Xiaomi verbrennt Benzin: Warum der Sky Nomad N90 ein herber Rückschritt für uns ist

Xiaomi Sky Nomad Teaser für das neue EREV N90-Modell
Quelle: Xiaomi
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Wer dachte, Xiaomi marschiert schnurstracks in eine rein elektrische Zukunft, sieht sich jetzt getäuscht. Der chinesische Tech-Riese bringt unter dem überraschenden Namen Sky Nomad eine neue Submarke an den Start, die auf alte Verbrenner-Technik setzt, um Reichweiten-Angst zu bekämpfen. Für europäische Autofahrer ist das ein Schlag ins Gesicht, zeigt aber perfekt, wie weit sich die globalen Märkte mittlerweile voneinander entfernen. Viel schlimmer ist jedoch der Haken, den sich Käufer damit wissentlich in die Garage stellen.

Xiaomi Auto hat 2024 mit der Limousine SU7 die Branche massiv aufgemischt und legt seitdem ein absurdes Tempo vor. Nach dem Sportwagen SU7 Ultra und dem Crossover YU7 folgt nun das nächste Modell. Die offizielle Ankündigung der Submarke Xiaomi Sky Nomad, im Heimatland als Xiaomi Pengcheng registriert, markiert jedoch eine radikale Abkehr von der bisherigen Philosophie. Statt sportlicher Performance mit über 1.000 PS geht es nun um maximalen Komfort und viel Raum.

Das erste Fahrzeug hört auf den Namen Sky Nomad N90 und bricht mit einem ungeschriebenen Gesetz der modernen Tech-Autos. Es ist kein reiner Stromer, sondern ein Elektroauto mit Reichweitenverlängerer. Ein 1,5-Liter-Turbomotor dient hier als reiner Generator, um die Batterie während der Fahrt zu speisen. Die Räder selbst werden zwar elektrisch angetrieben, doch der Tankdeckel bleibt bittere Realität.

Mit einer gigantischen Länge von 5,3 Metern und einem Radstand von 3,1 Metern wuchtet Xiaomi ein Full-Size-SUV auf die Straße, das wahlweise als Fünf- oder Siebensitzer kommt. Die technische Kehrseite dieser Konstruktion liegt auf der Hand. Das Fahrzeug schleppt nicht nur eine Batterie mit satten 70 kWh Kapazität mit sich herum, sondern zusätzlich ein komplettes Verbrennersystem inklusive Kraftstofftank. Das sorgt zwar für eine kombinierte Gesamtreichweite von über 1.500 Kilometern, macht den Koloss aber auch bleischwer.

Der wahre Haken zeigt sich jedoch erst beim Blick auf den Geldbeutel und die Werkstatt im alltäglichen Betrieb. Wer sich ein solches EREV kauft, holt sich die doppelte Wartungskomplexität ins Haus. Man bezahlt im Lebenszyklus den Service für die E-Achsen und das empfindliche Hochvoltsystem, muss aber gleichzeitig wie vor zwanzig Jahren zum klassischen Ölwechsel, Zündkerzen tauschen und die Abgasanlage prüfen lassen. Dazu kommt das handfeste Problem von alterndem Benzin im Tank, wenn der Verbrenner monatelang nicht anspringt, weil man nur Kurzstrecken elektrisch pendelt. Das ist ein teurer Kompromiss, der die Ersparnisse beim Anschaffungspreis schnell auffrisst.

Für mich fühlt sich dieser Schritt ehrlicherweise wie ein Rückschritt an. Das permanente Mitschleppen und Verbrennen von fossilen Kraftstoffen in einem neuen Auto hinterlässt im Alltag einen faden Beigeschmack. Auf der anderen Seite sehe ich, wie europäische Hersteller wie BMW gigantische Akkus in ihre schweren SUVs quetschen, was ökologisch kaum besser ist. Xiaomi löst das Problem der Reichweite auf die pragmatische, aber eben schmutzige Art, während Konzerne wie VW diese Technologie für Europa komplett abschreiben.

Der Erfolg gibt Xiaomi im fernen Asien bisher recht, denn laut Daten des China EV DataTracker konnte das Unternehmen allein im Mai 2026 stolze 32.759 Fahrzeuge ausliefern. Der Markt in China verlangt genau nach diesen riesigen Raumwundern mit Reichweiten-Garantie, weshalb Xiaomi dort bereits aggressive Werbekampagnen fährt. Für uns in Europa bleibt der N90 mit seinem auffälligen Design samt Dach-LiDAR und elektrischen Trittstufen vorerst ein theoretisches Konstrukt, das die tiefe Spaltung der weltweiten Automärkte verdeutlicht.

Das Dilemma der doppelten Plattform: Warum EREVs eine wirtschaftliche Nebelkerze sind

Hinter dem Sinneswandel von Xiaomi steckt eine eiskalte wirtschaftliche Realität der Automobilproduktion. Reine Elektroplattformen erfordern in der schweren Oberklasse extrem teure Batteriezellen, um akzeptable Reichweiten bei Autobahntempo zu garantieren. Durch den Einsatz eines kleineren Akkus in Kombination mit einem billig zu produzierenden Verbrennungsmotor als Generator sinken die Herstellungskosten des Fahrzeugs drastisch, während die Gewinnmarge für den Tech-Konzern nach oben schnellt.

Das ermöglicht es Xiaomi, luxuriöse Innenräume mit massiver Rechenleistung zu Preisen anzubieten, bei denen klassische Premium-Hersteller schlicht nicht mehr mithalten können. Der Haken an dieser Kalkulation ist jedoch unfair verteilt. Während der Hersteller bei der Produktion spart, wird das finanzielle Risiko des doppelten Antriebsstrangs vollständig auf den Endkunden abgewälzt, der die langfristigen Werkstattkosten für zwei komplett unterschiedliche Technologien allein tragen muss.

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