren proprietäre Treiber-Zertifizierung durch Qualcomm nach einigen Jahren ausläuft. Für die Hersteller bedeutet jedes zusätzliche Jahr Support enorme Entwicklungskosten für die Anpassung von HyperOS an veraltete Linux-Kernel-Strukturen (Board Support Packages).
Während Samsung durch enge Coproduktionen mit Qualcomm und gigantische Marktanteile diese Kosten abfedern kann, drückt Xiaomi massenhaft neue Redmi- und POCO-Modelle in den Markt. Die Ressourcen der Software-Ingenieure wandern intern sofort zum nächsten Launch, wodurch ältere Plattformen unrentabel werden. Für den Smartphone-Markt verschärft das die Fragmentierung, da Millionen funktionstüchtiger Geräte künstlich entwertet werden.
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