VW am Abgrund: Warum der historische Machtkampf in Wolfsburg die E-Auto-Wende bedroht

Das VW-Management trifft sich diesen Donnerstag zum ultimativen Showdown. Es geht nicht mehr nur um ein paar gestrichene Boni, sondern um das nackte Überleben in der Ära der Software Defined Vehicles.
CEO Oliver Blume will dringend den Rotstift ansetzen, doch er prallt auf eine Mauer aus politischem Beton. Die eigentliche Tragödie passiert dabei nicht in den Produktionshallen, sondern in der digitalen Fahrzeugentwicklung.
Genau das ist der Haken an der aktuellen Situation. Das Land Niedersachsen, die IG Metall und die mächtige Eigentümerfamilie blockieren sich gegenseitig bis zum völligen Stillstand.
Das System Volkswagen ist kaputt
Ich frage mich ernsthaft, wie ein Konzern mit so vielen inländischen Fronten überhaupt noch globale Autos bauen will. Die Krise ist das neue Normal, hieß es vom VW-Einkaufschef kürzlich ganz ungeniert.
Das ist keine nüchterne Marktanalyse, das ist eine offene Kapitulationserklärung. Wirkliche Agilität? Komplett Fehlanzeige.
Während Tesla seine ohnehin schon effizienten Produktionskosten weiter optimiert, streitet man bei Volkswagen, welches deutsche Werk welche Plattform bekommt. Der massive Gewinneinbruch bei der Cashcow Porsche Taycan zeigt überdeutlich, dass die alten Hardware-Rezepte schlichtweg nicht mehr ziehen.
Jeder Kompromiss, der am Donnerstag geschlossen wird, hat eine bittere Kehrseite. Sichert man um jeden Preis alte Arbeitsplätze in der Verbrenner-Fertigung, fehlen exakt diese Milliarden für die dringend nötige SSP-Plattform.
Wer verliert bei diesem internen Machtkampf?
Ganz ehrlich, am Ende verlieren wir als Endkunden. Wenn sich die verschiedenen Markenchefs intern zerfleischen, bleiben schnelle Innovationen auf der Strecke.
Es ist absurd, dass ein globaler Player nicht mehr schnell auf den Markt reagieren kann, weil politische Befindlichkeiten im Aufsichtsrat wichtiger sind als ein endlich fehlerfrei laufendes CARIAD-Infotainmentsystem.
Natürlich ist es logisch, dass die Gewerkschaft die Löhne in Zeiten der Inflation sichern will. Aber ein tariflich garantiertes Gehalt bringt herzlich wenig, wenn das Produkt am Ende niemand mehr kauft. Die asiatische Konkurrenz liefert bei oft halbem Preis die bessere und vor allem reibungslosere Technik. Da hilft auch das beste Wolfsburger Spaltmaß nicht mehr weiter.
Die Hardware-Falle und das Dilemma der traditionellen Autobauer
Der VW-Konzern leidet exemplarisch am klassischen Innovators Dilemma der traditionellen Automobilindustrie. Die Transformation vom reinen Hardware-Hersteller zum Anbieter von Software Defined Vehicles (SDV) erfordert eine radikale Zentralisierung der Rechnerarchitekturen im Auto.
Statt hunderter dezentraler Steuergeräte (ECUs) verlangen moderne E-Autos wenige zentrale Hochleistungsrechner, oft angetrieben von extrem leistungsstarken SoC-Lösungen von Nvidia oder Qualcomm.
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