Speicherpreis-Schock: Warum das 400-Euro-Smartphone gerade ausstirbt

Startbildschirm des Xiaomi Mi Note 10 in einer Hand
Quelle: Schmidtis Blog
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Wir stehen vor einem massiven Problem im Android-Markt, das die Hersteller am liebsten totschweigen würden. Die Zeiten, in denen man für unter 400 Euro ein brauchbares Alltags-Handy bekam, sind faktisch vorbei. Der Grund dafür ist nicht mangelnde Nachfrage, sondern eine absurde Kostenexplosion bei einem der unscheinbarsten Bauteile: dem Arbeitsspeicher.

Ein neuer Bericht von Omdia zeigt schonungslos, wie der Budget-Markt gerade kollabiert. Bei Ultra-Budget-Geräten unter 100 Euro macht der RAM mittlerweile 64 Prozent der gesamten Herstellungskosten aus. Selbst in der hart umkämpften Klasse bis 400 Euro verschlingt der Speicher fast 60 Prozent der Materialkosten. Die Einkaufspreise für Speichermodule haben sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.

Der faule Kompromiss der Mittelklasse

Für uns als Käufer hat das bittere Konsequenzen. Wenn der Speicher das Budget frisst, bleibt kein Geld für den Rest. Das Resultat ist ein harter Kompromiss. Motorola hat es dieses Jahr bei der Moto-G-Serie vorgemacht und gezwungenermaßen alte Chipsätze aus dem Vorjahr recycelt. Auch das brandneue Nothing Phone (4b) leidet genau unter dieser Kalkulation, weil es preislich kaum noch Abstand zum ohnehin schon knappen Phone (4a) halten konnte.

Im Alltag merke ich, wie selbstverständlich wir schnelle Speicheranbindung und riesige RAM-Ausstattungen hinnehmen. Doch der Luxus oben bedeutet den Ruin unten. Omdia rechnet mit einem Einbruch der Verkaufszahlen von 22 Prozent bei Smartphones unter 400 Dollar. Die Hersteller ziehen sich aus diesem Segment einfach schrittweise zurück, weil es unrentabel geworden ist.

Die Kehrseite für teure Handys

Man könnte jetzt denken, das betrifft nur die Einsteigerklasse. Doch das ist der Haken an der Sache. Auch teurere Geräte leiden unter dem massiven Preisdruck. Um die Gewinnmargen überhaupt noch zu retten, greifen Android-Hersteller zunehmend zum Rotstift bei anderen Komponenten. Das bedeutet für kommende Generationen: schlechtere Displays, recycelte Prozessoren und lieblos gestrichene Kamera-Sensoren.

Es ist auffällig, wie wenig darüber gesprochen wird, dass wir aktuell Hardware aus 2024 in angeblich neuen Gehäusen serviert bekommen. Der bewusste Kauf von Vorjahres-Flaggschiffen ist damit im Alltag wichtiger als gedacht, denn die neuen Mittelklasse-Modelle sind oft technisch schlechter ausgestattet als ihre direkten Vorgänger.

Der Schweinezyklus der Speicherindustrie

Die Halbleiterbranche unterliegt bei DRAM und NAND-Flash extremen zyklischen Schwankungen. Nach einer Phase massiver Überproduktion und Preisverfällen in den Vorjahren haben Zulieferer wie Samsung, SK Hynix und Micron ihre Kapazitäten drastisch gedrosselt.

Gleichzeitig treibt der globale KI-Boom die Nachfrage nach High-Bandwidth Memory (HBM) extrem in die Höhe, was lukrative Produktionslinien in Beschlag nimmt und Kapazitäten für klassischen LPDDR-Smartphone-RAM blockiert. Das Resultat ist eine künstliche Verknappung, die die Einkaufspreise für Smartphone-Hersteller (OEMs) explodieren lässt und die Materialkostenkalkulation (BOM) der Budget-Klasse komplett zerstört.

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